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Montag, 12.03.2018

Zwei leben für die Katz‘

Ihre ganze Leidenschaft gilt den herrenlosen Samtpfoten der Stadt. Dafür verzichten eine der beiden auch auf Urlaub.

Von Andreas Neubrand

Ingrid Szameit (links) und Silke Rohsmann widmen sich in ihrer Freizeit herrenlosen Streunern in Roßwein.
Ingrid Szameit (links) und Silke Rohsmann widmen sich in ihrer Freizeit herrenlosen Streunern in Roßwein.

© Dietmar Thomas

Roßwein. Die Liebe zum Tier verbindet. Zumindest, was die Freundschaft zwischen Silke Rohsmann und Ingrid Szameit angeht. „Ich bin im Tierschutz aktiv und da habe ich festgestellt, dass es nicht hilft, wenn wir die Katzen nur füttern, aber danach nicht kastrieren. Doch allein konnte ich das nicht“, erzählt Ingrid Szameit. Eine Tierheilpraktikerin gab ihr dann den Tipp, sich an Silke Rohsmann zu wenden. „Das war im Jahr 2015. Seit dem versuchen wir zusammen herrenlose Katzen zu fangen und sie dann kastrieren zu lassen. “, sagt Szameit.

Silke Rohsmann beherbergt daheim insgesamt zehn Katzen, davon fünf eigene und fünf zugelaufene Tiere. Ihre Freundin Ingrid Szameit bringt es dagegen „nur“ auf zwei Katzen. „Ich wohne in einer Dachwohnung. Mehr als zwei Tiere kann ich da nicht verantworten“. so Szameit.

Silke Rohsmann schätzt, dass es allein in Roßwein über fünfzig streunende Katzen gibt. „Und von Jahr zu Jahr werden es mehr Tiere.“ Der Grund sei, dass es viele Leute gebe, die die Tiere füttern, aber sich gleichzeitig nicht darum kümmern, dass die Katzen sterilisiert oder kastriert werden. Aus diesem Grund nehmen die beiden Damen sich dieser Arbeit an. „Wir ziehen mehrmals die Woche los und versuchen streunende Katzen einzufangen. Dafür nehmen wir eine Lebendfalle, die wir uns aus dem Tierheim ausleihen“, erzählt Szameit. „Wir machen das seit 2015 und haben schon mehr als zehn Katzen sterilisieren lassen“, erzählt sie. Auch wenn die Zahl auf den ersten Blick etwas niedrig wirkt, die beiden Damen sind zufrieden. „Streuner sind extrem scheue Tiere. Und sie sind sehr schlau und lernfähig. Wenn die einmal eine Falle sehen, in der eine Katze sitzt, halten sie sich davon fern.“ Hinzu kommt, dass das Tierheim nur Miezen, also weibliche Tiere sterilisiert, Kater nicht. „Die Leute im Tierheim sagen, dass wir die Population nur eindämmen können, wenn wir die Miezen sterilisieren, da diese sich dem Kater anbieten“, so Rohsmann. „Wenn wir den Kater kastrieren lassen, dann springt das Weibchen eben zum nächsten. Außerdem ist es eine Kostenfrage.“

Fünfzig Euro verlangt ein Tierarzt im Durchschnitt für die Kastration eines Katers, neunzig für die Sterilisation eines Katzenweibchens. „Der Aufwand ist bei dem Weibchen höher“, sagt Szameit. „Sobald die Tiere kastriert sind, werden sie wieder freigelassen.“ Streuner sind nicht in Familien vermittelbar. Bezahlt wird die Kastration von den Tierheimen, die dafür von der Stadt Roßwein finanzielle Unterstützung erfahren. „Doch auch Tierheime leben überwiegend von Spenden. Und wenn das Geld aufgebraucht ist, dann können wir keine Katzen mehr fangen. Wir können uns das leider nicht leisten“, so Szameit.

Trotzdem lassen sie sich nicht entmutigen. „Wir wollen dieses Jahr zusätzlich Katzenhäuschen bauen, damit die Tiere einen Unterschlupf haben. Auch wenn es Geld kostet“, so Rohsmann. „Ich war schon seit Jahren nicht mehr im Urlaub. Die Katzen sind mir einfach wichtiger.“