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Dienstag, 26.09.2017

Zwei Wahlgewinner mehr von der AfD

Frauke Petry ist nicht die einzige, der das Votum von Sonntag ein Mandat beschert hat. Zwei weitere hoffen noch.

Von Domokos Szabó

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© dpa

  • Norbert Mayer kommt vielleicht in den Landtag.
    Norbert Mayer kommt vielleicht in den Landtag.
  • Verena Hartmann sitzt wohl im Bundestag.
    Verena Hartmann sitzt wohl im Bundestag.

Am Telefon ist sie kurz angebunden. Zu einem späteren Zeitpunkt, so Verena Hartmann, werde sie mehr sagen. Für den Moment muss es aus ihrer Sicht reichen: „Wir freuen uns sehr.“ Verena Hartmann von der AfD wird in den nächsten vier Jahren neben André Hahn (Die Linke) die zweite Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis sein. Die 43-Jährige ist Mutter von zwei Töchtern, ist evangelisch und arbeitet selbstständig als Unternehmensberaterin. Früher war sie Oberkommissarin bei der Polizei in Berlin.

Das geht aus ihrer Bewerbung um einen Platz auf der AfD-Landesliste für die Bundestagswahl hervor. Nach dem Abschneiden der AfD als stärkste politische Kraft in Sachsen reicht nun Hartmanns Listenplatz 9 für den Sprung ins Parlament. Politische Mandate hatte die Königsteinerin bislang keine inne, seit 2016 sitzt sie aber im Vorstand des AfD-Kreisverbandes.

Eben dieser Vorstand fordert nun den Ausschluss von Frauke Petry aus der AfD. Kreissprecher Rolf Süßmann wirft ihr Parteischädigung und Wählerbetrug vor – weil die Bundesvorsitzende einen Tag nach der Wahl angekündigt hat, der AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören zu wollen. Pikant: Im AfD-Vorstand zählt Verena Hartmann zu den Petry-Unterstützern, wenn sie nicht sogar die einzige Petry-Anhängerin ist. Auf einem Parteitag im Juli nahm sie die Bundesvorsitzende gegen den Freitaler Norbert Mayer in Schutz. Sie sagte, Mayer sei „eine Schande für die AfD“.

Ganz anders als Hartmann ist Mayer ein erklärter Widersacher von Petry. Der AfD-Fraktionschef im Freitaler Stadtrat („Ich weiß, dass ich ein bisschen extrem bin“) hält Björn Höcke für einen guten Mann und zählt den AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und den Dresdner Richter Jens Maier zu seriösen Politikern. Alle drei sind mehrfach mit rassistischen und feindseligen Wortmeldungen aufgefallen.

Mayer eröffnet nun das AfD-Wahlergebnis die Perspektive, in den Sächsischen Landtag einzuziehen. Der Grund dafür ist ausgerechnet Frauke Petry, die bislang im Sächsischen Landtag saß und nun als fraktionslose Abgeordnete nach Berlin wechselt. Mayer ist laut der AfD-Liste für die Landtagswahl 2014 zweiter Nachrücker. Aber es gibt eine Hürde: „Frauke Petry muss auf ihr Landtagsmandat verzichten“, sagt Norbert Mayer.

Was keineswegs zwingend ist. Theoretisch könnte sie gleichzeitig Bundestags- und Landtagsabgeordnete sein. Das ist zwar extrem unüblich, hielt aber etwa Oskar Lafontaine (Die Linke) oder Jürgen Möllemann (FDP) in der Vergangenheit nicht davon ab, Doppelmandate zu halten.

Der 59-jährige Mayer will, wenn er denn in den Landtag kommt, die Interessen der Kommunen vertreten. Dafür habe er in den vergangenen Jahren Erfahrungen gesammelt – unter anderem als CDU-Stadtrat in Freital. Politik machte Mayer bislang nur nach Feierabend. Hauptberuflich betreibt er einen Werkzeugladen in Freital-Wurgwitz.

Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag zeichnet sich auch ab, dass die Partei ihre Strukturen im Landkreis weiter ausbaut. Bislang unterhält der Landtagsabgeordnete André Barth zwei Büros in Freital und Dippoldiswalde. Nun könnte Verena Hartmann mit einem Büro in Pirna dazukommen, sagt AfD-Kreissprecher Rolf Süßmann. Auch von Frauke Petry hieß es gestern, eine Vertretung in der Region etablieren zu wollen.