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Mittwoch, 14.05.2014

Wann lohnt sich ein Gas-Auto?

Viele Autofahrer kennen nicht mal den Unterschied zwischen Erd- und Autogas. Dabei würde sich der Umstieg oft rechnen. Wären da nicht die Vorurteile.

Der Umstieg auf Gas lohnt sich oft. Viele fürchten allerdings Kosten und Verfügbarkeit. Dabei gibt es vor allem in Ballungsräumen viele Tankstellen, die Gas anbieten.
Der Umstieg auf Gas lohnt sich oft. Viele fürchten allerdings Kosten und Verfügbarkeit. Dabei gibt es vor allem in Ballungsräumen viele Tankstellen, die Gas anbieten.

© fsc/grunwald/dpa

Über die These, Autos mit Gasantrieb gingen generell schneller kaputt, schüttelt Gunnar Dietze nur den Kopf. 300.000 Kilometer ist der Bautzner Dekra-Sachverständige schon mit seinem umgebauten Mercedes E280 gefahren. „Die 400.000 mache ich noch voll“, sagt er. Betankt wird der Kombi mit Liquefied Petroleum Gas, kurz LPG. Autogas, sagen die meisten. Der in flüssiger Form gespeicherte Propan-Butan-Mix kostet derzeit zwischen 70 und 75 Cent pro Liter. Ein Liter E10 ist doppelt so teuer. Obwohl es eine reizvolle Rechnung wäre, hat Dietze nie addiert, was er über die Jahre an Kraftstoffkosten gespart hat. Fakt ist: Die 2.500 Euro teure Autogas-Anlage hat sich längst amortisiert. Doch warum tun es ihm nicht mehr Autofahrer gleich und steigen auf Gas um? Das hat auch mit Vorurteilen zu tun.

1. Es gibt zu wenige Tankstellen

Bei Erdgas – oder Compressed Natural Gas (CNG), wie es auf Englisch heißt, ist das definitiv so. Im ehemaligen Regierungsbezirk Dresden existieren laut der Initiative Erdgas Mobil nur sechs Zapfsäulen. Sachsenweit sind es 30, im Bundesgebiet 920. Das Problem daran: Acht Prozent der Zapfstellen stehen auf Betriebshöfen. Das heißt, sie sind nicht immer rund um die Uhr nutzbar, teilweise fehlt es an Servicepersonal. Dass bisher nicht mehr Stationen gebaut wurden, liege auch an den Kosten, sagt Erdgas-Mobil-Sprecherin Claudia Petersen. Für eine Tankstelle müssen zwischen 250.000 und 300.000 Euro investiert werden. Das ist ein Vielfaches von dem, was eine Autogas-Zapfstelle kostet. LPG bieten derzeit mehr als 300 Tankstellen in Sachsen an. Bundesweit bekommen Autofahrer den Kraftstoff an fast 6.700 Stationen. Damit ist die Versorgungslage schon recht ordentlich.

2. Fahrzeuge sind teuer

Stimmt. Egal, ob LPG oder CNG – ein ab Werk ausgerüsteter Neuwagen ist teurer als ein vergleichbarer Benziner. Umgerüstet wird fast nur auf Autogas. Hier liegen die Zusatzkosten je nach Zylinderzahl zwischen 1.900 und 2.500 Euro – inklusive Einbau. Bei direkt einspritzenden Benzinern wird es noch etwas teurer. „Der Umbau dauert in einer guten Werkstatt in der Regel einen bis anderthalb Tage“, sagt Dietze. Es gibt aber auch Schrauber in Polen, die Umrüstungen für 1.000 Euro oder weniger anbieten. Das kann gutgehen, muss aber nicht. Bei einem Defekt in der Garantiezeit muss man nach Polen zurück, um die Anlage reparieren zu lassen. Auch bei der Eintragung kann es Probleme geben.

Für den Experten steht und fällt das Thema Gas mit der Qualität, die der Umrüster bei Beratung und Montage abliefert. Als gute Anbieter in der Region nennt er Bifuel4Cars, den Kfz-Betrieb Vortrieb sowie die Firma Auto-Spezialist Bautzen GmbH.

Damit fahren Sachsens Autobesitzer

1 von 5

Statistik von 2014

Benzin: 1.581.071
Diesel: 477.191
Flüssiggas (LPG): 21.135
Erdgas (CNG): 2.278
Elektro: 369
Hybrid: 4.726
Sonstige: 58

Statistik von 2013

Benzin: 1.604.949
Diesel: 451.692
Flüssiggas (LPG): 21.408
Erdgas (CNG): 2.144
Elektro: 213
Hybrid: 3.680
Sonstige: 79

Statistik von 2012

Benzin: 1.630.753
Diesel: 425.097
Flüssiggas (LPG): 20.505
Erdgas (CNG): 2.026
Elektro: 210
Hybrid: 2.773
Sonstige: 20

Statistik von 2011

Benzin: 1.647.354
Diesel: 401.176
Flüssiggas (LPG): 19.471
Erdgas (CNG): 1.824
Elektro: 55
Hybrid: 2.192
Sonstige: 564

