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Samstag, 04.11.2017

Jeder Zweite will zu Hause sterben

Wunsch und Wirklichkeit gehen auch in Sachsen weit auseinander: Zwei Drittel der Menschen sterben in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Hospizen. Das hat mehrere Ursachen.

Von Gabriele Fleischer und Alexander Buchmann

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Viele Menschen in Sachsen wünschen sich, dass sie zu Hause sterben können.
Viele Menschen in Sachsen wünschen sich, dass sie zu Hause sterben können.

© dpa

Dresden. Der Tod ist immer noch ein Tabuthema. Doch die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Sterben. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. „Fast 60 Prozent wollen ihre letzten Stunden zu Hause verbringen und nur vier Prozent im Krankenhaus“, sagt Verbandssprecherin Angela Hörschelmann. In der Realität ist es aber umgekehrt. Die meisten Menschen sterben in Deutschland im Krankenhaus und nur etwa 23 Prozent zu Hause. Im Freistaat sieht es ähnlich aus. „Hier sterben jährlich 50 000 Menschen – zwei Drittel von ihnen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Hospizen“, sagt Andreas Müller, Chef des Landesverbandes für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen.

Dass Wunsch und Wirklichkeit auseinandergehen, hat vor allem zwei Gründe. So fehlen Informationen über Angebote einer Sterbebegleitung zu Hause. Laut Umfrage weiß noch nicht einmal jeder Vierte, dass der Begriff palliativ das Lindern von Schmerzen Todkranker bedeutet. Und das ist auch ambulant möglich. Nur 18 Prozent haben davon gehört, dass ambulante und stationäre Hospizangebote kostenfrei sind. In einer achtteiligen Serie informiert die Sächsische Zeitung über die Möglichkeiten. Damit mehr Menschen würdevoll zu Hause sterben können, muss allerdings auch die Versorgung verbessert werden. Dafür sind mehr Pfleger und ausgebildetes Personal, eine Kooperation mit Palliativärzten und Hospizdiensten nötig. Mit 18 ambulanten Palliativteams ist Sachsen im deutschlandweiten Vergleich zwar gut aufgestellt, doch diese brauchen Verstärkung. Denn der demografische Wandel mit zunehmend älteren und mehrfach kranken Menschen verschärft das Problem. Auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen fehlt Personal für eine Sterbebegleitung.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation benötigen in Industrieländern schon jetzt 60 Prozent der Sterbenden eine palliative Betreuung. Um mehr Personal einstellen zu können, das rund um die Uhr für Schwerkranke erreichbar ist, fehlt allerdings Geld. Mehr ehrenamtliche Helfer, wie sie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fordert, werden nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz den Bedarf nicht decken. Der Landeshospizverband fordert deshalb eine Sterbebegleitung nicht nur auf den 31 Palliativstationen im Freistaat, sondern in allen 80 sächsischen Krankenhäusern. Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) kündigte an, den Bedarf bei Krankenhausplanung zu prüfen.

Alle bisher erschienenen Teile der Serie „In Würde sterben“ finden Sie hier.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Hundling

    Was tut denn die sächsische Landesregierung, um SAPV-Teams (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung) zu fördern. Ach ja, siehe letzer Absatz, prüft irgendwann mal. Schließlich läuft's ja bestens in Sachsen...

  2. U.G.

    "Mehr ehrenamtliche Helfer, wie sie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fordert,..." . Solche Vorschläge kommen aus der Politik, wenn die Fachkompetenz kein Kriterium bei der Auswahl von Minister-Versorgungsposten spielt. Ich melde mich gern ehrenamtlich, wenn der Herr Minister seins auch nur im Ehrenamt ausfüllt... wir teilen uns dann einfache seine Bezüge.

  3. Maria

    So mancher scheint hier eine romatische Vorstellung zu haben, was das sterben von Angehörigen im heimischen Wohnzimmer angeht. Ich habe viele Menschen beim sterben im Hospitz begleitet. Glauben sie mir, das wollen sie nicht zu Hause erleben. Oder sind sie stark genug für das was da auf sie zukommt?

  4. Paradox

    Warum wird Bedarf für stationäre Palliativversorgung geprüft, wenn die Mehrheit der Menschen doch zuhause sterben möchte?!?

  5. Helmut

    Ich kann dieses Thema nicht so richtig nachvollziehen. Viel wichtiger ist doch meiner Meinung nach eine Sterbehilfe wenn ich absehen kann das ich nicht mehr selbstbestimmt leben kann. Dies würde für die Familie vieles erleichtern egal ob Pflege durch SAPV-Teams oder die Familie erfolgt, egal ob ich im Krankenhaus liege oder bei meiner Familie.

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