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Mittwoch, 13.06.2018

Bargeld aus dem Supermarkt

Immer mehr Geschäfte bieten ihren Kunden den zusätzlichen Service an. Auch Überweisungen sind schon möglich.

Von Gabriele Fleischer

In vielen Märkten inzwischen möglich: Beim Einkauf mit der Girocard noch Bargeld mitnehmen.
In vielen Märkten inzwischen möglich: Beim Einkauf mit der Girocard noch Bargeld mitnehmen.

© dpa

„Möchten Sie noch Geld abheben?“ Diese Frage der Kassiererin ist in den Rewe-Märkten längst Routine. Immer mehr Kunden des Handelskonzerns nutzen diesen Service, sagt Pressesprecher Andreas Krämer. Und das aus gutem Grund. Die Banken würden sich zunehmend vom Angebot flächendeckender Bargelddienstleistungen zurückziehen. Das belegt eine aktuelle Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Danach nimmt die Anzahl der Geldautomaten in Deutschland ab. Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft gab es Ende 2017 knapp 58 400 Geldautomaten. Im Jahr 2015 waren es noch 61 100. Allerdings würde das nicht heißen, dass die Kreditinstitute die Bargeldauszahlung einstellen. Das bleibe eine ihrer Kernaufgaben, sagt Stefan Marotzke, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Sie unterstützten aber als Träger des Girocard-Systems dieses sogenannte Cash Back-Verfahren.

Diese Entwicklung ist den Einkaufsmärkten nicht entgangen. Immer mehr Ketten bieten in Sachsen wie überall in Deutschland das gebührenfreie Abheben von Bargeld an. Rewe war in der Branche der Vorreiter für den Service. Bereits seit 2003 bekommen Kunden dort an der Kasse Bargeld. Und das begrenzt auf 200 Euro ab einem Einkaufswert von 20 Euro – gratis und unabhängig vom Kartenaussteller.

Der Prozess ist einfach und laut Sprecher Krämer sicher: Mit der Girocard kann sich der Kunde im PIN-Verfahren das Geld auszahlen lassen. Der Abbuchungsbetrag vom Einkauf wird dann um die gewünschte Bargeldsumme erhöht. Den Betrag erhält der Kunde bar aus der Kasse. Die Girocard ist die Bank- oder Sparkassenkarte, die Kunden auch zum Geldabheben am Automaten verwenden oder zum Bezahlen in Märkten. „Grundsätzlich sind Bargeldauszahlungen im Handel mit sämtlichen Girocards der Banken und Sparkassen in Deutschland möglich“, so Marotzke. Sicherheitsbedenken hat die Verbraucherzentrale Sachsen dabei nicht. „Der Kunde sollte sich nur nicht von der Hektik an der Supermarktkasse anstecken lassen und, wie immer, wenn er seine PIN-Nummer eingibt, vorsichtig sein“, sagt Beraterin Madlen Müller.

Sachsenweit ist die Bargeldauszahlung in derzeit 100 Rewe-Märkten möglich. Dazu kommen seit 2008 die Penny-Märkte, die ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehören. 172 gibt es davon in Sachsen. Auch der Toom-Baumarkt aus der Rewe-Gruppe bietet in seinen 30 sächsischen Filialen den Service zu gleichen Konditionen an. Zudem könnten dort Kunden, die auf Rechnung gekauft haben, diese bar im Markt begleichen, sagt Sprecherin Daria Ezazi.

Kostenlos Geld abheben lässt sich genauso an den Kassen der sachsenweit 80 Norma-Filialen. Und das, so Sprecherin Katja Heck, in 10-Euro-Schritten bis zu 200 Euro. Mitte März dieses Jahres hat die Drogeriekette dm diesen Service auch in den mehr als 60 Filialen in Sachsen aufgenommen. Einmal täglich ist das Abheben in den Netto-Märkten möglich. Handelsunternehmen wie Edeka, Diska, Konsum und Galeria Kaufhof lassen ihre Kunden ebenfalls Bargeld abheben. Kaufland wird als einer der nächsten Märkte folgen. „Wir sind dazu in der Planungsphase“, heißt es von Sprecherin Anna Münzing. In ersten Filialen soll zum Jahresende Cash Back eingeführt werden.

Als einziges Tankstellenunternehmen hat Shell einen solchen Service in 1 300 der deutschlandweit knapp 2 000 Tankstellen. Dort, so Sprecherin Cornelia Wolber, würden für die Bargeldabhebung neben EC- auch Mastercard und Visa akzeptiert. Anders als bei den anderen Anbietern ist das Geldabheben nicht an einen Mindestumsatz beim Tanken gebunden. Zudem orientiere sich die Höhe des abzuhebenden Bargelds lediglich am Limit, das der Kunde bei seiner Bank festgelegt hat.

Vor allem im ländlichen Raum ist das Bargeldabheben an der Markt- oder Tankstellenkasse für die Kunden lukrativ. Denn dort gibt es zunehmend noch weniger Geldautomaten als in den Städten. Und wer beim Einkauf noch Bares mitnimmt, für den fallen nicht nur Extrawege zur Bank weg, sondern auch Gebühren für das Abheben am Automaten. Aber die Händler profitieren genauso vom Angebot. Sie reduzieren dadurch ihre Bargeldbestände und binden die Kunden durch den Service noch mehr an sich.

Dass der Bedarf aus all diesen Gründen weiterwachsen und das Angebot ausgebaut wird, sieht auch der Bundesverband deutscher Banken so. Trotzdem sei die Möglichkeit des Geldabhabens im Supermarkt noch nicht überall im Bewusstsein der Bevölkerung, sagt Pressesprecherin Anne van Dülmen. Und das belege die GfK-Umfrage im Auftrag des Verbandes auch. Danach holen sich nur vier Prozent ihr Bargeld mit dem Einkauf. Fast neun von zehn Befragten würden sich lieber einen Geldautomaten suchen, acht Prozent zum Bankschalter gehen. An der Online-Befragung hatten vom 29. März bis 3. April 1 006 Erwachsene teilgenommen.

Doch das Umdenken bei Kunden und Märkten hat längst Fahrt aufgenommen. Die Rewe-Gruppe geht inzwischen noch einen Schritt weiter. Laut Sprecher Krämer nutzt sie den Zahldienst des Berliner Start-ups Bahrzahlen.de. Dafür erhält der Kunde zur Überweisung einen Barcode per E-Mail, SMS oder Post. Der Barcode wird an einer Kasse der teilnehmenden Filiale gescannt. Der Kunde kann auch Geld einzahlen oder sogar Rechnungen begleichen. Und das, ohne die Bankverbindung preiszugeben, heißt es vom Berliner Unternehmen. Es seien weder Kreditkarte, Online-Banking noch eine Registrierung nötig. Bei einer Rechnung, die per Post kommt, funktioniert es ebenso. Der beigelegte Zahlschein wird an der Supermarktkasse gescannt und der offene Betrag direkt bezahlt.

Unternehmen wie real und mobilcom debitel haben sich ebenfalls diesem Bezahldienst angeschlossen. „Ab Mitte Juni werden Bareinzahlungen auch in unseren Märkten möglich sein“, sagt dm Geschäftsführer Martin Dallmeier.

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