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Donnerstag, 26.01.2012

Müssen Raubkopierer jetzt zittern?

Nutzern der Internetseite Megaupload drohen juristische Konsequenzen – aber nicht allen gleichermaßen. Antworten auf die wichtigsten Fragen nach der Abschaltung der Seite.

Von Andreas Rentsch

Die Internetseite Megaupload ist abgeschaltet. Noch vergangene Woche waren dort offenkundig raubkopierte Filme, Musik und Computerspiele gratis herunterladbar. Doch seit die Behörden am 19.Januar Server beschlagnahmt und Mitarbeiter verhaftet haben, ist damit Schluss. Nun geht auch in Deutschland die Angst um: Werden bald Nutzer juristisch belangt, die auf megaupload.com riesige Datenpakete hoch- oder heruntergeladen haben? Und wenn ja, welche Strafen drohen ihnen? Was Betroffene jetzt wissen sollten.

Bekommen jetzt alle Nutzer von Megaupload Probleme?

Möglicherweise ereilt der Ärger Bezahlkunden, die sich beispielsweise anhand ihrer Kreditkartendaten identifizieren lassen. Dazu muss man das Geschäftsmodell von Megaupload & Co. etwas genauer erklären: Alle bieten Onlinespeicher zum Ablegen großer Datenpakete an. Wer etwas hochlädt, erhält im Gegenzug einen Internetlink, über den diese Datei auffind- und herunterladbar ist. Alle, die diesen Link kennen oder über eine Suchmaschine im Netz finden, können den kostenlosen Download starten. Sie müssen aber wegen eines künstlichen Tempolimits länger warten als eigentlich nötig. Schneller geht es mit gebührenpflichtigen Premium-Accounts. Um möglichst interessante Inhalte auf die Server zu bekommen, habe Megaupload eine Art Belohnungssystem eingeführt, erklärte das FBI. Demnach war es finanziell lukrativ, beispielsweise Blockbuster noch vor ihrer Kino-Premiere auf Megaupload hochzuladen. Je mehr Kopien von dort gezogen wurden, desto höher fiel die Belohnung für den Lieferanten aus.

Sowohl der sogenannte Upload, als auch der Download urheberrechtlich geschützter Inhalte ist strafbar. Dafür müssen Behörden aber an IP-Adressen der Übeltäter kommen – falls diese überhaupt gespeichert wurden, sagt Astrid Auer-Reinsdorff vom Deutschen Anwaltsverein. Internetprovider wie die Telekom dürften die zur IP-Adresse gehörenden persönlichen Daten nur sieben Tage speichern, erklärt der Kölner Medienrechtsanwalt Christian Solmecke. Die Übermittlung der IP-Adressen an die deutschen Behörden werde deutlich länger dauern.

Was, wenn meine IP-Adresse doch gespeichert wurde?

Man erhält erst Post von der Staatsanwaltschaft, wenn Rechteinhaber, also Musik- und Filmkonzerne, Strafantrag gestellt haben. Die verfolgten derzeit aber eher die Anbieter von Inhalten, sagt Auer-Reinsdorff. „Es gibt einen Trend weg von der Verfolgung der Nutzer.“ Als Indiz nennt sie die Razzia bei den Betreibern von kino.to im Juni 2011. Dennoch sollte jedem klar sein, dass er mindestens eine Geldstrafe riskiert, wenn er einen brandneuen Kinofilm über eine offensichtlich rechtswidrige Quelle bezieht. Eifrigen „Uploadern“ drohen laut Solmecke auch Freiheitsstrafen.

Welche Filehoster sind Megaupload zu vergleichen?

Zu den bekanntesten Branchenvertretern zählen Rapidshare, Hotfile oder Filesonic. Der Onlinedienst heise.de meldete gestern, einige Anbieter hätten – wohl als Reaktion auf die Schließung von Megaupload – ihre Funktionalität eingeschränkt. Bei Filesonic kann man demnach seit Sonntag keine Dateien mehr mit anderen teilen. Nur was man selbst hochgeladen hat, kann man auch wieder herunterladen. Fileserve habe sein Partnerprogramm beendet, mit dem eifrige Nutzer belohnt werden, die populäre Inhalte hochladen.

Wo kann ich im Netz legal Filme downloaden?

Die vier großen, kommerziellen Film- und Videoportale heißen iTunes, Media Markt, Videoload und Maxdome. 2011 ergab ein Vergleich von „Chip Online“, dass man hier Filme zu Durchschnittpreisen von 3,17 bis 3,93 Euro ausleihen kann. Beim Testsieger iTunes waren ausgewählte Titel sogar schon für 0,99 Euro erhältlich. Dieses Konzept mit dem „Film der Woche“ gibt es nach wie vor. Leihfilme kann man 48Stunden lang beliebig oft ansehen. Dann werden sie automatisch von der Festplatte gelöscht. Bei den Kriterien „Service“ und „Bedienkomfort“ schnitt Videoload am besten ab.

Wer bei Maxdome registriert ist, bekommt zudem Zugriff auf ein begrenztes Gratis-Angebot von Filmen. Auch MSN Movies, Videoload free oder MyVideo bieten eine limitierte Auswahl an kostenlosen Filmen. Meist handelt es sich um Streamingseiten. Das heißt, der Film wird gleichzeitig empfangen und wiedergegeben.

Darf ich Musikvideos von Youtube herunterladen?

Laut Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ist das verboten. Dort heißt es unter Punkt 6.1.K.: „Sie erklären sich damit einverstanden, Zugriff auf Nutzervideos nur in der Form des Streamings [...] zu nehmen.“ Das permanente oder vorübergehende Herunterladen auf die eigene Festplatte wäre demnach nicht zulässig. Laut Christian Solmecke handelt es sich hier aber um eine unwirksame Vereinbarung. Es sei kein Problem für unregistrierte Nutzer, für den Privatgebrauch ein Youtube-Video zu laden, um dann mithilfe einer Konvertersoftware eine MP3-Datei daraus zu machen, so der Anwalt. Rechtlich zweifelsfrei okay ist es, Musik von einem Internetradio mitzuschneiden und zu speichern. (mit dpa)