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Montag, 19.02.2018

Kinder brauchen Großväter

Opas werden wieder selbstbewusster. Das ist nicht nur gut für die Enkel, sondern auch für ihre eigene Gesundheit.

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Einen Löffel für den Opa, einen Löffel für die Mama – Großväter sind wichtige Bezugspersonen für ihre Enkel. Viele nahmen sich als Väter zu wenig Zeit für den Nachwuchs und genießen jetzt die Opa-Rolle.
Einen Löffel für den Opa, einen Löffel für die Mama – Großväter sind wichtige Bezugspersonen für ihre Enkel. Viele nahmen sich als Väter zu wenig Zeit für den Nachwuchs und genießen jetzt die Opa-Rolle.

© 123RF

  • Einen Löffel für den Opa, einen Löffel für die Mama – Großväter sind wichtige Bezugspersonen für ihre Enkel. Viele nahmen sich als Väter zu wenig Zeit für den Nachwuchs und genießen jetzt die Opa-Rolle.
    Einen Löffel für den Opa, einen Löffel für die Mama – Großväter sind wichtige Bezugspersonen für ihre Enkel. Viele nahmen sich als Väter zu wenig Zeit für den Nachwuchs und genießen jetzt die Opa-Rolle.
  • Professor Eckart Hammer ist Buchautor und Gerontologe. Er lehrt an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg.
    Professor Eckart Hammer ist Buchautor und Gerontologe. Er lehrt an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg.

In der Generation der heutigen Großväter lag die Kindererziehung vielfach noch in den Händen der Frauen. Für die Väter von damals heißt das aber nicht, dass sie heute als Opa die zweite Geige spielen müssen. Professor Eckart Hammer ist Altersforscher und hat ein Buch über Großväter geschrieben. Im SZ-Gespräch erklärt er, warum ein Opa, der sich in die Betreuung der Enkel einbringt, nicht nur den Kindern nützt, sondern auch sich selbst etwas Gutes tut.

Herr Professor Hammer, wenn es um Großeltern geht, ist häufig nur von der Oma die Rede. Warum kommen die Opas seltener vor?

Großväter hatten mal eine Konjunktur Anfang des 19. Jahrhunderts. Da galten sie als gütige Ratgeber, alte Weise im Lehnstuhl. Dann wurde dieses Bild allmählich verdrängt von der guten Großmutter. Der Mann geriet in den Hintergrund, als der distanzierte, strenge Großvater, den man nicht anfassen kann.

Warum verändert sich das jetzt?

Das hat auch mit der Entwicklung der Bevölkerung zu tun. Großväter haben heute so viel Zeit mit ihren Enkeln wie zu keiner Zeit zuvor. 1890 haben zwei Drittel aller Kinder keine Großeltern erlebt. Heute liegt das Durchschnittsalter, um Großvater zu werden, bei 56. Zugleich gehen viele Arbeitnehmer früher in den Ruhestand. Und beeinflusst durch die 1968er-Jahre haben sie häufig auch den gleichen Anspruch, für ihre Enkel da zu sein, wie die Großmutter. Opas wollen Gleichberechtigung.

Diesen Anspruch durchzusetzen, ist aber manchmal gar nicht so einfach. Häufig steht die Großmutter immer noch im Mittelpunkt, wenn es um die Versorgung der Enkel geht.

Das stimmt. Es geht darum, von Anfang an mitzumachen und nicht erst zu warten, bis die Kinder Fußball spielen können. Männer können auch wickeln. Das sollten sie selbstbewusst formulieren und vor allem durchhalten. Wenn das Baby dann mal einen Mucks macht, darf man es eben nicht gleich in die Arme der Großmutter oder Mutter geben, sondern kann sagen: Nee, das mache ich jetzt. Was manchmal auch hilft, sind separate Tage für Oma und Opa. So kann jedes Großelternteil seine eigene Beziehung zum Kind aufbauen.

Wie bereitet man sich auf die Rolle als Großvater vor?

Es ist gut, vorher darüber nachzudenken: Wie viel möchte ich tun? Möchte ich regelmäßig auf mein Enkelkind aufpassen? Außerdem sollte man noch in der Schwangerschaft mit den künftigen Eltern besprechen, welche Erwartungen sie haben. Die künftigen Großeltern dürfen auch ehrlich sagen, dass man lieber nur einen Tag pro Woche oder nur ab und an aufpassen möchte. Ich rate auch, daran zu denken, dass die aktive Großelternrolle nur eine Durchgangsphase ist. Wer nichts mehr macht außer Opa zu sein, steht am Ende möglicherweise mit leeren Händen da, weil die Enkel größer werden und nicht mehr so viel kommen.

Sich um Enkel zu kümmern, ist ja auch anstrengend. Warum soll man sich das überhaupt antun?

