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Montag, 12.02.2018

So klappt es mit dem Zahnarztbesuch

Kinderpraxen können Angst nehmen. Doch in Sachsen stellen sich auch „normale“ Zahnärzte auf kleine Patienten ein.

Von Teresa Nauber

„Alles in Ordnung“ ist das Schönste, was ein Zahnarzt seinem Patienten sagen kann. Deshalb sollten Eltern schon dann einen Termin vereinbaren, wenn ihr Kind noch gar keine Schmerzen hat. Das stärkt das Selbstbewusstsein und kann gegen Angst vorm Zahnarzt helfen.
„Alles in Ordnung“ ist das Schönste, was ein Zahnarzt seinem Patienten sagen kann. Deshalb sollten Eltern schon dann einen Termin vereinbaren, wenn ihr Kind noch gar keine Schmerzen hat. Das stärkt das Selbstbewusstsein und kann gegen Angst vorm Zahnarzt helfen.

© dpa-tmn

Benjamin greift beherzt zur Zahnbürste. Akribisch fuhrwerkt der Vierjährige damit in Krokodil Krokos Maul herum. „Fertig“, befindet er und kontrolliert das Ergebnis mit einem lilafarbenen Zahnarztspiegel. Ob auch seine eigenen Zähne so schön sauber seien, möchte Kinderzahnärztin Inke Supantia wissen. Statt zu antworten, öffnet Benjamin bereitwillig den Mund und zeigt 20 winzige Zähnchen.

Es sind solche Tricks, die aus einem Zahnarzt einen Kinderzahnarzt machen. „Wir begeben uns auf die Ebene des Kindes und nutzen seine Fantasie“, sagt Supantia, die in ihrer Praxis in Berlin ausschließlich Kinder behandelt. Mit kleinen Geschichten von Karies, Baktus und glitzerndem Kristallwasser bringt sie auch skeptische kleine Menschen dazu, den Mund zu öffnen. Zumindest für den Moment.

Prinzipiell ist jeder Zahnarzt dazu ausgebildet, auch Kinder zu behandeln, erklärt Karl-Georg Pochhammer, Zahnarzt aus dem Vorstand der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. „Deshalb wird der Großteil der Eltern die Kinder zum Besuch beim Haus- und Familienzahnarzt mitnehmen“, sagt Martin Riegels von der Landeszahnärztekammer Sachsen. Die Kammer bietet ihren Mitgliedern zu verschiedenen Aspekten der Kinderbehandlung regelmäßig Fortbildungen an, beispielsweise zur kindlichen Psyche oder zur Prophylaxe. „Sie werden rege genutzt“, so Riegels. Steht der erste Zahnarztbesuch an, muss es also nicht unbedingt ein Spezialist sein. Wichtig ist, das Kind überhaupt einem Zahnarzt vorzustellen, möglichst, bevor etwas gemacht werden muss.

Benjamin bekommt das Prädikat „besonders gut geputzt“ und ist damit für heute fertig. Anschließend gibt es einen Apfel. Verlassen möchte er die Praxis aber noch nicht. Stattdessen zieht er die Schuhe aus und klettert die kleine Boulderwand hinauf. Die Ausstattung ist sicher der augenfälligste Unterschied zwischen einer normalen Praxis und einer, die sich auf Kinder spezialisiert hat. „Mit einer kindgerechten Umgebung wird den Kindern auch ein Stück weit Angst genommen“, sagt Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen. Vorschriften, wie Warteräume zu gestalten sind, gibt es jedoch nicht. Viel wichtiger sei, die Abläufe so zu organisieren, dass die Wartezeiten kurz blieben, so Martin Riegels. Auch die Berliner Kinderzahnärztin Inke Supantia will ihren Berufsstand nicht auf die kindgerechte Gestaltung der Praxisräume reduziert sehen. Milchzähne sind anders aufgebaut als die Bleibenden. Sie sind viel kleiner und haben weniger Substanz. Daher breitet sich Karies im Milchgebiss sehr schnell aus. Außerdem sei der Schmelz viel dünner. „Entsprechend schnell kommt man bei der Behandlung am Nerv an“, sagt sie. Vor allem für Kinder, die schon Karies haben, sei die Behandlung beim Kinderzahnarzt daher angebracht.

In Sachsen gibt es rund 230 aktive Fachzahnärzte für Kinderstomatologie. Zwar stammt diese Fachbezeichnung noch aus DDR-Zeiten und wird seit 1991 nicht mehr vergeben. Zahnärzte dürfen diesen Titel aber weiter tragen, so Martin Riegels. Wer sich heute spezialisieren möchte, könne den Tätigkeitsschwerpunkt „Kinderzahnheilkunde“ erwerben. Das ist eine komplexe Fortbildung, die neben einer festgelegten praktischen Tätigkeit mehrere theoretische Kurse umfasst, etwa zu Wachstum, Entwicklung und Psychologie der Kinder oder zur Therapie von Kinderzähnen bei Karies. Neun sächsische Zahnärzte haben sie abgeschlossen. Sie praktizieren unter anderem in Dresden, Chemnitz, Grimma und Zwickau.

Wie erfolgreich der Besuch beim Zahnarzt ist, hängt aber auch von den Eltern ab. Viele neigen dazu, ihre eigene Angst auf das Kind zu übertragen. Der häufigste Fehler seien dabei Sätze wie „Wenn du die Zähne nicht putzt, musst du zum Zahnarzt, und das tut richtig weh“ oder Verneinungen wie „Das tut gar nicht weh“. Bei Kindern bliebe nur das „wehtun“ hängen, warnt Inke Supantia.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen den Zahnarztbesuch zur Vorsorge in der Regel zwei Mal pro Jahr. Obacht ist geboten, wenn der Kinderzahnarzt Extraleistungen wie zahnfarbene Füllungen oder eine Versiegelung der Milchzähne verkaufen will, sagt Verbraucherschützerin Daniela Hubloher. Eltern seien eine dankbare Zielgruppe, schließlich wollen sie für ihr Kind stets nur das Beste.

„Skeptisch wäre ich vor allem, wenn man sich für eine Selbstzahlerleistung sofort entscheiden soll.“ Denn: Alles, was sofort gemacht werden muss und medizinisch notwendig ist, zahlt die Kasse. (dpa mit rnw/sp)

Bei der Zahnarztsuche hilft die Patientenberatung der sächsischen Zahnärzte weiter. 0351 8066257

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