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Dienstag, 25.09.2018

Bischöfe bitten Missbrauchsopfer um Entschuldigung

Die Deutsche Bischofskonferenz hat in Fulda die Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche vorgestellt. Im Bistum Dresden-Meißen soll es 15 tatverdächtige Pfarrer und 28 Opfer gegeben haben. Bischof Heinrich Timmerevers zeigte sich erschüttert.

Von Tobias Wolf

Stephan von Spies (Leiter Beratungsstab sexueller Missbrauch, Justitiar Bistum Dresden-Meißen), Michael Baudisch (Pressesprecher Bistum), Benno Schäffel (Pfarrer, stlv. Generalvikar und Personalchef Bistum), Angelika Fischer (Leiterin von Präventionskursen) (v.l.) stellten die Zahlen des Bistums Dresden-Meißen zur Missbrauchsstudie vor. Bischof Heinrich Timmerevers selbst ist krank, sein Vertreter derzeit in Fulda bei der Bischofskonferenz.
Stephan von Spies (Leiter Beratungsstab sexueller Missbrauch, Justitiar Bistum Dresden-Meißen), Michael Baudisch (Pressesprecher Bistum), Benno Schäffel (Pfarrer, stlv. Generalvikar und Personalchef Bistum), Angelika Fischer (Leiterin von Präventionskursen) (v.l.) stellten die Zahlen des Bistums Dresden-Meißen zur Missbrauchsstudie vor. Bischof Heinrich Timmerevers selbst ist krank, sein Vertreter derzeit in Fulda bei der Bischofskonferenz.

© Tobias Wolf

Fulda/Dresden. Die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche war mit Spannung erwartet worden. Bei der Vorstellung der Untersuchung hat Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker um Entschuldigung gebeten. „Allzu lange ist in der Kirche Missbrauch geleugnet, weggeschaut und vertuscht worden. Für dieses Versagen und für allen Schmerz bitte ich um Entschuldigung“, sagte Marx in Fulda bei der Vorstellung der Studie.

Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 mindestens 1 670 Kleriker 3 677 Minderjährige unter dem Dach der Katholischen Kirche missbraucht haben. Die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und Folgen sei damit nicht abgeschlossen, sondern beginne jetzt, so Marx.

In zehn von 27 deutschen Bistümern waren für die bundesweite Studie Priesterpersonalakten im Zeitraum von 1946 bis 2015 erfasst worden, in den übrigen 17 nur die Jahre 2000 bis 2015, darunter auch im Bistum Dresden-Meißen. Das Bistum umfasst nahezu den gesamten Freistaat Sachsen, bis auf Teile der Oberlausitz und schließt einige Teile Thüringens wie Altenburg und Gera mit ein.

In Dresden stellte das Bistum Dresden-Meißen am Dienstag auch seine eigenen Untersuchungen vor, die nun alle bekannten Missbrauchsfälle seit 1960 bis 2015 widerspiegeln sollen. 345 Personalakten waren für die Studie ausgewertet worden, darunter alle Priester, die von 2000 bis 2015 dem Bistum angehörten. Demnach habe es in diesem Zeitraum insgesamt 15 Tatverdächtige gegeben, davon 14 Priester und ein Ordenspriester und 28 Opfer, davon 13 männliche und 15 weibliche Betroffene. Die Mehrzahl, 26 Menschen, war von 1960 bis 1989 missbraucht worden.

Die Studienergebnisse hätten ihn erschüttert, sagt der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers. „Ich schäme mich dafür, dass Kleriker und Ordensleute die menschliche Würde von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen mit Füßen getreten haben.“ Das Bistum sehe sich der konsequenten Aufklärung verpflichtet, was selbstverständlich die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden einschließe, so Timmerevers weiter. „Für unsere Diözese bitte ich die Opfer um Entschuldigung. Ich weiß, dass diese Worte allein nicht genügen.“

Timmerevers, der wegen eines chirurgischen Eingriffs nicht nach Fulda reisen konnte und noch für mehrere Wochen ausfällt, wurde bei der Vorstellung der Zahlen in Dresden von Personalchef Pfarrer Benno Schäffel vertreten. Schäffel sagte, es gelte nun Konsequenzen zu ziehen. Tausende von Kindern und Jugendlichen seien zu Opfern sexuellen Missbrauchs zu Opfern geworden durch Priester und Ordensleute, durch Vertreter der Kirche, die in einem besonderen Vertrauen stehen und dieses Vertrauen missbraucht hätten. Die Betroffenen sexuellen Missbrauchs seien dann ein zweites Mal im System Kirche zum Opfer geworden, „das meinte zuerst den Ruf der Institution schützen zu müssen, den Ruf von Schuldigen und nicht die Opfer.“

Drei der tatverdächtigen Pfarrer waren aufgrund ihrer Vergehen aus dem Priesterstand entlassen worden. Derzeit gebe es im Bistum einen Priester im dienstfähigen Alter, der wegen eines Missbrauchsvergehens verurteilt wurde und vom Dienst freigestellt ist. Er werde psychologisch betreut und Ihm sei die Arbeit mit und der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen untersagt. Zwei Priester, die bereits im Ruhestand seien, sind ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Gegen einen weiteren Priester im Ruhestand laufen derzeit Voruntersuchungen. Dabei gehe es um Tatvorwürfe im Zeitraum von 2008 bis 2014.