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Mittwoch, 14.03.2018

Berufswunsch Youtuberin

Von Prof. Veit Rößner

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Das Vorbild vieler Teenager: Youtuberin Bianca „Bibi“ Heinicke.
Das Vorbild vieler Teenager: Youtuberin Bianca „Bibi“ Heinicke.

© Jens Kalaene/dpa

  • Das Vorbild vieler Teenager: Youtuberin Bianca „Bibi“ Heinicke.
    Das Vorbild vieler Teenager: Youtuberin Bianca „Bibi“ Heinicke.
  • Prof. Veit Rößner
    Prof. Veit Rößner

„Unsere Tochter (12) will Youtuberin werden. Mit ihrer Freundin möchte sie eigene Schminkvideos erstellen und hochladen. Sollen wir das den beiden erlauben? Was müssen wir beachten?“

Einst engagierten sich Heranwachsende eher gemeinsam in Theatergruppen, Chören, Schülerbands oder Sportvereinen. Talent und Erfolge garantierten die Anerkennung ihrer Peergroup und folglich einen hohen Selbstwert. In den letzten Jahren verlagerte sich die jugendliche Selbstdarstellung zunehmend ins Internet. Das Publikum ist hier um ein Vielfaches größer, jedoch auch anonym. Mithilfe eigener Youtube-Kanäle wird Begeisterung durch die Anzahl der Aufrufe, Likes oder Abonnenten ausgedrückt. Nutzer erzielen mit selbst-, manchmal sogar elterngedrehten Videos zum Teil Millionen Klicks. Youtube wird daher als gute und schnelle Möglichkeit angesehen, ein scheinbares Talent publikumswirksam zu präsentieren. Die beliebte Videoplattform hat sich rasant entwickelt und eigene Stars hervorgebracht.

Nichtsdestotrotz möchte ich Sie ermutigen, innerhalb Ihrer Familie eine kritische Distanz zu Internetplattformen als Medium für Kinder zu wahren. Besonders im Fall der Internetpräsenz Minderjähriger rate ich Ihnen nachdrücklich, Ihre Verantwortung nicht nur im Sinn einer gegenwarts-, sondern auch einer zukunftsorientierten Erziehung sehr ernst zu nehmen und damit die öffentliche Selbstdarstellung Ihrer Kinder zu verbieten. Fühlen Sie sich bitte verantwortlich, Ihren Kindern einen sorgsamen Umgang mit ihren persönlichen Daten nahezulegen und sie damit vor einem Missbrauch dieser zu schützen. Denn das Internet vergisst nie! Dennoch denken viele Jugendliche nicht darüber nach, dass ihr Video auch noch im Internet kreist, wenn sie erwachsen sind. Ihre Tochter kann und möchte jetzt noch nicht einschätzen, wie es sein wird, wenn sie sich in fünf bis zehn Jahren für eine Stelle bewirbt. Gleichzeitig kursieren dann noch peinliche Videos und Fotos von ihr.

Selbst manche Eltern verdienen einen Teil ihres Einkommens mit der Darstellung ihrer Kinder in schnuckeligen Verkaufsvideos. Aber solange unsere Kinder noch nicht mündig sind, müssen wir als Eltern annehmen, dass sie das Veröffentlichen privater Videos in einigen Jahren bereuen – und es daher unterbinden, bis sie selbst und sicher entscheiden können.

Falls Sie bezüglich dieses Themas dennoch aufgeschlossener sind, sollten Sie in der Familie wenigstens einen sehr engen Rahmen definieren. Legen Sie im Vorfeld klare Regeln fest. Informieren Sie sich immer über die Videopläne Ihrer Kinder. Lassen Sie sich zeigen, woran sie gerade arbeiten, und melden Sie sich mindestens als Abonnent an. Eigentlich sollten Sie darauf bestehen, entsprechende Passwörter zu erhalten, um gegebenenfalls bedenkliche Inhalte schnellstmöglich selbst zu löschen, bevor Kopien angefertigt werden. Achten Sie bitte auch auf die Kommentare der Videos. So werden diese Konversationen immer wieder für Verabredungen zwischen Erwachsenen unterschiedlichster Neigungen und Kindern genutzt.

Bestehen Sie vor dem Einstieg in eine Plattform auf einer Recherche durch Ihre Tochter. Sie sollte die Spielregeln kennen und über die Möglichkeiten der Löschung eines Videos Bescheid wissen. Denn beim Hochladen übertragen Benutzer oft jegliche Besitzansprüche an die jeweilige Plattform.

Haben auch Sie eine Frage an den Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Sächsische Zeitung, Nutzwerk, 01055 Dresden oder an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de