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Dienstag, 20.03.2018

Zur Kasse, bitte: So geht sicheres Bezahlen im Netz

Bei Vorkasse haben Kriminelle im Internet leichtes Spiel. Viele vermeintlich sichere Zahlmethoden sind nicht besser.

Von Dirk Averesch

Der Bezahldienst PayPal ist eine der Varianten, beim Einkauf im Internet zu bezahlen.
Der Bezahldienst PayPal ist eine der Varianten, beim Einkauf im Internet zu bezahlen.

© Lukas Schulze/dpa

Sie bezahlen meist per Vorkasse, erhalten die bestellten Produkte aber nie: Immer wieder fallen Online-Kunden auf Betrüger herein. Dabei kann man sich schon mit dem richtigen Zahlungsweg viel Ärger sparen. Die einfache Regel: niemals Vorkasse. „Beim Kauf auf Lastschrift kann ich das Geld zurückholen, wenn etwas nicht stimmt mit der Ware“, erklärt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Oder: „Bei einer Rechnung bezahle ich nichts, wenn nichts kommt.“

Rechnung und Lastschrift sind hierzulande also aus guten Gründen die Favoriten beim Bezahlen im Netz. Auf sie gehen zusammen mehr als die Hälfte der Zahlungen in deutschen Online-Shops zurück: Der Anteil der Rechnung am gesamten E-Commerce-Umsatz liegt bei 30,5 Prozent, wie aus der Studie Online-Payment 2017 des EHI Retail Institutes hervorgeht. Bei der Lastschrift sind es 20,2 Prozent.

Die Bezahldienste führt Paypal an: Laut EHI-Studie werden 17,9 Prozent des E-Commerce-Umsatzes über diese Zahlart abgewickelt. Mit weitem Abstand folgen Sofort (vormals Sofortüberweisung, 2 Prozent Umsatz-Anteil) und Amazon Pay (1,1 Prozent). Es gibt noch weitere Anbieter, wie die von den deutschen Banken und Sparkassen initiierten Zahldienste Giropay und Paydirekt. Sie haben aber eine so geringe Bedeutung, dass die Studie sie gemeinsam unter Sonstige (2,1 Prozent) führt.

Kreditkarte bedeutet Vorkasse

Kreditkarten sind mit einem Umsatz-Anteil von 12,2 Prozent an den Onlinekäufen recht verbreitet – laut EHI vor allem dank geringer Gebühren. Aber: „Generell ist Kreditkarte auch ein Vorkasse-Kauf“, stellt Tryba klar. Zudem gebe es zwar für Kreditkarten-Käufer Schutz in Bezug auf missbräuchliche Nutzung. „Missbrauch ist hier aber anders gemeint“, so der Verbraucherschützer – etwa, wenn mit einer gestohlenen Karte bezahlt oder die Unterschrift gefälscht wird. Beim Online-Shopping bestätige man ja, dass man genau diesem Händler Geld schicken möchte.

Es könne zwar sein, dass das kartenausgebende Institut weitergehende Garantien, etwa bei Nichtlieferung, gibt. „Das Ganze ist für den Verbraucher aber zu kompliziert“, findet Tryba. Man müsse die Kartenbedingungen schon genau studieren, um zu wissen, ob und wann man echte Reklamationsansprüche von Buchungen hat.

Der Anteil der klassischen Vorkasse per Überweisung durch den Käufer am E-Commerce-Umsatz liegt der EHI-Studie zufolge zwar nur bei 4 Prozent. Faktisch handelt es sich aber auch bei Giropay, Paydirekt oder Sofort um Vorkasse: Über den Bezahldienst loggt man sich bei seiner Bank ein und überweist direkt samt TAN-Eingabe.

