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Donnerstag, 28.06.2018

Je oller, desto doller

Wer den Ruhestand als neue Freiheit begreift, hat mehr vom Leben. Ein Plädoyer für das Über-die-Stränge-Schlagen.

Von Pauline Sickmann

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Im Alter muss man alles nicht mehr so ernst sehen.
Im Alter muss man alles nicht mehr so ernst sehen.

© Gemma Ferrando/ dpa

Den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen, fernsehen und mit dem Kopf wackeln? Nichts da! Mit der Rente beginnt ein neuer Lebensabschnitt, den man ruhig genießen darf. Gerade Jüngere assoziieren mit alten Menschen eher Krankheiten und Einschränkungen. Allein: „Dieses tradierte Altersbild ist völlig unzutreffend“, sagt Erhard Hackler von der Deutschen Seniorenliga. Er plädiert dafür, auf die Freiheiten zu schauen, die das Alter mit sich bringt.

Wer alt ist, sollte seine Freizeit nach seinen Vorlieben gestalten und dabei gerne auch mal über die Stränge schlagen: „Je oller, desto doller“, sagt Hackler augenzwinkernd. Dabei sollten Senioren sich nicht um gesellschaftliche Konventionen scheren. Stattdessen gilt es, auch mal etwas zu wagen, etwas Neues auszuprobieren oder sich einen langgehegten Traum zu erfüllen. Egal, ob einfach mal wieder tanzen zu gehen, eine Wein- oder Bierprobe mitzumachen oder eine Reise zu planen: „Es geht darum, einfach mal auszutesten, was die Gesundheit noch so hergibt – mit einem gewissen, aber beherrschbaren Risiko“, erklärt Hackler.

Mal die Sau rauszulassen stünde den meisten Senioren hervorragend zu Gesicht, sagt er: „Und die Gesellschaft sieht einem das auch nach. Die meisten Menschen sind nicht mehr engstirnig wie früher, sondern haben Verständnis dafür.“ Umgekehrt sollten Ältere aber auch Mut haben, „Nein“ zu sagen, zum Beispiel, wenn sie Zeit für sich brauchen oder zu einer Aktivität keine Lust haben.

Wer gerade aus dem Berufsleben ausgestiegen ist oder dies plant, hat vielleicht nach einer anfänglichen Hochstimmung Probleme mit dem neuen Freiraum. „Zunächst fehlen die gewohnten Tagesabläufe, die vertrauten Menschen, die Aufgaben und die berufliche Anerkennung“, sagt Petra Uhlenbrock. Die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin berät Menschen zum Start in den Ruhestand, einer für viele herausfordernden Lebensumstellung. Für sie ist er eine Entdeckungsreise: „Je deutlicher sich ein Mensch von bisherigen Routinen und Denkmustern lösen kann, je neugieriger er auf die vielen neuen Möglichkeiten ist, desto spannender kann diese Reise werden“, sagt sie. Wer dem Alter positiv gegenübersteht und es als neue Freiheit begreift, tut sich einen Gefallen, findet auch Prof. Klaus Rothermund von Zentrum für Altersforschung an der Universität Jena: „Studien haben gezeigt, dass Leute, die ein positives Altersbild haben, später selbst zufriedener altern.“

Die Ausübung verschiedener Aktivitäten und besonders das Engagement spielen eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden im Alter: Ältere Menschen sind dann zufriedener, wenn sie aktiv sind, etwas leisten und das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Aber auch einfach mal nichts zu tun, könne super sein, sagt er. Bereichernd sei es im Alter, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, sich auch mal überraschen zu lassen und offen für Neues zu sein. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Logistiker

    Ja, mit 70 kauft man sich noch ein Motorrad, fühlt sich wie Easy Rider und macht die Gegend unsicher. Bin am Wochenende erst wieder so einer "Clique" begegnet, die waren zusammen mindestens 1000 Jahre alt ;-)

  2. grauer...

    @1 klingt nach ganz viel Neid,ich geniese auch jeden Tag im Ruhestand nach 50 Jahren Berufsleben....

  3. Iggy Pop

    Ich genieße mein Leben jetzt schon, mit 35 Jahren. Jeden Tag leben als ob es der letzte wäre! Nicht erst mit 70 und unter Medikamenten und mit den 3. Zähnen :-)

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