Für viele Männer ist es der zentrale Ruhestandssinn. Sie haben da noch einmal etwas, das sie zutiefst beglückt. Nämlich dass da ein kleiner Mensch ist, für den man ganz wichtig ist. Der Sozialpsychiater Klaus Dörner hat einmal gesagt: „Jeder Mensch braucht seine Tagesdosis an Bedeutung für andere.“ Gerade für Männer, die die Erziehung der eigenen Kinder ihren Frauen überlassen haben, ist es zudem eine große Chance. Sie können noch einmal Dinge erleben, wie auf dem Boden zu liegen, mit einer Eisenbahn zu spielen oder mit Sandkastenförmchen zu backen. Eben alles, was man nur mit Kindern erleben kann und darf, es aber aus anderen Gründen versäumt hat.

Das klingt, als sei Opasein gut für die Gesundheit.

Unbedingt. Es gibt die vier „L“, die nachweislich dafür sorgen, dass man im Alter länger gesund und fit bleibt: Das Lernen, also zum Beispiel neugierig zu bleiben wie ein Kind. Das Laufen, also die Bewegung, für die Enkel ebenfalls sorgen, weil sie uns auf Trab halten. Das dritte „L“ ist die Liebe, damit sind soziale Beziehungen gemeint: Gut eingebundene Menschen leben nachweislich länger. Und das vierte „L“ steht für das Lachen. Spaß zu haben mit den Kindern und ihnen den Spielraum zu geben, den ein strenger Vater erst mal noch etwas Mühe hat, zu gewähren.

Und nützt es auch den Enkeln, wenn sich der Großvater aktiv einbringt, oder ist das egal – Hauptsache, Großeltern sind da?

Nein. Großväter sind ganz wichtige Partner für die Kinder – gerade in einer so frauendominierten Erziehungswelt. Die Kindergärten und Schulen sind ja zum Beispiel überwiegend weibliches Terrain. Und es ist auch immer noch so, dass die Väter häufig mehr arbeiten als die Mütter. Männliche Bezugspersonen sind aber als zweiter Pol sehr wichtig für Kinder.

Vätern sagt man ja nach, sie würden mit manchen Dingen entspannter umgehen als Mütter. Gibt es diesen Unterschied auch zwischen Omas und Opas?

Schon. Aber im Alter nehmen auch die Ängste zu. Außerdem ist ein Enkelkind nicht das eigene Kind. Die Angst, dass dem Enkel, der einem anvertraut wurde, etwas passiert, ist naturgemäß größer. Großeltern sind oft vorsichtiger. Dafür haben sie aber so etwas wie Altersmilde. Man sieht vieles aus einer größeren Distanz, hat noch die Erziehung der eigenen Kinder im Kopf und weiß, dass ohnehin vieles anders kommt als geplant.

Interview: Teresa Nauber (dpa)

Das Buch „Großvater sein“ von Eckart Hammer kostet 14,95 Euro und ist im Verlag Klett-Cotta erschienen (ISBN: 978-3608961300).





Fünf Dinge, die Großeltern niemals tun sollten


  • Sich in die Erziehung der Eltern oder in das Leben der jugendlichen Enkel einmischen. Den Eltern obliegt die Erziehung. Wenn Großeltern damit nicht einverstanden sind, sollten sie einen geeigneten Moment suchen und mit ihnen sprechen. Nicht kritisierend, sondern aus der Ich-Perspektive eigene Sorgen ansprechen. Auch jugendliche Enkel, die von den Großeltern ständig gemaßregelt werden, kommen bald nicht mehr zu Besuch. Denn Kritik hören sie meist zu Hause genug.
  • Wenn die Eltern getrennt leben, für einen von ihnen Partei ergreifen. Das kostet den Kontakt zu den Enkeln, denn es provoziert Streit. Großeltern sollten in solchen Fällen möglichst neutral bleiben oder ausgleichend auf die Konfliktparteien wirken.
  • Die Erziehung der Eltern unterlaufen. Grundregeln, die die Eltern aufstellen, gelten auch bei Oma und Opa. Sie dürfen ihre Enkel verwöhnen, aber die Grundrichtung muss stimmen.
  • Kinder in Loyalitätskonflikte bringen. Kinder wissen meist genau, was sie zu Hause erzählen und was nicht. Sie animieren, eine bestimmte Sache zu verschweigen, sollten Großeltern unterlassen.
  • Die Schwiegertochter ablehnen. Der Weg zum Herzen der Enkel führt über die Herzen der angeheirateten Kinder. Wird die Schwiegertochter abgelehnt, kann das den Kontakt zu den Enkeln kosten. Besser ist, zu akzeptieren, dass junge Menschen vieles anders machen. (sw/rnw)


Quelle: Altersforscher Prof. Eckart Hammer

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