Allerdings gibt es da noch den Käuferschutz als eine Art Geld-zurück-Garantie, den Amazon Pay, Paydirekt, Paypal oder
Sofort anbieten, und der auch bei Direkt-Überweisungen das Käuferrisiko minimieren kann. Der Käuferschutz greift in der
Regel, wenn Bestelltes nicht geliefert wurde, nicht der Produktbeschreibung entspricht, fehlerhaft oder defekt ist. Meist legen die Dienste aber Ausnahmen und Fristen fest. „Die stellen immer Bedingungen oder schließen etwas aus“, erklärt Tryba. „Man muss sich das leider immer etwas genauer ansehen.“

Rechtlich bindend sind Käuferschutz-Entscheidungen von Bezahldiensten zwar nicht. Das hat der Bundesgerichtshof in Fällen entschieden, bei denen Paypal Streitigkeiten zugunsten von Käufern entschieden und ihnen den Kaufpreis zulasten der Händler zurückerstattet hatte. In solchen Fällen könnten Verkäufer immer noch klagen, so der BGH. Gleichwohl bleibe der Käufer im Vorteil, da erst einmal der Verkäufer den Schwarzen Peter habe und klagen müsse.

Nichts ist umsonst

Aber auch der Käuferschutz kann seinen Preis haben: Daten. Zum einen sind die Datenschutzerklärungen der Bezahldienste häufig unkonkret und unverständlich, wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) kritisiert. Zum anderen arbeiteten die Dienste oft nicht datensparsam. Teils würden die erhobenen Daten zu Marketingzwecken mit Dritten geteilt oder fließen laut vzbv in Nutzerprofile ein – etwa bei Amazon Pay und Paypal.

Fast jede Bezahlart kostet Gebühren, die meist der Händler übernimmt – und manchmal ganz oder teilweise an den Käufer weiterreicht. Der Gesetzgeber schreibt Online-Shops mindestens eine dem Kunden zumutbare Gratis-Zahlart vor. Dass Direkt-Überweisungen, bei denen man einem Dritten kurzzeitigen Zugriff auf sein Bankkonto gewähren und in den Abruf von Kontodaten einwilligen muss, nicht dazugehören, hat der Bundesgerichtshof entschieden. (dpa)

Aktenzeichen: 2-26 O 458/14

Woran erkenne ich einen seriösen Shop?

Der Shop: Bei noch unbekannten Online-Shops sollte man zunächst prüfen, ob es ein Impressum gibt und ob darin Inhaber, Standort und der Handelsregistrierungseintrag aufgelistet sind. Etablierte Shops verfügen auch über Sicherheitssiegel wie die von „Trusted Shops“, „TÜV Safer Shopping“, „Geprüfter Online-Shop“. Ob ein Siegel echt ist, zeigt sich daran, dass es sich öffnet, wenn man darauf klickt. Zudem sollte man wachsam sein, wenn der Verkäufer nur per E-Mail erreichbar ist.

Die Verbindung: Die Polizei rät für den Bezahlvorgang zu einer gesicherten Verbindung. Sie erkennen dies am „s“ in „https://“. Einige Browser unterlegen in der Adresszeile diesen Bereich auch mit einer grünen Farbe. Ebenso wird oft auch ein geschlossenes Bügelschloss im Browser angezeigt. In der Regel sollten seriöse Shops diese gesicherte Verbindung anbieten.

Die Prüfung: Es gibt für Internetbrowser zusätzliche Programme (Add-on), die zeigen, wo eine Internetseite gehostet wird. Beispiele sind „Flagfox“ und „WorldIP“. In der Browserzeile mit der Adresse der Homepage wird dann am Ende zusätzlich eine Flagge des jeweiligen Landes gezeigt, wo die Internetseite zurzeit ihren Sitz hat. Sollten Sie beispielsweise einen Shop aufrufen und bemerken, dass dort eine ausländische Flagge angezeigt wird, sollten Sie misstrauisch sein – es sei denn, der Shop befindet sich offiziell in diesem Land.

Bezahlung: Wählen Sie sichere Zahlungswege: Der Kauf auf Rechnung kann vor Betrug durch Fake-Shops schützen. Vorsicht ist auch bei Western Union, Ukash oder paysafe geboten. Im Zusammenhang mit PayPal sollte man bei Fremden nie auf die Zahlungsvariante „Freunde an Freunde“ eingehen.

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