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Donnerstag, 12.01.2017

2016 weniger Museumsbesucher - aber Chemnitz begehrt

Sachsen ist reich an Museen und verwöhnt in Sachen Besucher. Das hat sich geändert. Zuwächse in diesem Bereich sind inzwischen eher die Ausnahme. Das liegt nicht nur am Rückgang des Tourismus im Land.

Besucher in den Kunstsammlungen Chemnitz an Werken des Künstlers Hans-Hendrik Grimmling.
Besucher in den Kunstsammlungen Chemnitz an Werken des Künstlers Hans-Hendrik Grimmling.

© dpa

Dresden. Sachsens Museen verzeichnen für das vergangene Jahr leichte bis deutliche Besucherrückgänge zwischen knapp einem bis fast 25 Prozent. Bei den Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) standen mit insgesamt rund 2,1 Millionen etwa 200 000 weniger Gäste aus dem In- und Ausland zu Buche - ein Minus von fast neun Prozent.

Ins Deutsche Hygiene-Museum Dresden (DHMD) kamen rund 261 000 und damit 2 000 Besucher weniger und ins Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) nur 58 000 nach 73 000 im Jahr zuvor. Bei den Kunstsammlungen Chemnitz hat das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen.

Für Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sind das übliche Schwankungen, die im Toleranzbereich liegen. „Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben.“ Dem 2014 eröffneten smac fehle noch die überregionale Bekanntheit, SKD und DHMD träfen der Einbruch beim Tourismus, erklärte Stange. Verantwortlich dafür ist auch das fremdenfeindliche Image des Landes.

„Unsere Museen werden nicht allein an Besucherzahlen gemessen, sondern vor allem an der hervorragenden Qualität ihrer Ausstellungen und Angebote“, betonte Stange. Sie seien wichtige Institutionen der kulturellen Bildung, aber zunehmend auch Orte des öffentlichen gesellschaftlichen Dialogs zu Fragen der Zeit. „Und diese Aufgabe erfüllen sie hervorragend und erfolgreich.“

Die Leiterin der Landesstelle für Museumswesen, Katja Margarethe Mieth, schätzt, dass auch bei nichtstaatlichen Einrichtungen die „Quote“ gesunken ist. Eine aktuelle Gesamtbilanz gibt es noch nicht.

Auch ins Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) kamen weniger Besucher. Knapp 105 600 waren es und damit fast 30 000 Gäste (ein Viertel) weniger als im Jahr zuvor, wie ein Sprecher sagte. Die Hoffnungen liegen nun auf 2017 und dem Highlight „Nolde und die Brücke“. „Damit wird sich voraussichtlich die Kurve der jährlichen Schwankungen wieder nach oben bewegen.“

Die Kunstsammlungen Chemnitz berichten von „leichtem Anstieg“, ohne Zahlen zu nennen. Sie konnten mit Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel punkten, wie eine Sprecherin sagte. „Es gibt zum Teil Aufwüchse, wenn sie große Ausstellungen machen oder in Marketing und Tourismus investieren“, erklärte Mieth. Vielfach fehle es dafür aber an Personal und Geld. Andererseits wachse die Konkurrenz der Freizeitaktivitäten.

„Man kann seine Lebenszeit nur ein Mal verbrauchen“, sagte Mieth. „In heißen Sommern gehen die Leute eher ins Freibad.“ Auch deshalb sei die Besucherzahl kein Maßstab für die Qualität von Museumsarbeit. Vor allem die regionalen und lokalen Museen seien stark in nicht touristischen Orten verwurzelt, identitätsstiftend und die Basis für den Erfolg von Museen. Dort finde die erste Begegnung im Kindesalter statt, sie weckten früh Interesse für Kultur und Naturerbe. „Es war ein gutes Museumsjahr“, so Mieth. (dpa)