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Montag, 07.05.2018

„Väter sind nicht nur Samenspender“

Die Initiative „Papa auch“ will Vätern nach der Trennung zu mehr Umgang verhelfen – und sorgt für eine Rechtsdebatte.

Von Stephanie Wesely

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„Papa, dort sehe ich unser Hotel.“ Dass Vater und Sohn gemeinsam Urlaub oder Wochenendausflüge machen, ist für Reinhard Rode jetzt selbstverständlich. Doch er musste sich dieses Recht hart erkämpfen.
„Papa, dort sehe ich unser Hotel.“ Dass Vater und Sohn gemeinsam Urlaub oder Wochenendausflüge machen, ist für Reinhard Rode jetzt selbstverständlich. Doch er musste sich dieses Recht hart erkämpfen.

© privat

Vater und Sohn sind auf Kurzurlaub im Allgäu – so als wäre es das Normalste auf der Welt. Doch zehn Jahre lang war gar nichts normal. Reinhard Rode musste sich in 13 Gerichtsverfahren jede Stunde Umgang mit seinem Sohn erstreiten. Er hat gewonnen. Nun kann er die Hälfte der Schulferien mit seinem Sohn verbringen und ihn regelmäßig an den Wochenenden treffen. Vielen Vätern fehlt für einen solchen Rechtsstreit die Kraft. Ihnen will die Initiative „Papa auch“ helfen, die Rode vor einem Jahr gegründet hat.

Fälle wie seiner spielen sich tausendfach in Deutschland ab, denn jede dritte Ehe wird geschieden und mehr als jedes fünfte Kind wächst nur bei einem Elternteil auf. Rodes Frau verließ ihn mit dem zweijährigen Sohn von einen Tag auf den anderen. Er kam von der Arbeit und fand eine leere Wohnung und einen Zettel mit den Kontaktdaten ihres Anwalts vor. „Obwohl wir das gemeinsame Sorgerecht haben, sah ich meinen Sohn sechs Monate lang nicht – aufgrund falscher Anschuldigungen“, wie Rode sagt. „Die konnten allesamt durch Gutachten ausgeräumt werden.“ Doch das sei ein nervenaufreibender und zäher Kampf gewesen. Er kritisiert, dass Familiengerichte heutzutage immer noch davon ausgehen, dass Kinder bei ihrer Mutter am besten aufgehoben sind.

Das soll sich nach dem Willen der FDP-Fraktion im Bundestag bald ändern. Denn sie will das sogenannte Wechselmodell zum Regelfall machen. Beim Wechsel- oder Doppelresidenzmodell teilen sich Vater und Mutter nach der Trennung die Erziehung der Kinder. Die Kinder pendeln dann zwischen beiden Elternhäusern. Voraussetzung sei das Kindeswohl. Dazu gehört aus Sicht der Fraktion, dass die Eltern in der Lage sind, sich im Sinne ihrer Kinder zu einigen und abzusprechen. Zudem sollten die Elternteile nah beieinander wohnen, um Kinder nicht regelmäßig aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen. Auch die finanziellen Voraussetzungen müssen gegeben sein, um die Mehrkosten des Wechselmodells – zum Beispiel jeweils ein Kinderzimmer – aufbringen zu können. Trifft das Gericht im konkreten Fall keine andere Entscheidung, soll laut FDP automatisch das Wechselmodell gelten.

Am 15. März fand dazu eine Bundestagsdebatte statt, bei der jedoch alle anderen Fraktionen den Vorschlag der Liberalen ablehnten. Eine Reform des Familienrechts sehen aber auch sie als dringlich an. Nur wolle man kein System festlegen, sondern den Eltern die Möglichkeit geben, eine einvernehmliche Lösung zum Umgang mit dem Kind zu finden. Wo dies nicht möglich sei, müssten beispielsweise Verfahrenspfleger als Anwälte der Kinder fungieren und in ihrem Sinne tätig werden. Doch dafür fehle vielen Familiengerichten und Jugendämtern Personal mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung. Benötigt würden auch mehr Mediatoren, die zwischen zerstrittenen Parteien vermitteln. Darauf wollen zumindest die Linken den Fokus legen. Der FDP-Vorschlag wird nun im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz weiter diskutiert. Einen Zeitpunkt, ab dem ein neues Familienrecht gelten soll, gibt es noch nicht.

Für Reinhard Rode ist die Debatte dennoch ein wichtiger Schritt: „Es ist gut, dass es in den Köpfen angekommen ist, dass Väter nicht nur Samenspender, Geldautomaten und Hausmeister sind, sondern ihren Kindern guttun.“ Kinder brauchen ihre Väter und sollten mindestens 30 Prozent der Zeit mit ihnen verbringen dürfen.

Erst kürzlich haben schwedische Forscher bei der Untersuchung von 3 600 Drei- bis Fünfjährigen herausgefunden, dass Trennungskinder, die viel bei beiden Elternteilen sind, nicht mehr Probleme haben als ihre Altersgenossen in intakten Familien. Doch in der Realität würden kleine Kinder eher den Müttern zugeordnet.

Rodes Sohn wird nächstes Jahr 14. Dann darf er selbst entscheiden, zu wem er möchte. Sein Vater macht sich darüber keine Sorgen. „Ich weiß jetzt, dass ich meinen Sohn nie verlieren werde, weil die Bindung zwischen uns so stark ist.“ Er ist heute froh, dass er so um ihn gekämpft hat, hofft aber, dass es andere Väter durch bessere Gesetze künftig leichter haben werden.

