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Mittwoch, 20.09.2017

Zweite Chance für Bestattungswald

Ein Waldbesitzer möchte zwischen Brauna und Kamenz die neue Beerdigungsart etablieren. Es gibt aber Bedenken.

Von Nicole Preuß

Der Friedwald im Landkreis Kassel war der erste, der 2001 in Deutschland eröffnet wurde. Das Unternehmen Friedwald GmbH und ein Waldeigentümer wollen nun auch in Schönteichen die Bestattungsform anbieten. Die Grabstellen könnten dann auch mit diesen Messingtafeln gekennzeichnet werden.
Der Friedwald im Landkreis Kassel war der erste, der 2001 in Deutschland eröffnet wurde. Das Unternehmen Friedwald GmbH und ein Waldeigentümer wollen nun auch in Schönteichen die Bestattungsform anbieten. Die Grabstellen könnten dann auch mit diesen Messingtafeln gekennzeichnet werden.

© dpa

Das Thema hat in den vergangenen Jahren die öffentliche Diskussion in Kamenz bestimmt wie kaum ein Zweites. Die Stadt wollte auf Reichenauer Flur einen Bestattungswald einrichten lassen. Ein Pächter hätte sich um die Betreibung gekümmert. Viele Menschen aus Kamenz und Umgebung interessierten sich für diese alternative Bestattungsform, eine Initiativgruppe um die Landtagsabgeordnete Marion Junge (Die Linke) sammelte mehr als 900 Unterschriften dafür. Doch es kam anders. Die Gemeinde Haselbachtal hatte in der Konstellation ein wichtiges Wort mitzureden, weil der städtische Forst auf ihrem Gemeindegebiet liegt. Und die Gemeinderäte lehnten das Vorhaben vor einigen Monaten mit großer Mehrheit ab.

Jetzt bekommt das Konzept möglicherweise eine neue Chance – und das nur wenige Kilometer vom zunächst geplanten Standort entfernt. Der Braunaer Waldeigentümer und Forstunternehmer André Ransch will 16 Hektar seiner Waldfläche am Vogelberg zwischen Kamenz und Brauna als Bestattungswald nutzen lassen. „Ich wollte eigentlich schon vor 20 Jahren den ersten Bestattungswald in Sachsen eröffnen“, sagt der Forstexperte. Er legte die Idee mit Blick auf das Vorhaben in Kamenz aber vor einigen Jahren erst einmal zu den Akten. Jetzt, nach dem Beschluss im Haselbachtal, hat er sich einen Partner an die Seite geholt. Die Friedwald GmbH, die in Deutschland bereits 60 Bestattungswälder betreibt, will ihr Konzept zur Verfügung stellen, Waldführungen anbieten, die Trauerfeiern begleiten und einen Friedwaldförster mit diesen Aufgaben betrauen.

Der Waldeigentümer und der vielleicht bald künftige Betreiber benötigen allerdings die Unterstützung der Gemeinde Schönteichen. Sie müsste nämlich die Trägerschaft über den Bestattungswald übernehmen. So will es das Gesetz. Der Waldbesitzer André Ransch und ein Mitarbeiter von Friedwald, Helge Hedtke, zeigten den Gemeinderäten deshalb bereits im Frühsommer den Wald bei einem Außentermin. Am Montag standen sie den Entscheidungsträgern im Gemeinderat in Schönbach Rede und Antwort.

Nachfrage ist sehr hoch

Die Friedwald GmbH ist schon seit Längerem auf der Suche nach geeigneten Flächen in Sachsen. Das Unternehmen beriet auch die Stadt Kamenz beim Erstellen ihres Konzepts. Der erste Friedwald der Firma in Sachsen, der Planitzwald, ist der umsatzstärkste des ganzen Unternehmens. Helge Hedtke führt das auch auf die wenigen Angebote in Sachsen zurück. „Die Nachfrage ist sehr hoch“, sagt er.

Das Konzept von Friedwald gleicht dabei den anderen Anbietern dieser Bestattungsmöglichkeit. Interessenten können sich noch zu Lebzeiten einen Platz oder einen Baum gegen einen festgelegten Betrag reservieren lassen. So bekommen sie die Garantie, dass ihre Asche später an genau diesem Platz in einer biologisch abbaubaren Urne bestattet wird. Blumenschmuck ist bei Beerdigungen und auch darüber hinaus nicht vorgesehen. „Der Charakter des Waldes soll erhalten bleiben“, sagt Helge Hedtke. Viele Interessenten sind aber auch erleichtert, dass ihre Grabstelle nach dem Tod niemand mehr pflegen muss. 90 Prozent der Gräber werden dann mit einem Messingschild mit Namen, Lebensdaten und einem Lebensmotto oder auch einem Familienwappen gekennzeichnet. „Anonyme Bestattungen gibt es bei uns selten“, sagt Helge Hedtke.

Die Gemeinde Schönteichen müsste aber mit ins Boot. Sie bekäme für ihre Rolle als Träger eine Aufwandsentschädigung von drei Prozent des Umsatzes. Sie müsste allerdings bei einer Insolvenz oder einer Neuorientierung des Betreibers auch in Zusammenarbeit mit dem Waldbesitzer nach neuen Möglichkeiten suchen. „Der Vertrag zwischen Waldbesitzer und Kommune wird auf 99 Jahre geschlossen, der Vertrag mit dem Verwaltungshelfer im Allgemeinen auf zehn oder 20 Jahre“, sagt Helge Hedtke von Friedwald.

Räte befürchten Werteverlust

Einige Gemeinderäte sind unter anderem auch deshalb bisher noch skeptisch. Einzelne Vertreter fürchten auch den Werteverlust der Gesellschaft, der sich ihrer Meinung nach auch in dieser Bestattungsform widerspiegelt. Andere begrüßen das Modell. „Ich stehe dem Konzept sehr offen gegenüber“, sagt etwa Elke Altmann (Die Linke). Die Gemeinderäte wollen mit den Schönteichenern dazu ins Gespräch kommen und die Diskussion im Vorfeld eines Grundsatzbeschlusses noch einmal aufgreifen. Erst nach dem Beschluss könnte es an die Genehmigung gehen.