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Donnerstag, 01.03.2018 Kolumne „Kinder, Kinder!“

Mein Sohn und der Krieg

Professor Dr. Veit Rößner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Uniklinik Dresden.
Professor Dr. Veit Rößner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Uniklinik Dresden.

© privat

Kinder nehmen meist ganz automatisch mehr von den Weltnachrichten wahr, als wir Erwachsenen glauben. Zum einen werden Kriegsszenen, Bilder von Verletzten oder gar Toten, Aufnahmen von Massakern, Folterungen und nicht zuletzt die Ströme von erschöpften Geflüchteten in den Medien gezeigt. Darüber hinaus beinhalten nicht wenige Comics oder Computerspiele kriegerische Auseinandersetzungen. Diese heute äußerst real wirkenden Strategiespiele faszinieren Kinder, Jugendliche und nicht zuletzt auch Erwachsene. Folglich ist Krieg durch die Medien und per Mausklick bereits zu etwas fast Alltäglichem geworden. Auch besteht Kriegsspielzeug nicht mehr nur aus einfachen Soldaten aus Zinn oder Holzpanzern. Vielmehr werden Ausrüstung und komplexe Waffensysteme detailgetreu imitiert.

Fragen Sie Ihr Kind zum Einstieg doch einmal, was es über das Thema weiß, und versuchen Sie unklar gebliebene Begriffe kindgerecht einzuführen. Lassen Sie sich dabei gerne durch die Abendnachrichten auf Kinderkanälen unterstützen. Sie veranschaulichen oft schematisch die Weltgeschehnisse und bereiten entsprechende Informationen für Kinder der Altersspanne von 8 bis 13 Jahren auf. Nutzen Sie auch Kinderausgaben von bekannten Erwachsenenzeitschriften. Beziehen Sie darüber hinaus auch die Großeltern als wichtige Zeitzeugen mit ein. Beachten Sie aber bitte stets die persönliche Reife Ihres Kindes. Diese können Sie als Eltern üblicherweise am besten beurteilen. Überfordern Sie es nicht mit zu detailreichen, realen Ausführungen, Bildern oder gar Filmen. Bedenken und thematisieren Sie dabei auch gerne einmal Ihre eigenen Ängste im entsprechenden Alter. Gerade Schüler im Grundschulalter reagieren nicht selten äußerst sensibel – gerade auf Bilder oder gar Szenen von Kriegen und deren Opfern.

Dennoch erfassen die meisten Kinder die komplexen Hintergründe und Ursachen von Kriegen nur lückenhaft. Sie leben eher im Hier und Jetzt und beurteilen nicht selten Kriege und Leid als fernes, aber doch irgendwie bedrohliches Abenteuer oder aber als unabwendbare Katastrophe, was unmittelbar Angst und Spannung verursacht. Wir als Eltern sollten uns daher unbedingt zum Thema Krieg und Gewalt äußern und aufkommende Fragen altersgerecht beantworten. Auch für das Verhalten Erwachsener gegenüber fremden Menschen, Ländern und Kulturen haben Kinder bereits früh feine Antennen. Es ist daher genauso notwendig, dass wir Eltern unseren Kindern und Jugendlichen erklären, was uns Frieden und Gerechtigkeit bedeuten. Wir sollten unbedingt, auch im Sinne unserer Erziehungsverantwortung, als Vorbilder das Gespräch und die Plattform für Diskussionen gerade im geschützten häuslichen Umfeld anbieten. Treten Sie gegen die Verharmlosung und Verherrlichung von Gewalt und Krieg ein, indem Sie gefährliche Folgen für das Zusammenleben bei Nichtbeachten darstellen. Gehen Sie aber zugleich auf die Beeinflussbarkeit von kriegsauslösenden Faktoren durch uns in Deutschland ein. Damit nehmen Sie auch etwas den Schrecken der eigenen Hilflosigkeit. Trauen Sie sich in diesem Sinne ruhig auch an brenzlige Fragen heran.

Haben auch Sie eine Frage an den Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Redaktion Nutzwerk, 01055 Dresden oder eine Mail an die E-Mail-Adresse: expertentipp@redaktion-nutzwerk.de