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Donnerstag, 17.05.2018

Böse Überraschung im Wald

Von Ines Scholze-Luft

Volle Schaufel: Ein Mitarbeiter der Wettinischen Forstverwaltung lädt Säcke mit Hausmüll auf, die am Betriebshof der Forstverwaltung im Spitzgrund illegal entsorgt wurden. Foto: Norbert Millauer
Volle Schaufel: Ein Mitarbeiter der Wettinischen Forstverwaltung lädt Säcke mit Hausmüll auf, die am Betriebshof der Forstverwaltung im Spitzgrund illegal entsorgt wurden. Foto: Norbert Millauer

© Norbert Millauer

Ich kann es nicht nachvollziehen.“ Daniel von Sachsen steht vor einem Haufen Müllsäcke am Betriebshof der Wettinischen Forstverwaltung im Spitzgrund. Direkt hinterm Zaun finden sich die neusten Müllablagerungen in seinem Wald. Knapp 1 000 Hektar bewirtschaftet die Wettinische Forstverwaltung im Friedewald. Ein weitläufiges Gelände, das an vielen Stellen zum Müllentsorgen missbraucht wird.

Zum Ärger von Waldbesitzern und -besuchern. Da gibt es nun schon die kostenlose Biotonne, Sperrmüllsammlungen und auch die Wertstoffhofannahme zu günstigen Preisen, sagt Daniel von Sachsen. Trotzdem findet er alles Denkbare unter den Waldbäumen. Fast komplette Wohnzimmer- und Kücheneinrichtungen – vom Sofa über Schränke bis zu Waschmaschinen und Kühlschränken –, Kupferkabel, dem das Kupfer fehlt oder auch mal einen alten Öltank. Das verschandelt nicht nur die Optik, sondern kostet auch. Denn findet die Forstverwaltung keinen Verursacher, muss sie den fremden Abfall auf eigene Kosten entsorgen. Knapp 2 000 Euro müssen dafür jedes Jahr investiert werden.

Gartenabfälle bringen noch ein weiteres Problem mit sich, nämlich Pflanzen, die nicht in den Wald gehören. Wird nicht rechtzeitig reagiert, können sie sich schnell verbreiten. Als Beispiele nennt von Sachsen japanischen Staudenknöterich und Zucht-Efeu.

Die Gartenabfälle werden – wie anderer Unrat – meist an Stellen entsorgt, an die die Müllablader gut mit dem Auto gelangen und wo sie nicht gleich gesehen werden. Weniger geworden ist das in den vergangenen Jahren nicht, die Dreistigkeit ist sogar noch gestiegen, sagt von Sachsen. So hat jemand zwar Namen und Hausnummer vom Briefumschlag im Müllsack entfernt, dafür aber vollständige Kontoauszüge mitgeliefert. Manche Leute wurden auch schon in flagranti erwischt. Denn nicht nur das Team der Forstverwaltung hat ein wachsames Auge auf das Geschehen im Grünen. Jäger, Waldarbeiter und auch Spaziergänger sind aufmerksam, fotografieren schon mal und melden Entdecktes. Und tatsächlich: Als jemand kistenweise Fallobst entsorgen will, darf er es gleich wieder mitnehmen. Das Wild könne sich das doch holen, so die Begründung fürs Abladen. Eine schiefe Ausrede. Keiner darf so einfach eine Fütterung anlegen, weil Krankheitserreger eingeschleppt werden könnten, sagt von Sachsen. Er setzt aufs Aufklären, über die Müllfolgen für den Wald und die günstigen offiziellen Entsorgungsmöglichkeiten. Und ist froh über zuverlässige Helfer beim Sauberhalten des Waldes. Seit drei Jahrzehnten ist die IG Friedewald im Einsatz, beim Waldputz zweimal im Jahr.

Heute fliegt offensichtlich der meiste Müll aus dem Autofenster an den Straßenrand. Besonders Bier- und Schnapsflaschen, seit dem Einwegverpackungspfand selten mal eine Bierdose.

Für Ordnungsamtschef Olaf Lier ist das Thema Müll, speziell in Wald und Flur, ein sehr wichtiges. Auch weil die Stadt selbst Waldbesitzer ist und mit den anderen Eigentümern zusammenarbeitet. Lier warnt davor, den alten Fernseher oder die gebrauchte Waschmaschine nicht offiziellen Sammlern mitzugeben. Die könnten das Gerät im nächsten Waldstück aussondern, die Spur lasse sich möglicherweise bis zum Besitzer zurückverfolgen. Immerhin wurden im Coswiger Stadtgebiet im vergangenen Jahr 50 alte, unberechtigt abgestellte Elektrogeräte – von Toaster bis Kühlschrank – entdeckt. Dazu kamen sieben Kubikmeter alte Reifen. Insgesamt 100 Fälle von illegaler Müllentsorgung. Lier rät allen, die mit einer Elektrogeräte-Spende etwas Gutes tun wollen, sich an einen Hilfsverein zu wenden, damit die Geräte auch wirklich an der richtigen Stelle ankommen. Für Elektroschrott empfiehlt er die kostenlose Annahme im Wertstoffhof oder eine angemeldete Sperrmüllsammlung.

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