Die Initiative „Papa auch“ ist erreichbar per E-Mail unter [email protected], via Facebook und im Internet unter www.papa-auch.de.

Ein Buch des Kinderhilfswerks befasst sich kindgerecht mit dem Thema Recht auf beide Elternteile. Das Pixi-Buch „Nur mit Mama UND Papa“ kann kostenfrei, auch als Satz für Kindergartengruppen, bestellt werden unter www.dkhw.de/shop

Leser-Kommentare

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Insgesamt 14 Kommentare

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  1. Felix

    Ein schwieriges Thema. Menschen sind nicht perfekt und so kann es zu unüberbrückbaren Differenzen kommen, die dann zur Trennung führen. Leidtragende sind dann die Kinder. Ich weiß nicht, ob das allen (Eltern-)Paaren so bewusst ist, was sie ihren Kindern damit antun? Das Wechselmodel finde ich extrem krass - das Kinde lebt ja quasi immer auf/aus gepackten Koffern bzw. muss entweder wirklich alles doppelt haben oder immer wissen, was es wann wo braucht. Besser wäre es, wenn Eltern es schaffen, an ihrer Beziehung zu arbeiten (dazu gehört vielleicht auch, vorher zu prüfen, ob man überhaupt zusammen passt) und es lernen, konfliktfähig zu sein und Versöhnung zu leben und letztendlich sich nicht zu trennen - schon der Kinder wegen.

  2. Uta

    Unser Sohn war 8, als wir uns getrennt haben. Die ersten zwei Jahre gab es nur die klassischen Papa-Besuchswochenenden. Dann haben wir gemerkt, dass dies zu wenig ist. Seit mittlerweile 5 Jahren haben wir nun das Wechselmodell. Unserem Sohn tut das gut und ich habe es nie bereut. Beide Wohnungen sind nah beieinander. Wir sprechen uns in wichtigen Dingen gut ab. Natürlich bin ich nicht mit allem hundertprozentig einverstanden, was der Vater tut. Aber da muss man als erwachsener Mensch auch mal seinen Ärger runterschlucken und das vor allem nicht das Kind spüren lassen. Ihm geht´s gut mit unserer Lösung und das ist für mich das Allerwichtigste!! Ich begrüße die Initiative von Herrn Rode sehr, ein Kind braucht für seine Entwicklung beide Eltern!

  3. Exil-Sachse

    Ich möchte dazu meine Erfahrungen schildern. Seit der Trennung vor etwa 10 Jahren nutzte die Kindsmutter die Kinder als Machtinstrument. Wenn sie nicht wollte gab sie mir die Kinder nicht. Besonders vor Feiertagen oder Urlauben wurden die Kinder krank. Sie nutzte auch das Gericht um durch kurzfristige Anträge den Umgang zu verhindern oder wiedersetzte sich geltenden Beschlüssen. Nach etwa 5 Jahren beschloss das Familiengericht das Wechselmodel. Die Kindsmutter begann die Kinder zu manipulieren. Das OLG kippte das Wechselmodel und beschloss ein erweitertes WE-Modell. Die Mutter manipulierte weiter und missachtete wie immer die Gerichtsbeschlüsse. Die jüngere Tochter lehnt den Kontakt mitlerweile ab. Die größere Tochter ist noch hin und her gerissen. Es gab letztes Jahr 2 mal Kontakt. Telefonate werden nicht unterstützt. Zu beschreiben was für Versager in Dresdner Jugendamt (Leiter Herr Lippmann) und Justiz (diverse Richter) arbeiten fällt mir mittlerweile schwer.

  4. BertaH

    Es wäre Hilfreich, wenn auch die Jounalisten sich richtig informieren und keine Falschen Argumente zu Studien nutzen würden. ICh zitiere "Erst kürzlich haben schwedische Forscher bei der Untersuchung von 3 600 Drei- bis Fünfjährigen herausgefunden, dass Trennungskinder, die viel bei beiden Elternteilen sind, nicht mehr Probleme haben als ihre Altersgenossen in intakten Familien." Diese Studie wo das rausgekommen sein soll gibt es schlichtweg nicht und es wurde auch nicht das untersucht. Leider werden in diesem Feld immer wieder falsche Behauptungen aufgestellt. Wenn man diese dann nach Quelle, Fragestellung und Auftraggeber auseinander nimmt, landet man immer einen Volltreffer in Sachen falsche Darstellung!!!! Hört endlich auf Kinder nach Prozenten aufteilen zu wollen nach der Trennung. Jedes Kind ist anders und jedes ET ebenso. Also lasst die Familien es Bedürfnisgerecht selbst regulieren und wer es selbst nicht kann, soll Hilfe bekommen. Hilfe heißt aber nicht, Kinder zu teilen.

  5. Jana

    Ich habe im Freundeskreis erlebt, wie wenig ein Kind zur Ruhe kommt beim Wechselmodell. Am Ende war das Kind völlig hin- und hergerissen, unruhig, die schulischen Leistungen fielen. Der Vater bestand auf dem Wechselmodell und setzte sich durch, was das Kind wollte, spielte keine Rolle. Das Kind litt. Heute als Teeni lehnt es den Kontakt zum Vater völlig ab.

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