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Montag, 17.04.2017

Die Pille für ein längeres Leben

Dresdner Forscher entwickeln ein Medikament, das Alterserkrankungen verhindern soll. Erste Tests machen Mut.

Von Steffen Klameth

© dpa

Dresden. Mit 100 Jahren noch fit – ein Traum, dem Dresdner Wissenschaftler jetzt wieder ein Stück nähergekommen sind. „Unsere Forschungsergebnisse geben Anlass zu der Hoffnung, dass Menschen in Zukunft gesund altern und damit auch länger leben können“, sagt Professor Andreas Birkenfeld vom Uniklinikum Dresden.

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern ist er dem Geheimnis des sogenannten Langlebigkeitsgens INDY auf der Spur. Seine Wirkung auf das Altern war erstmals bei Taufliegen nachgewiesen worden, später bei Würmern. Birkenfeld und sein Team führten die Tests an Mäusen fort. „Jetzt haben wir einen Stoff entwickelt, der das INDY-Gen hemmt – die Mäuse haben weniger Hunger, nehmen weniger Energie auf und bleiben schlank“, erklärt der Stoffwechselexperte.

Vordergründig geht es in der Studie um Therapien für Diabetiker. Sie leiden häufig zugleich an Übergewicht, welches fast immer mit einer Fettleber korrespondiere. „Es gibt kein Medikament mehr, das die Insulinresistenz behandelt und gleichzeitig das Leberfett reduziert“, sagt Andreas Birkenfeld. Die neuesten Studienresultate, die noch nicht veröffentlicht wurden, zeigten genau diesen Effekt. Mehr noch: Auch spezielle Blutfettwerte seien auf diese Weise gefallen. „Damit sinkt das Risiko typischer Alterserkrankungen wie Arteriosklerose und Herzinfarkt“, erläutert der Wissenschaftler. Er rechnet damit, dass das Medikament vielleicht schon in weniger als drei, spätestens aber in fünf Jahren erstmals an Menschen getestet werden kann.

Die Dresdner sind nicht die Einzigen, die nach der Formel für ein langes Leben suchen. In den USA wurde gerade eine klinische Studie genehmigt, in der ebenfalls ein Diabetes-Mittel als Anti-Aging-Pille erprobt werden soll. Andere Ansätze richten sich auf die Verjüngung von Zellen und die Reparatur von Genen.

Neben seiner Tätigkeit am Uniklinikum leitet Birkenfeld das Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin in Dresden. Hier profitieren Patienten unmittelbar von neuen Forschungsergebnissen – etwa bei der Entwicklung eines Medikaments, mit dem man gleichermaßen Diabetes behandeln und Gewicht reduzieren kann. In einer anderen Studie geht es um Vorteile von Blutverdünnung auf die Gefäßwände bei Patienten mit Typ-2-Diabetes.