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Freitag, 09.03.2018

Gut und billig ins Netz – so geht’s

Zahlreiche Mobilfunkanbieter locken mit extrem günstigen Tarifen und viel Datenvolumen. Wo ist der Haken?

Von Pauline Sickmann

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© dpa

Irgendwo gibt es doch bestimmt einen Haken: Versteckte Gebühren? Schlechteres Netz? Mieser Service? Das sind Fragen, die man sich stellt, wenn man Angebote für besonders günstige Mobilfunkverträge sieht. Dabei kann man mit ihnen oft viel Geld sparen – und trotzdem gut erreichbar sein.

Warum können manche Tarife

so günstig sein?

In Deutschland gibt es drei Netzbetreiber: Telekom, Vodafone und Telefónica (O2-Netz). Anbieter von Günstig-Tarifen betreiben kein eigenes Netz, sondern kaufen bei einem der drei Unternehmen Kapazitäten zu günstigen Konditionen ein, um eigene Tarifpakete zu schnüren. Wer ein solches Paket bucht, muss aber gegebenenfalls Abstriche machen, erklärt Thomas Michel vom Telekommunikationsportal Teltarif.de: „Einige Services der Netzbetreiber stehen den Kunden der kleinen Anbieter nicht zur Verfügung.“

Sind die Netze für Kunden der Billiganbieter schlechter?

Pauschal schlechter sind die Netze für sie nicht – die Netzabdeckung bleibt schließlich die gleiche. Allerdings gibt es Unterschiede im Zugang zu den LTE-Netzen: Während in den O2-Netzen der Telefónica alle gleichberechtigt sind, haben Kunden von Billiganbietern in den Netzen von Telekom und Vodafone je nach Anbieter und Tarif keinen Zugang zum LTE-Netz und können unter Umständen nur das bei der Datenübertragung etwas langsamere UMTS-Netz nutzen. Allerdings muss „nur“ UMTS nicht zwingend schlecht sein. Denn im Ausbau der Netze kann es zwischen UMTS und LTE, zwischen Stadt und Land und natürlich zwischen den Netzbetreibern große Unterschiede geben. Oliver Griess von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät deshalb: „Bevor man einen Mobilfunkvertrag abschließt, sollte man schauen, welches Netz der Anbieter nutzt und wie die Netzabdeckung ist.“ Das geht zum Beispiel online auf den Seiten der Netzbetreiber.

Ist der Kundendienst schlechter?

In diesem Punkt unterscheiden sich Billiganbieter vor allem in einem Punkt von Netzbetreibern: Sie haben keine Ladengeschäfte, sondern vertreiben ihre Tarife in aller Regel nur online – was mit ein Grund für die niedrigen Preise ist. Grundsätzlich ist der Service aber stark anbieterabhängig. „Natürlich haben die Netzbetreiber einen Premium-Anspruch“, meint Daniel Pöhler vom Verbraucherportal Finanztip.de. Dazu gehöre auch ein guter Service. Trotzdem gebe es auch Beispiele für schlechten Kundendienst bei den Netzbetreibern. Deshalb sei für schlechten Service nicht zwangsläufig ein günstiger Preis ursächlich.

Gibt es versteckte Kosten?

„So leidlich es ist: Bevor man einen Mobilfunkvertrag abschließt, sollte man das Kleingedruckte lesen“, sagt Oliver Griess. Denn für Anrufe aus Deutschland ins Ausland könnten unter Umständen hohe Gebühren anfallen – grundsätzlich bei allen Tarifmodellen. Eine Spezialität der Billigtarife ist dagegen die sogenannte Datenautomatik bei Datenflatrates. Bei aufgebrauchtem Highspeed-Volumen wird nicht einfach die Surfgeschwindigkeit reduziert, sondern automatisch neues Highspeed-Volumen hinzugebucht. Das sind aber meist nur geringe Datenmengen für relativ viel Geld. Daniel Pöhler rät deshalb von Verträgen mit nicht abschaltbarer Datenautomatik ab. „Das Nutzungsverhalten von Smartphone-Usern ändert sich heutzutage rasant“, erklärt er. Deshalb könnten viele Nutzer nur schwer abschätzen, ob das monatliche Datenvolumen ihres Vertrags über die ganze Vertragslaufzeit ausreiche.

Was ist bei der Kündigungsfrist zu beachten?

Die maximale Mindestlaufzeit, die vertraglich festgelegt werden darf, beträgt für Mobilfunkverträge in Deutschland 24 Monate. Die Kündigungsfrist darf höchstens 3 Monate betragen. Aber es gibt auch viele Tarife mit kürzeren Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen. Bei kurzen Kündigungsfristen kann man schnell wechseln, wenn der Tarif einem nicht mehr passt. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Dresdner

    Also was das Thema Service anbelangt, kann man vom klassischen Mobilfunkanbieter Telefonica / O2 nur abraten. Eine Mailadresse haben die nicht, Brief kostet Porto, Chat ist abends (wenn der normale Werktätige Zeit hat) nicht verfügbar und eine Telefonnummer zum Anrufen findet man auch nur seeeehr schlecht im Wust der Homepage, wo man permanent nur auf irgendwelche FAQs geleitet wird. Das ist aber untauglich, wenn das konkrete Problem dort nicht behandelt wird. Extrem dämlich fand ich es, als ich meinen Vertrag während der Laufzeit um eine Datenkomponente AUFWERTEN wollte. Ich hätte einen zweiten Vertrag abschließen sollen ... lächerlich ... nach sofortiger Kündigung zum Vertragsende hab man sich dann endlich doch bewegt. Sowas ist armselig!

  2. Besseresser

    Ich hatte mich vor 2 Jahren vom "günstigen" Preis verleiten lassen und einen Vertrag bei 1&1 im Vodafone Netz gebucht. Dazu kann ich nur sagen, nie wieder. Die Internetgeschwindigkeit war extrem langsam, egal ob in DD, Frankfurt/M., Berlin, Nürnberg o.ä. Aufm Land ging fast gar nichts. Die Gesprächsqualität war miserabel. Am Handy hat es jedenfalls nicht gelegen. Das war top aktuell. Als Vergleich hatte ich ja immer das original Vodafone-Netz auf dem Handy meiner Begleitung. Man steht am selben Ort und nur in meinem billigen Netz geht nichts. Bin nach endlosen 2 Jahren zu Vodafone zurück. Sicher nicht der billigste Anbieter, aber kein Vergleich vorher.

  3. Klaus

    O2 Netz nur über Drillisch - der Kundensupport über Onlineformular oder Hotline funktioniert ausgezeichnet (eigene Erfahrung).

  4. kein Fan

    Unsere ganze Familie ist zu einem grossen Discounter mit L gewechselt. 7,99 EUR pro Gerät und 4 Wochen, ausgezeichnetes Netz (Vodafon), untereinander kostenfrei telefonieren, sehr übersichtliche App mit allen wichtigen Funktionen, gut erreichbare Hotline. Wüsste nicht, warum ich auch nur 1 Cent mehr zahlen sollte, um direct beim Netzanbieter vertraglich ewig gebunden zu sein.

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