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Mittwoch, 13.06.2018

Gefährliches Spiel

Wenn Kinder mit Hunden herumtollen, sieht das niedlich aus – kann aber böse enden.

Von Nadine Wolf *

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Sieht harmlos aus, kann aber auch anders.
Sieht harmlos aus, kann aber auch anders.

© dpa

Ein Kleinkind tritt in den Blickwinkel einer Kamera. Diese schwenkt durch das Wohnzimmer und nimmt den auf dem Parkett liegenden Familienhund ins Visier. Die Eltern fordern den kleinen Jungen auf, mit dem großen Hund zu spielen. Der Sohn rennt begeistert zur liegenden Hündin und setzt sich auf ihren Rücken. Sie versteift sich, leckt sich kurz über die Nase, ihre Augen werden größer. Dem Zuschauer läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken, sofern er die Körpersprache des Hundes deuten kann. „Umarme sie“, hört man die Eltern sagen, während sich das Kind um den Kopf des Hundes klammert.

Der Vierbeiner hat zu diesem Zeitpunkt bereits fünfmal über seine Nase geleckt, ganz offensichtlich behagt dem Tier die Situation nicht, und er versucht, unter dem Jungen hervorzukriechen. Der Vater lacht, während er weiter das Geschehen filmt. Der Hund läuft davon. Beim Zuschauer stellt sich ein kurzes Gefühl der Erleichterung ein – endlich ist es vorbei. Leider ein Irrtum, denn die Eltern animieren das Kind, weiter mit dem Hund zu „spielen“. Die Hündin versucht, sich aus der Lage zu entziehen, aber der Vater hält sie fest, dreht sie auf den Rücken. Der Körper des Hundes wird steif, er leckt sich wiederholt über die Nase, die Augen treten förmlich aus dem Kopf hervor. Das Kind juchzt vor Freude und springt nun auf dem Brustkorb der Hündin herum. Sie beginnt zu hecheln. Die Eltern lachen. Als der Junge mit den Händen in die Lefzen des Hundes greift und daran zerrt, sagt die Mutter „Gib ihr einen Kuss!“. Der Hund hechelt, nur unterbrochen von einem unablässigen Lecken über seine Nase, während der kleine Sohn weiterhin auf seinem Brustkorb auf und ab hüpft. Der Vater lacht. Glücklicherweise verliert der kleine Junge das Interesse am Hund und stolpert von dannen.

Das Video endet, der Schock bleibt. Wie um alles in der Welt können Eltern ihr Kind nur derart in Lebensgefahr bringen? Obwohl der Hund so offensichtlich sein Unbehagen zum Ausdruck bringt, machen sie weiter. Immer wieder kommt es zu Beißvorfällen mit Hunden, auch durch den eigenen Familienhund. Manchmal, weil Eltern sich so verantwortungslos verhalten wie beschrieben, manchmal, weil ein Hund völlig übertrieben aggressiv reagiert.

Aber es geht gar nicht um Schuld, es geht um Prävention. Für Kinder ist es wundervoll, mit Tieren aufzuwachsen, aber dabei sollte Sicherheit immer im Vordergrund stehen, und zwar für beide Seiten. Daher ist es wichtig, sich mit der tierspezifischen Körpersprache zu befassen und einzuschreiten, bevor ein Unglück geschieht. Nicht das Knurren eines Hundes ist die erste Warnung, es ist die allerletzte. Wenn überhaupt.

* Nadine Wolf ist Tierheilpraktikerin, Autorin und Bloggerin: mashanga-burhani.blogspot.de

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Uschi

    Den Eltern gehört nicht nur der Hund entzogen,so fern auch das Kind. So viel Dummheit gehört bestraft. Daher ein genereller Tierhalterschein,egal ob Uster, Wellensittich,Katze,Hund,Kamel etc.

  2. Marina

    Danke für diesen unendlich wertvollen Beitrag. Leider können die wenigsten Hundeführer die Signale ihres Hundes deuten, so zumindest meine Erfahrung. Es bleibt nur aufzuklären!

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