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Freitag, 15.04.2016

Glasmuseum Weißwasser will ins Unesco-Verzeichnis

Das ostsächsische Weißwasser war um 1900 das Zentrum der deutschen Glasindustrie. Heute erinnert ein Museum an die glanzvolle Zeit. Mit seiner Glaskunst hat das Haus große Pläne.

Im Glasmuseum in Weißwasser werden auch Stielvasen, Kerzenhalter und Schalen des Designers Horst Grams von 1985/89 ausgestellt.
Im Glasmuseum in Weißwasser werden auch Stielvasen, Kerzenhalter und Schalen des Designers Horst Grams von 1985/89 ausgestellt.

© dpa

Weißwasser. Das Glasmuseum in Weißwasser (Landkreis Görlitz) will in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. „Wir zeigen verschiedene Werkstätten und ihre Gläser“, sagte Museumsleiterin Elvira Rauch. Damit sei eine Voraussetzung erfüllt. Zudem müsse aber noch vor Ort die Herstellung von Glas erlebbar gemacht werden. „Das streben wir an, vielleicht gemeinsam mit einem Kooperationspartner“, so Rauch. 2015 wurde die manuelle Glasfertigung in das Bundesverzeichnis des immateriellen Unesco-Kulturerbes aufgenommen. Einzelne Museen können sich damit um die Aufnahme in diese Liste bewerben.

Kommt das Museum auf die Liste, hofft das Haus auf mehr Besucher. Bisher kommen rund 3 500 Gäste im Jahr - Tendenz steigend. „Wir haben für dieses Jahr schon viele Anmeldungen von Reisegruppen“, so Rauch. Besucher kämen vor allem aus Dresden und der Oberlausitz, aber auch aus ganz Deutschland.

Im Juni begeht das Glasmuseum - eines der wenigen in Ostdeutschland - seinen 20. Geburtstag. Gefeiert wird bereits am 16. April mit einem Festakt und der Eröffnung einer Sonderausstellung zu Stücken des Industriedesigners Wilhelm Wagenfeld (1900-1990). Dieser hatte 1935 die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) übernommen.

Weißwasser war um 1900 weltgrößter Standort der Glasindustrie - mit elf Glaswerken, fünf Glasraffinerien und zahlreiche Zulieferbetrieben. Bis heute setzen zwei Betriebe die Tradition fort. Seit 1996 erinnert das Glasmuseum an die Geschichte und Bedeutung. Der Förderverein hat die Einrichtung in der Villa eines früheren Glasfabrikanten aufgebaut.

„Wir sind ein Industriemuseum. Da sind nicht einfach in Vitrinen die Gläser angeordnet“, betonte Rauch. Besucher erfahren Wissenswertes über die Rohstoffe für die Glasherstellung bis zu Veredelungstechniken wie Schleifen oder Gravieren. Insgesamt sind rund 60 000 Exponate in der Villa zu sehen. Zu den kostbarsten Stücken gehören die sogenannten Diatretgläser - prunkvoll geschliffene Gefäße mit durchbrochenem Glas.

Zunehmend wird das Museum auch von Schulen aus dem Umkreis besucht, berichtete Rauch. Schüler sind derzeit für ein Projekt damit beschäftigt, Glas zu schleifen, zu bemalen und aus dem zerbrechlichen Material Tiere herzustellen. Eine Ausstellung mit ihren Kunstwerken ist für Ende April geplant. (dpa)

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