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Freitag, 19.08.2016

Der Safranapfel kehrt zurück

Sachsens Pomologen retten eine bedrohte regionale Obstsorte – und bieten sie für den heimischen Garten an.

Von Katrin Saft

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Seltenes Exemplar: Der Safranapfelbaum von Pomologe Klaus Schwartz in Löbau. Die Äpfel brauchen noch ein paar Wochen, bis sie richtig reif sind.
Seltenes Exemplar: Der Safranapfelbaum von Pomologe Klaus Schwartz in Löbau. Die Äpfel brauchen noch ein paar Wochen, bis sie richtig reif sind.

© Rafael Sampedro

Er soll wunderbar saftig sein und von feinem süß-säuerlichen Geschmack. Doch obwohl er ein alter Sachse ist, hat ihn kaum jemand schon mal gekostet. Denn der Safranapfel gehört zu den bedrohten regionalen Obstsorten. „Nur noch im Vogtland und im Westerzgebirge stehen vereinzelte Bäume“, sagt Georg W. Schenk von der Landesgruppe der Pomologen.

Der Verein von Obstkundlern setzt sich für die Rettung historischer Sorten ein. „Im Laden finden wir heute bestenfalls fünf bis zehn Sorten Äpfel“, sagt er. Dabei gebe es Tausende – jede etwas anders in Farbe, Form, Geschmack und Verwendung. Doch mit dem Übergang zu intensiven Anbauverfahren verloren die traditionellen bäuerlichen Sorten wirtschaftlich an Bedeutung. Ein Verlust auch an Vielfalt.

Damit sich das ändert, küren die Pomologen eine Sächsische Obstsorte des Jahres. Nach der Gelben Sächsischen Renette im vorigen Jahr fiel die Wahl diesmal auf den Safranapfel. Eine Chronik von Pomologe Christian Lehmann bezeugt den Anbau bereits vor 1700 im Westerzgebirge. „Um 1800 soll er wegen seiner guten Haltbarkeit eine geschätzte Handelsware auf der Leipziger Herbstmesse gewesen sein“, sagt Lehmann.

Ein etwa zehn Jahre altes Bäumchen steht heute im Garten von Klaus Schwartz in Löbau. Schwartz sammelt schon seit den 80er-Jahren Obstsorten. Mit über 500 verschiedenen Apfelsorten besitzt er heute sachsenweit eine der reichsten Sammlungen in Privatbesitz. „Der Reiser für meinen Safranapfel stammt aus dem Erzgebirge“, erinnert er sich. „Inzwischen misst der Baum fast vier Meter und trägt das dritte Jahr.“ Nach einer Pflanzenschutzprüfung hat Schwartz über 200 Reiser geschnitten und in ausgewählte sächsische Baumschulen zum Veredeln gebracht. Dort werden die inzwischen jungen Safranapfelbäumchen jetzt für je 20 bis 40 Euro verkauft. „Wir hoffen, dass sie bald wieder in vielen Gärten heimisch sind“, sagt er.

Die Sorte gilt laut Schwartz als außerordentlich frosthart. Sie habe sich deshalb selbst in den rauen Lagen des Vogtlands bewährt. An den Boden stelle sie keine besonderen Ansprüche. Allerdings empfiehlt der Pomologe ein gelegentliches Auslichten. „Der Safranapfelbaum kann ein hohes Alter erreichen. Er bildet dann breite, schirmartige Kronen“, so der Pomologe.

Die ersten, die den neuen alten Apfelbaum wieder anpflanzen, werden am Freitag Kita-Kinder in Waldkirchen zwischen Zwickau und Plauen sein. Zudem wollen Sachsens Pomologen die Sorte an diversen Apfel- und Sortenbestimmungstagen im Herbst vorstellen. „Seinen Namen verdankt der Apfel wahrscheinlich seiner tiefgelben Grundfarbe“, sagt Pomologe Georg W. Schenk. „Denn Safran lässt sich zum Gelbfärben von Gerichten verwenden.“

Wie abwechslungsreich Äpfel aus Sachsen sein können, demonstrieren die Obstkundler zu den Mitteleuropäischen Pomologentagen in Bad Muskau. Am Publikums-tag, dem 2. Oktober, wird dann auch Sachsens neue Obstsorte des Jahres 2017 dabei sein – der goldgelbe Safranapfel.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Bernd

    Alle Achtung vor solcher Arbeit, aber wer in der Online- Datenbank beim BUND LEMGO nachschlägt, findet Literatur dazu, die besagt, das die Bäume weiverbreitet im "Altenburgischen" waren. Dort ist zwar die letzten Jahrzehnte viel Kahlschlag betrieben worden, aber wer da sucht, wird auch heute noch fündig!

  2. Joachim Herrmann

    Ich habe im Garten den "Roten Boskopf". Eine Sorte, aus dem sich der beste Apfelmus machen läst, den ich je genießen durfte. Ja, unsere Kultur hat auch auf diesem Gebiet weitgehend gelitten. Und, die Verluste, die uns die "internationalen" Möglichkeiten des Marktes bieten, sind ein schlimmer "Zugewinn"! Noch nicht mal zu betrachten, die Verarmung der Geschmacksnerven. Ob Obst, Lebensmittel an sich oder auch die "Konsumtion", denen unsere Nerven ständig mehr ausgesetzt werden, all das führt zu einem Einheitsbrei, der selbst zu DDR- Zeiten nicht erreicht wurde! Aber Hauptsache, ALLE starren stets auf ihr Smartphone oder jagen Pokemons. Dümmer geht immer! Zum Schluss setzen wir uns ALLE eine prächtige Brille auf und leben in der Welt, die man uns vorgaukelt- auf gehts- gehts noch?! Ich werde mich für diesen und andere Sorten Äpfel einsetzen. Vielleicht gelingt es mir, einen persönlichen Baum auf dem Landesgartenschaugelände zu setzen, wie ich es schon vorhatte. War bisher nicht genehm!

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