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Montag, 17.09.2018

Zuversicht nach Waggonbau-Verkauf in Niesky

Einige neue Aufträge für den Güterwagenbauer konnten trotz der Insolvenz gesichert werden.

Von Carla Mattern

Im Waggonbau Niesky geht es weiter. Auch wenn der Aufsteller vor dem Verwaltungs- und Bürogebäude demnächst einen anderen Schriftzug bekommen wird. Das slowakische Schienenfahrzeugbau-Unternehmen Tatravagonka ist neuer Eigentümer des Werkes.
Im Waggonbau Niesky geht es weiter. Auch wenn der Aufsteller vor dem Verwaltungs- und Bürogebäude demnächst einen anderen Schriftzug bekommen wird. Das slowakische Schienenfahrzeugbau-Unternehmen Tatravagonka ist neuer Eigentümer des Werkes.

© André Schulze

Niesky. Die Nachrichten vom Verkauf des Nieskyer Waggonbaus an das slowakische Schienenfahrzeugbau-Unternehmen Tatravagonka stimmen die Nieskyer Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann optimistisch. „Wir sind alle sehr froh, dass es jetzt weitergeht“, sagt sie der SZ auf Nachfrage. Die unklare Situation sei sehr zermürbend vor allem für die Waggonbauer gewesen.

Sie hofft, dass die Zustimmung des Kartellamtes zu dem Verkauf der insolventen Nieskyer Firma nicht lange auf sich warten lasse. Beate Hoffmann sieht den Waggonbau-Verkauf an Tatravagonka pragmatisch. „Wir wollen hoffen, dass sich die slowakische Firma an die Absprachen hält.“ Waggonbau-Geschäftsführer Eduard Janßen hatte sie am Freitag informiert, dass der Verkaufsvertrag unterschrieben sei.

Insolvenzverwalter Jürgen Wallner ist überzeugt, dass die Nieskyer mit dem slowakischen Unternehmen einen guten Käufer bekommen haben. „Mit Tatravagónka haben wir einen aus unserer Sicht optimalen Käufer für den Waggonbau Niesky ausgewählt“, erklärt der Insolvenzverwalter. Denn der Käufer Tatravagónka sei ein starker Marktteilnehmer. Der Konzern Tatravagónka blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte bei der Herstellung von Güterwagen zurück. Während dieser Zeit wurden mehr als 130 000 Güterwagen in fast 100 verschiedenen Konstruktionsausführungen hergestellt, was einer Zuglänge von ungefähr 6500 Kilometern entspricht. Hinzu kommen fast 400 000 Drehgestelle. Gründer des Unternehmens war die Familie Halath, die im Jahre 1922 einen Auftrag zur Reparatur der Güterwagen für die Tschechoslowakischen Eisenbahnen erhielt. 1946 begann die eigentliche Produktion von Güterwagen. Das berichtet Jürgen Wallner über Tatravagonka.

In einer Pressemitteilung legt der Insolvenzverwalter großen Wert darauf, darzustellen, dass Waggonbau Niesky (WBN) als Ganzes verkauft wird. Ein wichtiger Partner in den Verkaufsverhandlungen war demzufolge die Insolvenzverwalterin der WBN Zwischenholding GmbH, Bettina Schmudde von der Kanzlei White & Case. „Die Besitzgesellschaft ist Eigentümerin des Betriebsgrundstücks in Niesky, weshalb ein Erhalt der WBN in der bisherigen Form nur gemeinsam mit Frau Schmudde ermöglicht werden konnte“, so Jürgen Wallner. WBN als Ganzes zu erhalten, dies sei auch für die betroffenen Gläubiger die sinnvollste Lösung, teilt Bettina Schmudde mit. Bis Ende März hatte der Insolvenzverwalter insgesamt 13 unverbindliche Angebote von potenziellen Investoren entgegengenommen. Diese wurden ausgewertet, geprüft und mit dem Gläubigerausschuss abgestimmt. Unter den Interessenten befanden sich sowohl strategische Investoren aus dem In- und Ausland als auch Finanzinvestoren. Dass 300 Arbeitsplätze für fünf Jahre sicher sind, das habe auch aufgrund der erfolgreichen Verhandlungen mit der IG Metall, vertreten durch Jan Otto, und dem Betriebsrat als gute Nachricht an die Beschäftigten übermittelt werden können, erwähnt der Insolvenzverwalter das Mitwirken von Gewerkschaft und Betriebsrat.

Während der Insolvenz gingen trotzdem einige Aufträge ein. Anfang März wurde ein Großauftrag über den Neubau von 160 Schüttgutwaggons über einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag zwischen der K+S AG und dem Waggonbau Niesky gezeichnet. Ein weiterer Vertrag mit einem Logistiker sieht den Neubau von 149 Autotransportwaggons mit einem Gesamtvolumen von mehr als 23 Millionen Euro vor. Darüber hinaus konnten weitere kleinere Aufträge mit einem Gesamtvolumen in Höhe von etwa elf Millionen Euro gesichert werden, deren Erfüllung nach der Insolvenzantragstellung zunächst gefährdet war. Trotzdem sind immer noch einige Waggonbauer in Kurzarbeit.