Statistik von 2010

Benzin: 1.658.678
Diesel: 380.923
Flüssiggas (LPG): 17.936
Erdgas (CNG): 1.674
Elektro: 51
Hybrid: 1.733
Sonstige: 45

3. Gas lohnt sich nicht

Ab welcher Laufleistung man spart, kann man auf Portalen wie autogasrechner.de für LPG und erdgas-mobil.de für CNG prüfen. Für Autogas macht Gunnar Dietze folgendes Beispiel auf: „Ein Mittelklassewagen braucht auf 100 Kilometern acht Liter Benzin. Das macht Kosten von zwölf Euro bei einem mittleren Benzinpreis von 1,50 Euro. Autogas kostet Sie rund die Hälfte, also sechs Euro je hundert Kilometer.“ Nach rund 30.000 Kilometern habe sich die Anlage also bereits amortisiert.

3. Technik ist anfälliger

Dass der Verschleiß in Gasmotoren tendenziell höher ist, bestätigt Dekra-Spezialist Dietze. Minimieren lasse sich dieses Problem aber durch die Zugabe von Zusatzschmierstoffen. Dann seien auch hohe Laufleistungen möglich. Bleibt noch die Angst, der oft in der Reserveradmulde eingebaute Gastank könne bei einem Leck explodieren: Diese Sorge sei unbegründet, sagt der Experte. Belegt haben das Crash- und Brandtests von ADAC und Dekra. Auch wichtig zu wissen: Autogas ist ungiftig.

4. Verbrauch steigt

Das ist kein Vorurteil, sondern Fakt. Wegen der geringeren Energiedichte von Autogas und Erdgas verbrennen die Aggregate mehr Kraftstoff als Benzin- oder Dieselmotoren. Der Mehrverbrauch liegt beim Autogas für einen Vierzylinder zwischen zehn und 15 Prozent. Beim Erdgas ist die Vergleichbarkeit schlechter, da der Kraftstoff nicht in Litern, sondern Kilogramm abgerechnet wird. Außerdem wird Erdgas in verschiedener Güte angeboten. Trotzdem spart man letztendlich mit LPG und CNG – solange man sich bemüht, nur mit Gas zu fahren. Wer den Tank seines „Bifuel“-Autos dagegen öfter leer fährt und auf Benzin umschalten muss, um sein Ziel zu erreichen, fährt dagegen sehr unwirtschaftlich.

5. Kleine Fahrzeugpalette

Stimmt teilweise. Serienfahrzeuge mit Erdgasantrieb gibt es gerade mal 24. Davon sind acht von VW, sieben von Fiat, je zwei von Opel, Seat, Skoda und Mercedes-Benz sowie ein Audi. Im Autogas-Sektor ist vor allem Chevrolet führend. Umgerüstet werden jedoch auch viele Modelle der VW-Gruppe. Auch das Problem des Leistungsverlusts von Erdgasmotoren gehen die Autobauer an. Das Aggregat im VW Passat TSI Ecofuel bringt es dank Turbo auf 150 PS.

6. Zukunft gehört dem E-Auto

In der Tat ist ein Teil der Infrastruktur schon vorhanden, sagt Stefan Laske von der Energieagentur Saena. „Wer ein E-Auto fährt, hat oft schon eine Tankstelle daheim.“ Die Steckdose dort gewährleistet meist aber nur, dass der Wagen über Nacht im Carport oder in der Garage aufgeladen werden kann. Wer dagegen Langstrecken rein elektrisch bewältigen will, ist auf Schnellladestationen angewiesen, die den Akku binnen 20 bis 30 Minuten wieder füllen. Der Aufbau eines solchen Netzes beginnt gerade erst. Bis 2017 sollen im Rahmen des Projekts „Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“ bundesweit 400 Säulen errichtet werden. Was die E-Mobilität über weite Strecken betrifft, bleibt Gunnar Dietze dennoch skeptisch. Sein nächstes Auto soll wieder mit Gas fahren.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Uwe Stikar

    Sehr geehrter Herr Rentsch, ergänzen möchte ich, das auch Renault und Dacia als Tochtermarke von Renault Flüssiggasautos anbietet. Beim Dacia Dokker und Dacia Lodgy erhalten Sie zur Zeit die Flüssiggasvarianten ab Werk zum Preis vom Benziner, also ohne Aufpreis! Mit freundlichen Grüßen U.Stikar

  2. Martin Weber

    Zitat: "Auch das Problem des Leistungsverlusts von Erdgasmotoren gehen die Autobauer an." Bitte erst mal ne richtige Recherche und auch mal ein neueres, richtig entwickeltes Erdgasauto probefahren. Erdgas/CNG ist ein 130-Oktan-Kraftstoff, wo soll denn da ein Leistungsverlust herkommen? Die Fahrzeuge starten sogar inzwischen auf CNG und nicht mehr auf Benzin. Einfach die Finger von solchen durcheinander gewürfelten Beiträge lassen. Es ist kein Wunder, dass Otto Normalo als Interessent bei Gas nicht durchblickt und immer noch denkt, LPG und CNG ist dasselbe.

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