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Donnerstag, 12.07.2018

Zwei Typen, ein Ziel

Das ist selbst in Zeiten von Steffi Graf nicht gelungen. Zwei deutsche Tennis-Damen streben in Wimbledon das Endspiel an.

Von Kristina Puck

Im Fed Cup spielen Angelique Kerber (l.) und Julia Görges in einem Team- im möglichen Wimbledon-Finale am Samstag wären die beiden Deutschen dann Gegnerinnen.
Im Fed Cup spielen Angelique Kerber (l.) und Julia Görges in einem Team- im möglichen Wimbledon-Finale am Samstag wären die beiden Deutschen dann Gegnerinnen.

© Eibner-Pressefoto/ Michael Weber

Das historische Wimbledon-Finale ist so nah wie nie. Jeweils ein Sieg noch auf dem Heiligen Rasen für Angelique Kerber und Julia Görges, dann spielt das Tennis-Duo im ersten deutschen Endspiel seit 1931 tatsächlich gegeneinander um die begehrte Wimbledon-Trophäe. In diesen verrückten Tennistagen des Sommers 2018 soll die wundersame Reise über die Rasenplätze für Kerber und Görges erst am Samstagnachmittag in einem gemeinsamen Schlusspunkt zu Ende gehen.

„Großartig“, „cool“, „verrückt“, klingt diese womöglich einmalige Chance für Görges. „Wir sind stolz auf euch“, sagt Tennis-Ikone Boris Becker. An dem Ort im Südwesten Londons, der wohl für immer am intensivsten mit den goldenen Tennis-Zeiten von Becker und Steffi Graf verbunden bleiben wird, treten zwei deutsche Damen am Donnerstag zur Vorschlussrunde an. Es sind zwei Frauen der Gegensätze. „Das Gefühl mit ihr zu teilen, mit einer Nation, das ist ziemlich besonders“, sagt Görges.

In ihrem erstem Grand-Slam-Halbfinale will die 29-Jährige die jahrelange Nummer eins Serena Williams bestehen. Die 30-jährige Kerber, Finalistin von 2016, trifft auf die Haudrauf-Spielerin Jelena Ostapenko aus Lettland. Erstmals überhaupt zogen zwei deutsche Frauen in einem halben Jahrhundert Profitennis ins Wimbledon-Halbfinale ein, erstmals seit 25 Jahren sind zwei bei einem Grand Slam unter den besten Vier. Ein rein deutsches Endspiel in Wimbledon gab es nur ein einziges Mal – lange vor der Ära des Profitennis: Vor 87 Jahren standen sich Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel gegenüber.

„Es sind beide wirklich großartige Spielerinnen. Sehr professionell und nette Mädchen“, sagt Serena Williams. Gegen die Powerfrau steht Görges vor einer einschüchternden Herausforderung. Beinahe unmöglich, wie ein Erfolg in Williams‘ dominanten Jahren gewesen wäre, ist die Aufgabe nicht. Unantastbar tritt die US-Amerikanerin zehn Monate nach der Geburt ihrer Tochter verständlicherweise nicht auf. Allerdings war Görges erst bei den French Open an Williams gescheitert.

Kerber wird der French-Open-Gewinnerin von 2017, Ostapenko, zum ersten Mal gegenüberstehen. Sie weiß, wie man Grand-Slam-Titel gewinnt. Bei den Australian Open und den US Open hat sie 2016 triumphiert, zudem stand sie vor zwei Jahren im Wimbledon-Endspiel. Beide Halbfinalistinnen stammen aus Schleswig-Holstein, sie sind ungefähr im gleichen Alter. Nun eint beide ein gemeinsames Ziel. „Julia ist impulsiver, draufgängerisch, frecher; Angie eher introvertiert, zurückhaltend“, beschreibt der Verbandscoach von Schleswig-Holstein, Herbert Horst, die Spielerinnen, der beide in der Jugend trainierte. „Wie sie sich im normalen Leben geben, so spielen sie auch Tennis“, sagt der 62-Jährige.

Görges wirkt in dem turbulenten Geschehen besonders gelöst. Sie scherzt, sie habe lange keinen Bezug zu Rasen nach fünf Erstrundenpleiten in Wimbledon gehabt – „außer im Garten“. Sie beschreibt als „geradeheraus“ und verrät lachend, warum sie mit einer Zahnklammer spielt: „Ich beiße stark auf die Zähne beim Schlag, das geht auf meinen Kiefer.“

Kerber ist keine Plaudertasche, sie gibt sich zurückhaltender. Im vorigen Jahr hat ihr der Trubel um ihre Person Kraft geraubt. Auf den Rasenplätzen an der Church Road präsentiert sich die ehemalige Weltranglisten-Erste jetzt nervenstark und mit der mentalen Reife, die sie 2016 bis ins Wimbledon-Endspiel getragen hat. (dpa)

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