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Samstag, 07.10.2017

In Würde sterben – die große SZ-Serie zu einem Tabuthema

In Sachsen gibt es immer mehr Hospiz- und Palliativangebote. Trotzdem fehlt es noch an Geld, Personal und Zeit.

Von Gabriele Fleischer

© Symbolfoto: dpa

Dresden/Berlin. Die Versorgung Sterbenskranker hat sich in den vergangenen Jahren in Sachsen verbessert. So sind neue Therapien, mehr Hilfsangebote und Orte der Betreuung entstanden. Neben acht stationären Hospizen gibt es im Freistaat 55 ehrenamtliche Hospizdienste, die Menschen in ihren letzten Lebenswochen zu Hause begleiten. Auf 31 Palliativstationen in Krankenhäusern werden unheilbar Kranke mit dem Ziel behandelt, belastende Symptome wie Atemnot und Schmerzen zu lindern. Mit dem gleichen Ziel sind 18 Palliativteams ambulant unterwegs. Trotzdem steht der Freistaat laut Landesärztekammer bei den Angeboten für Sterbenskranke im deutschlandweiten Vergleich nur im Mittelfeld. „Es fehlen Geld und Personal und damit oft auch Zeit für die Betreuung“, sagt Präsident Erik Bodendieck. Zwischen Hospiz-, Palliativversorgung und niedergelassenen Ärzten müsse es eine bessere Abstimmung geben, fordert er.

Das sieht auch Sylvia Schneider-Schönherr so. Die Vorsitzende des Landesverbandes für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen wünscht sich einen flexibleren Einsatz der Mittel für die verschiedenen Einrichtungen der Sterbebegleitung. In Pflegeheimen gebe es dafür noch gar kein Geld. Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung steigt der Bedarf einer besonderen Betreuung Schwerkranker weiter an. Finanziert werden Hospiz- und Palliativdienste vor allem durch die Kranken- und Pflegekassen. Allein die AOK Plus hat 2016 in Sachsen knapp 4 200 Patienten versorgt und dafür 8,4 Millionen Euro ausgegeben. Der Freistaat Sachsen fördert die Hospizarbeit in diesem Jahr mit über eine Million Euro. Fünf Prozent der Hospizkosten werden durch die Träger und Spenden erbracht. Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) will das Thema Sterben mehr in die Öffentlichkeit rücken. „Immer wieder zeigt sich, dass viele nicht wissen, welche Angebote es gibt“, sagt sie.

Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen haben sich jetzt auf eine höhere Vergütung von Haus- und Fachärzten für die Palliativversorgung geeinigt. So gibt es seit Monatsbeginn Zuschläge für Rufbereitschaft und Hausbesuche. Der Deutsche Hausärzteverband kritisiert jedoch, dass dafür zusätzliche Qualifikationsnachweise erbracht werden müssen. Einigen Hausärzten aber sind die Nachweise wichtig. „Denn an die Betreuung Sterbenskranker werden besondere Anforderungen gestellt“, so Ärztin Ute Taube aus Herrnhut.

Was für viele ein Tabu ist, macht die SZ zum Thema. Die heute beginnende Serie „In Würde sterben“ stellt Hilfen für den letzten Lebensabschnitt vor – und will Kranken und Angehörigen damit Mut machen.

Alle bisher erschienenen Teile der Serie „In Würde sterben“ finden Sie hier.

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