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Mittwoch, 31.05.2017 Ungewollt kinderlos

Sind Veganer weniger fruchtbar?

Teil 8: Probleme, Hilfsmöglichkeiten und Rechtslage – Experten antworten beim Telefonforum auf Leserfragen.

Bernd Junkersdorf befruchtet im Labor des Kinderwunschzentrums in Dresden in vitro eine menschliche Eizelle. Foto: Ronald Bonss
Bernd Junkersdorf befruchtet im Labor des Kinderwunschzentrums in Dresden in vitro eine menschliche Eizelle. Foto: Ronald Bonss

© Ronald Bonß

Vier Wochen lang hat die Sächsische Zeitung in einer Serie über ungewollte Kinderlosigkeit berichtet. Zum Abschluss stehen Reproduktionsmediziner Dr. Maren Goeckenjan und Dr. Hans-Jürgen Held sowie Matthias Herberg, Fachanwalt für Familienrecht, Rede und Antwort.

Wir ernähren uns konsequent vegan. Beeinträchtigt das die Fruchtbarkeit?

Solange keine Mangelerscheinungen wie Eisen- oder Kalziummangel oder Untergewicht auftreten und die Ernährung ausgewogen ist, nicht. Wenn die Frau einen regelmäßigen Zyklus und einen Eisprung hat, kann sie schwanger werden.

Ich möchte Sperma spenden, habe aber Angst davor, auf Unterhalt verklagt zu werden. Kann ich mich davor schützen?

Nein. Die Spender sind nicht hundertprozentig gesichert. Das Kind hat ein Recht auf Kenntnis der Abstammung und kann daraus mögliche Ansprüche geltend machen.

Welche Zentren bieten in Sachsen Samenspenden an? Sind sie legal?

Ja. Weil aber die Rechte des Spenders nicht vollkommen geschützt sind, bieten nur wenige die Methode an, in Sachsen sind das die beiden Leipziger Zentren.

Kann es sein, dass ein junger Mann, der schon ein Kind hat, unfruchtbar wird?

Ja, das ist möglich. Zum Beispiel nach entzündlichen Veränderungen der Samenleiter, bei Bluthochdruck oder der Einnahme verschiedener Medikamente. Es könnte sein, dass die vorherige Schwangerschaft ein großes Glück war und es bereits damals eine Einschränkung der Fruchtbarkeit gab.

Was kann man selbst tun, ehe man sich einem Arzt anvertraut?

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist immer gut. Unkontrollierte Medikamenteneinnahme ist nicht zu empfehlen. Es ist hilfreich, sich über die Zyklusgesundheit schlau zu machen, also zu wissen, woran sich die fruchtbaren Tage und der Eisprung erkennen lassen.

Unsere Kinder wollen selbst Kinder, aber es will einfach nicht klappen. Sie reagieren immer genervter. Sollten wir das Thema lieber nicht ansprechen?

Wir raten dazu, unterstützend zu begleitend, offen zu sein, aber nicht zu drängeln. Es gibt viele Paare, die nicht offen damit umgehen möchten und sich ausschweigen. Das muss man akzeptieren.

Wir versuchen seit zwei Jahren, schwanger zu werden und wollen testen lassen, ob es an ihr oder an ihm liegt. Welchen Test sollte man zuerst durchführen? Zahlen die Kassen für solche Tests?

Wenn die Frau ihren regelmäßigen Untersuchungen beim Gynäkologen nachkommt und einen normalen Zyklus hat, sollte der Mann sich als Erster vom Urologen oder im Kinderwunschzentrum untersuchen lassen. Das ist weniger aufwendig als bei der Frau. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Diagnostik.

Wir (beide 45) wünschen uns ein gemeinsames Kind. Ich bin noch nicht geschieden. Das Trennungsjahr ist abgelaufen, aber die Scheidung wird zur Bedingung für den Start der künstlichen Befruchtung gemacht. Gibt es rechtlich keine Möglichkeit, die Praxisklinik und meinen Noch-Mann „freizusprechen“?

Doch, die gibt es: Wenn alle drei Partner mit der Behandlung einverstanden sind und ihr Einverständnis notariell bestätigen lassen. Für ein Kind, das in einer Ehe geboren wird, gilt die Vermutung, dass der Ehemann auch Vater des Kindes ist. Diese Vermutung wird durch eine dreiseitige Erklärung widerlegt. Eine Förderung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist in dem Fall aber nicht möglich, da beide Elternteile miteinander verheiratet sein müssen.

Sind die Kosten der Kinderwunschbehandlung steuerlich absetzbar?

Ja, das ist möglich, aber nur, wenn sich ein Paar oder ein Ehepaar behandeln lässt und dabei kein Fremdsperma eingesetzt wird.

Muss man rechtliche Konsequenzen befürchten, wenn man sich im Ausland behandeln lässt?

Nein. Hierbei gilt das Tatortprinzip und damit das Recht des jeweiligen Landes. Solange die Behandlung im Rahmen der deutschen Gesetzgebung erfolgt und kein Verstoß gegen das Embryonenschutzgesetz vorliegt, werden die Kosten nach vorheriger Antragstellung auch übernommen.

Mein Freund leidet unter einer schweren Infertilität. Ein erster Versuch der künstlichen Befruchtung scheiterte. Kann es sein, dass die ausgewählten Spermien eher Defekte aufweisen als bei einem gesunden Mann?

Nein, die mehr als 20-jährigen Erfahrungen mit ICSI zeigen, dass die ausgewählten Spermien in der Regel keine erhöhten Defekte aufweisen. Männer mit schlechtem Spermiogramm können einen genetischen Defekt haben, der zu Fehlgeburten führt. Das lässt sich abklären.

Gibt es in Sachsen die Möglichkeit zum Social Freezing? Was kostet das?

Ja, das ist möglich – nach intensiver Beratung und bei Begleiterkrankungen. Mit steigendem Alter müssen viele Eizellen entnommen werden, ohne spätere Erfolgsgarantie. Dafür sind u.U. mehrere Stimulationen nötig. Ein Eingriff kostet 3000 bis 4000 Euro plus Medikamentenkosten, die Kryokonservierung ca. 300 Euro pro Jahr.

Notiert von Susanne Plecher.

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