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Samstag, 25.11.2017

Wann bekomme ich einen Hospizplatz und was kostet er?

Zum Abschluss der Serie „In Würde sterben“ antworten Fachleute auf Leserfragen.

© Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Ich hatte einen Schlaganfall und bin pflegebedürftig. Wo bekomme ich bei Bedarf Medikamente zur Selbsttötung?

Gewerbsmäßige Hilfe zum Suizid ist in Deutschland strafbar. Sie sollten mit Ihrem Hausarzt über Ihre Ängste und Befürchtungen am Lebensende sprechen. Informieren Sie sich, wie Ihre Versorgung organisiert werden kann. Unterstützung bieten Pflegedienste oder ambulante Hospizdienste. Ihr Hausarzt kann Ihnen palliativmedizinische Leistungen vermitteln, damit zum Beispiel Ihre Schmerzen gelindert werden können.

Gibt es die Möglichkeit einer Teilzeitbetreuung in einem stationären Hospiz oder auf einer Palliativstation?

Es gibt einige Angebote von teilstationären Hospizplätzen wie beim Christlichen Hospizdienst Dresden. Zudem versorgen spezialisierte ambulante Palliativteams Sterbenskranke zu Hause – in Zusammenarbeit mit den Angehörigen und Hospizdiensten. Jederzeit können Angehörige aber auch Patienten auf Palliativstationen und in Hospizen besuchen und dort übernachten.

Warum hat eine solche große Stadt wie Dresden kein Hospiz?

Lange Zeit konnte die Betreuung durch das mit für Dresden zuständige Hospiz in Radebeul abgedeckt werden. Da der Bedarf aber gewachsen ist, ist ein stationäres Hospiz am St. Joseph Stift Krankenhaus in Dresden in Planung. Eröffnung soll 2020 sein. Es gibt keine staatliche Hospizplanung, um die Lücken schließen zu können. Dafür braucht es engagierte Einrichtungsträger.

Kann ich mich für einen Hospizplatz schon vorher anmelden?

Nein. Es ist aber möglich, dass Sie in Ihrer Patientenverfügung Wünsche äußern.

Gibt es im Hospiz einen Arzt?

Kooperationsverträge mit niedergelassenen Hausärzten mit palliativmedizinischer Erfahrung sind zwingend erforderlich.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Hospizaufnahme erfüllt sein?

Voraussetzungen sind lebensverkürzende Erkrankungen im Endstadium, die austherapiert sind. Die Lebenserwartung beträgt meist nur noch wenige Wochen oder Monate. Sie müssen dann bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf vollstationäre Hospizpflege stellen, den der Hausarzt oder der Arzt im Krankenhaus ausfüllt. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung prüft den Antrag. Bei Ablehnung sollten Sie in Widerspruch gehen. Ist der Antrag bewilligt, geht er an ein Hospiz, in dem Sie aufgenommen werden. Die Aufnahmemodalitäten regelt das Hospiz mit Ihnen.

Wie lange dauert es, bis die Krankenkasse den Hospizantrag bewilligt?

Genaue Vorgaben dafür gibt es nicht. Es sollte allerdings nicht länger als zwei bis fünf Tage dauern, weil bei den Betroffenen schnelles Handeln wichtig ist. Die Praxis sieht teilweise aber leider anders aus. Die Bewilligung dauert oft bis zu zwei Wochen.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Der Hospizbewohner muss nur Wahlleistungen wie Fernseh- und Telefongebühren bezahlen. Ansonsten entstehen für ihn keinerlei Kosten. Ambulante Palliativversorgung und Hospizdienste sind kostenlos.

Wie lange dürfen Schwerkranke im Hospiz bleiben?

In der Regel wird der Erstantrag für 28 Tage genehmigt. Reicht das nicht, stellt die Hospizleitung einen Folgeantrag. Der wird dann entweder wieder für 28 Tage oder auch unbefristet genehmigt.

Kann ich persönliche Sachen mit ins Hospiz nehmen?

Nach vorheriger Absprache können kleinere Möbelstücke wie der Lieblingssessel, die Standuhr oder Musikanlage mitgebracht werden. Auch ein Haustier ist möglich, wenn die artgerechte Haltung gewährleistet werden kann.

Welche Möglichkeiten der Begleitung gibt es, wenn jemand in einem Seniorenheim stirbt?

Es gibt Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, die auch Heimbewohner betreuen. Die Qualität der Versorgung Sterbender in Heimen soll aber verbessert werden. Dafür muss es Ausbildungsangebote und genügend Personal geben. Aufgabe der Heimträger sollte es sein, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Wo erfahre ich etwas über Angebote der Hospizarbeit?

Im Internet unter www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de oder beim Landesverband für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen unter Telefon: 0351 2104855 oder www.hospiz-palliativ-sachsen.de.

Am Lesertelefon: Dr. Sylvia Schneider-Schönherr und Andreas Müller vom Landesverband für Hospizarbeit und Palliativmedizin, Elvira Tschab, Leiterin Hospiz Erlabrunn, und Mario Chmelarz, Paritätischer Wohlfahrtsverband.

Notiert von Gabriele Fleischer.

Alle Beiträge unter www.sz-link.de/sterben

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