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Mittwoch, 11.07.2018

Zwei unsanierte Bahnhöfe – und überall fehlt Geld

Von C. Köhler und T. Staudt

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Franziska Schubert kommt in Weißwasser an.
Franziska Schubert kommt in Weißwasser an.

© Joachim Rehle

  • Franziska Schubert kommt in Weißwasser an.
    Franziska Schubert kommt in Weißwasser an.
  • Zu einem Filmabend haben die Grünen in das SKZ Telux nach Weißwasser am Montagabend geladen. Diskutiert wurde anschließend über alternative Landwirtschaft.
    Zu einem Filmabend haben die Grünen in das SKZ Telux nach Weißwasser am Montagabend geladen. Diskutiert wurde anschließend über alternative Landwirtschaft.

Zu einer Drei-Ländertour haben sich Landtagsabgeordnete Franziska Schubert, Bundestagsabgeordneter Stephan Kühn und Kreistagsabgeordneter Thomas Pilz (alle Bündnis 90/Grüne) am Anfang der Woche aufgemacht. Am Montag ging es für die Grünen-Politiker von Görlitz aus über Niesky nach Weißwasser. Zu abendlicher Stunde wurde in das Soziokulturelle Zentrum Telux zu einem Dokumentarfilm mit anschließender Diskussion geladen. Einige Interessenten haben sich eingefunden, um den Film „Zeit für Utopien – wir machen es anders“ zu schauen. Der Film handelt von einer alternativen Landwirtschaft.

Schon am Nachmittag musterte dagegen Stephan Kühn die Fassade des Nieskyer Bahnhofs. Wenn Bahnhöfe nicht wirklich einladend aussehen, nage das am Image des öffentlichen Personennahverkehrs, sagte er diplomatisch. Kühn kennt die Diskussionen um das „Aushängeschild der Stadt“, wie sie in Weißwasser etwa geführt worden sind: Eine baldige Sanierung des Weißwasseraner Bahnhofs ist aufgrund der klammen Kassen in der Stadt so schnell nicht in Sicht. Immerhin: Das Gebäude gehört der Stadt. Das ist in Niesky längst noch nicht so.

Kühn ist verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen und Mitglied in der Landesarbeitsgruppe Verkehr und Mobilität Sachsen. Beate Hoffmann, Oberbürgermeisterin in Niesky, braucht ihm nicht zu widersprechen. In diesem Punkt sind sie sich einig. Die Nieskyer Oberbürgermeisterin sähe den Bahnhof lieber heute als morgen durchsaniert und natürlich genutzt.

Dabei gibt es jedoch mindestens zwei Probleme: Das eine betrifft die Eigentumsverhältnisse. Vor ein paar Jahren kaufte den Nieskyer Bahnhof ein Ehepaar aus dem hessischen Wetzlar. Ein Bistro wollten sie aus dem Bahnhof machen. Daraus ist jedoch nichts geworden. Sie habe mit den Eigentümern geredet, erzählt Beate Hoffmann. Und sie habe damals wie heute den Eindruck, dass sie weder den finanziellen Hintergrund haben, um ihre Pläne zu realisieren, noch Ambitionen, an die Stadt zu verkaufen. Selbst wenn – Niesky hat andere Probleme: Die Kassen sind leer, aber eine ganze Reihe von Straßen ist dringend sanierungsbedürftig. Zudem leide Niesky, wie die anderen Städte auch, unter der Erhöhung der Kreisumlage, ergänzt Franziska Schubert, die für die Grünen im sächsischen Landtag sitzt. Die Stadträte jedenfalls beschäftigen derzeit andere Probleme als eine teure Bahnhofssanierung, meint Beate Hoffmann. Das könnte sich ändern, wenn die Gleisanlagen saniert und das gesamte Umfeld mit neuen Zuwegungen und hübschen Fahrradständern ein ansprechendes Bild bieten. Dann könnte ein vernachlässigtes Bahnhofsgebäude zum Politikum werden.

Stephan Kühn hat nachgedacht. Ideen zu entwickeln und dann auf den Eigentümer zuzugehen, sagt er, könnte wirken. Vielleicht bei einem Workshop mit Vereinen, Gewerbetreibenden, den Stadträten. Er könnte jemanden vermitteln, der Erfahrung mit Bahnhofsanierungen hat und ein Impulsreferat hält. Nächstes Jahr vielleicht, wenn die Sanierung der Gleise durch ist? Möglichkeiten, das Ganze zu finanzieren, schweben ihm auch schon vor. Der Koalitionsvertrag sieht die Neuauflage eines Modernisierungsprogramms vor, mit dem in der Vergangenheit 108 kleine Bahnstationen barrierefrei ausgebaut wurden. Vielleicht ist da auch die Sanierung eines Bahnhofs drin? Selbst dann, wenn er nicht der Stadt gehört? Das komme ganz darauf an, wie das Programm ausgestaltet werde, so Kühn. Das sei bisher jedoch noch nicht erfolgt. Beate Hoffmann hat nichts zu schreiben dabei. Aber alles im Kopf notiert.

In Weißwasser neigt sich am Montagabend die Diskussion dem Ende. Für die Grünen geht es nun nach Zittau. Dort will man sich über die Pläne zur Kulturhauptstadt 2025 informieren.