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Donnerstag, 12.07.2018

Zwei Jahre gefangen?

Von André Anwar,SZ-Korrespondent in Oslo

Oslo. Ein schauriges Drama soll sich zwischen zwei Männern in der nördlich von Oslo gelegenen mittelnorwegischen Region West-Oppland zugetragen haben.

Ein 66-jähriger Mann wird beschuldigt, einen anderen Mann bis zu zwei Jahre mithilfe von „umfassendem psychischen und körperlichem Zwang“ gefangen gehalten zu haben. Laut Medienangaben soll sich das Opfer in einer Wohnung des Beschuldigten aufgehalten haben und getrennt von ihm gewohnt haben. Doch wenn der Mann in den Vierzigern versuchte, den Ort auf eigene Faust zu verlassen, wurde er angeblich bedroht und geschlagen. „Das konnten wiederholte Schläge auf den Kopf sein, oder ihm wurde erklärt, dass niemand mit ihm Kontakt wünscht, auch seine eigene Familie nicht“, zitiert die norwegische Boulevardzeitung Verdens Gang (VG) eine Kontaktperson des Opfers. Er sei „sehr leichtgläubig und wurde manipuliert, zu glauben, dass die Situation völlig normal sei“, sagte der Informant der Zeitung. Die Familie des Gefangenen hatte seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm. Sie soll ihn nach der Freilassung kaum wiedererkannt haben, so abgemagert war der Mann. Die Familie habe geglaubt, dass er keinen Kontakt haben wollte, sagte ein Sprecher der Familie der Zeitung Dagsavisen. „Er ist herzensfroh, da herausgekommen zu sein“, sagt seine Anwältin Aina Helene Tvengsberg. Zur genauen Zeitspanne seiner Gefangenschaft will sie sich nicht äußern, eine Spanne von zwei Jahren schließt sie aber nicht aus.

Der 66-jährige mutmaßliche Täter befindet sich derzeit in Untersuchungshaft und beteuert seine Unschuld. Laut dem zuständigen Amtsgericht versuchte er auch von dort, das vermeintliche Opfer zu kontaktieren und zu beeinflussen. Er habe dem Jüngeren lediglich helfen wollen, als dieser aus seiner damaligen Wohnung geschmissen wurde, sagt seine Verteidigerin.

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