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Dienstag, 10.07.2018

Zwischen Bohlenstube und Sichtbeton

Ein altes Landhaus modern zu ergänzen, braucht Mut und Flexibilität. Architekt Patrick Müller hat in Saupsdorf den Umbau gewagt.

Von Anja Weber

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Architekt Patrick Müller gewährt Einblicke in ein saniertes Haus im Sebnitzer Ortsteil Saupsdorf. Ein Auftrag in ländlicher Region mit besonderer Herausforderung.
Architekt Patrick Müller gewährt Einblicke in ein saniertes Haus im Sebnitzer Ortsteil Saupsdorf. Ein Auftrag in ländlicher Region mit besonderer Herausforderung.

© Steffen Unger

  • Architekt Patrick Müller gewährt Einblicke in ein saniertes Haus im Sebnitzer Ortsteil Saupsdorf. Ein Auftrag in ländlicher Region mit besonderer Herausforderung.
    Architekt Patrick Müller gewährt Einblicke in ein saniertes Haus im Sebnitzer Ortsteil Saupsdorf. Ein Auftrag in ländlicher Region mit besonderer Herausforderung.
  • Das Haus im Saupsdorfer Oberdorf entstand in den 1930er-Jahren. Der Altbau wurde im Stil der Entstehungszeit saniert und als Kontrast ein Neubau angefügt.
    Das Haus im Saupsdorfer Oberdorf entstand in den 1930er-Jahren. Der Altbau wurde im Stil der Entstehungszeit saniert und als Kontrast ein Neubau angefügt.
  • Das Haus im Saupsdorfer Oberdorf entstand in den 1930er-Jahren. Der Altbau wurde im Stil der Entstehungszeit saniert und als Kontrast ein Neubau angefügt.
    Das Haus im Saupsdorfer Oberdorf entstand in den 1930er-Jahren. Der Altbau wurde im Stil der Entstehungszeit saniert und als Kontrast ein Neubau angefügt.

Saupsdorf. Bauen in ländlichen Regionen kann für Bauherren und Architekten schnell zur Herausforderung werden. Und das wiederum heißt, flexibel reagieren zu können, Mut zu haben und das notwendige Quäntchen Gelassenheit an den Tag zu legen. Ein Beispiel für den Umbau von einem alten Haus, verknüpft mit Moderne und den heutigen Ansprüchen, ist im Sebnitzer Ortsteil Saupsdorf zu finden. Architekt Patrick Müller aus Dresden stellte das Projekt unlängst zum Tag der Architektur der neugierigen Öffentlichkeit vor. Das Haus stand einige Zeit leer. Bevor sich neue Eigentümer gefunden hatten. Das Gebäude war in seiner einfachen Struktur erhalten. Dahinter gab es bereits einen hölzernen Anbau, eine sogenannte Remise. Aufgabe des Architekturbüros Müller war es nun, ein Haus für eine Familie zu schaffen.

Nach der Bestandsaufnahme war schnell klar, dass eine grundhafte Sanierung nötig war, zumal schon damals bei der Errichtung des Gebäudes sehr einfach und sparsam gebaut wurde. Ziel war die Rückgewinnung seines bauzeitlichen Charakters. So wurden die Dach-Bitumenschindeln gegen eine Schieferdeckung, die Kunststoff-Fenster gegen Holzfenster mit Sprossen und die Rollläden gegen Klappläden getauscht. Hinzu kamen Sohlbänke aus Sandstein, ein gedeckter Fassadenanstrich sowie die Wiederherstellung der Deckleisten-Holzschalung. „Vielleicht präsentiert sich das Haus heute originaler, als es je war“, sagt der Architekt mit einem Augenzwinkern. Das Erdgeschoss wurde durch Herausnahme von Zwischenwänden großzügiger gestaltet und mit einer modern interpretierten „Zirbenstube“ ausgestattet. Das ist ein komplett mit Holz verkleideter Wohnraum. Anleihen an das alpenländische Bauen gab es in der Sächsischen Schweiz schließlich schon in der Vergangenheit, zum Beispiel bei den Holzhäusern auf der Ostrauer Scheibe.

Bald war klar, dass das bisherige Raumkonzept nicht für heutige Wohnbedürfnisse reicht. Einen Anbau im Stile der 1930er-Jahre konnte sich der Architekt schwer vorstellen. So wurde die rückwärtige, baufällige Remise durch einen Neubau ersetzt und mittels einer Glaskonstruktion mit dem Altbau verbunden. Der Anbau beherbergt nun sämtliche Räume mit wasserabhängigen Funktionen, also Küche, Bad und Gäste-WC. Über einem großzügigen Essbereich befindet sich eine witterungsgeschützte Loggia mit Blick in die Landschaft.

In Form und Materialauswahl stellt der Neubau mit Flachdach, Sichtbeton-Fassade und großformatigen Aluminiumfenstern einen gewollten Kontrast zum Bestandsgebäude her. „Gerade durch die Wahl eines flachen Daches und der rückwärtigen, in den Hang geschosshoch eingesenkten Lage blieb die Dominanz des Altbaus erhalten und der Neubau in der Fernwirkung nahezu unsichtbar“, so der Planer.

Das Konzept hat die zuständigen Behörden überzeugt, obwohl es nicht in allen Punkten den Festsetzungen der örtlichen Gestaltungssatzung entspricht. Diese hatte sich Saupsdorf noch als eigenständige Gemeinde auferlegt. Für die beteiligten Baufirmen stellte die Umsetzung eine Herausforderung dar. Die schmale Zufahrt, die Hanglage des Grundstücks und kaum vorhandene Lager- beziehungsweise Kranaufstellflächen hatten Auswirkungen auf Logistik und Technologie. „Mitunter war es eine Sache von Millimetern“, erläutert Patrick Müller. Angesichts dieser nicht einfachen Bedingungen habe es nicht verwundert, dass sich die Suche nach einer Rohbaufirma mit Kompetenz für Sichtbeton schwierig gestaltete. Auch das kennzeichnet Bauen im ländlichen Raum. Es braucht Ausdauer, Mut und Flexibilität.

www.architekturbuero-pmueller.de