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Samstag, 07.04.2018

Zuversicht bei Bombardier in Bautzen

Während in Görlitz die Leiharbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten, wird in Bautzen derzeit jede Hand gebraucht.

Von Jana Ulbrich und Daniela Pfeiffer

Am Standort Bautzen will Bombardier das weltweite Kompetenzzentrum für die Komplettfertigung von Zügen einrichten. Das Werk soll das das Aushängeschild für die modernste Serienfertigung bei Bombardier in der Welt werden“, hat Deutschlandchef Michael Fohrer angekündigt.
Am Standort Bautzen will Bombardier das weltweite Kompetenzzentrum für die Komplettfertigung von Zügen einrichten. Das Werk soll das das Aushängeschild für die modernste Serienfertigung bei Bombardier in der Welt werden“, hat Deutschlandchef Michael Fohrer angekündigt.

© dpa

Bautzen. Mike Schillig eilt zur Spätschicht. Seit einem dreiviertel Jahr arbeitet der 46-Jährige im Qualitätsmanagement bei Bombardier in Bautzen. Schillig ist Techniker für Mechatronik – und Leiharbeiter. Angst um seinen Job im Bautzener Bombardierwerk hat der Dresdener nicht. „Hier wird doch gerade jede Hand gebraucht“, sagt er. „Ich könnte mir sogar vorstellen, dass auch Leiharbeiter aus dem Görlitzer Werk hier unterkommen können.“

Die Lage der Kollegen in Görlitz, sie ist auch in Bautzen Gesprächsthema. „Man fühlt sich doch irgendwie verbunden“, sagt Mike Schillig. Zwar ist jetzt eine Standortschließung in Görlitz ganz klar vom Tisch, doch bleibt die Konzernleitung dabei, Arbeitsplätze insgesamt abbauen zu müssen. Vor allem die 600 Görlitzer Leiharbeiter bangen um ihre Jobs. Gemunkelt wird, dass für die meisten schon Ende des Monats Schluss sein soll. Bei Bombardier will man das aber weder bestätigen noch dementieren. „Die Anzahl der Leiharbeitnehmer an den Standorten Görlitz und Bautzen richtet sich dynamisch nach den jeweiligen Projektanforderungen“, heißt es dazu nur aus der Pressestelle in Berlin. Das schürt die Ängste in Görlitz weiter.

Großer Gewinner der Umstrukturierungen

Anders in Bautzen. Der Standort – so kann man es ruhig sagen – ist der große Gewinner der Umstrukturierungen im Konzern. Bombardier will in Bautzen die komplette Fertigung von Regional- und Fernverkehrsbahnen und von S- und U-Bahnen konzentrieren. „Bautzen soll das Aushängeschild für die modernste Serienfertigung bei Bombardier in der Welt werden“, hatte Deutschlandchef Michael Fohrer erst vor wenigen Tagen in Berlin betont. 30 Millionen Euro will der Konzern in den Aufbau der digitalisierten Großserienproduktion im Werk an der Spree investieren.

Die Zuversicht ist deshalb groß in Bautzen – auch bei den derzeit rund 100 Leiharbeitern. Selbst Ostsachsens IG-Metall-Bevollmächtigter, Jan Otto, naturgemäß ein sonst eher skeptischer Beobachter, äußert sich zuversichtlich: „In Bautzen werden die Leiharbeiter im Moment gebraucht“, ist der Gewerkschaftschef überzeugt. Nur Bautzens Betriebsratsvorsitzender Gerd Kaczmarek bremst den Optimismus: Im Moment sei die Auftragslage noch nicht so gut, wie sie sein könnte, sagt er. In Zukunft sei auch zu befürchten, dass die Leiharbeiter ihre Arbeitsplätze für festangestellte Kollegen räumen müssen, die möglicherweise aus Görlitz nach Bautzen wechseln.

Lösungen für Leiharbeiter finden

Die IG Metall will die Leiharbeiter nicht im Regen stehen lassen. Jan Otto führt gerade Gespräche mit der Arbeitsagentur und dem Sächsischen Wirtschaftsministerium, wie gekündigte Bombardier-Leiharbeiter schnell und unkompliziert anderswo untergebracht werden können. „Es gibt in der Region genug Unternehmen, die Fachkräfte suchen“, sagt Otto. „Wer hierbleiben will, den wollen wir hier auch halten.“

Die Görlitzer Leiharbeiter haben jetzt ebenfalls schon die Initiative ergriffen und eine Plattform „Zukunftsschiene“ ins Leben gerufen. Über das Internet wollen sie sich ein eigenes Netzwerk schaffen. Leiharbeiter können auf der Website „www.zukunftsschiene.de“ ihr Profil einstellen und so bei Unternehmen der Region Interesse wecken. Auch die Leiharbeiter in Bautzen seien eingeladen, sich anschließen.

Die aber haben gerade alle Hände voll mit Arbeit. „Man kann doch sehen, wie hier gebaut und investiert wird“, sagt ein 21-Jähriger aus Sohland an der Spree, der als Leiharbeiter im Ausbau arbeitet. Er fühle sich wohl an seinem Arbeitsplatz, sagt der junge Mann, die Kollegen in seinem Team würden keinen Unterschied machen zwischen einem festangestellten Mitarbeiter und ihm. „Und sollten wir hier wirklich nicht mehr gebraucht werden“, sagt der gelernte Tischler, „als Leiharbeiter kommen wir immer irgendwo unter.“

Jobmesse organisiert

„Bombardier kümmert sich sozial verantwortlich auch um seine Leiharbeitnehmer“, betont Sprecher Andreas Dienemann. Beispielsweise helfe das Unternehmen frühzeitig dabei, Brücken zu einer Anschlussbeschäftigung zu bauen. So wurde im Januar am Standort Görlitz eine Jobmesse mit Firmen aus der Region organisiert. Zudem würden die Leiharbeitnehmer kontinuierlich über die Planungen und Perspektiven für die Standorte informiert.

Es sind ja auch richtig gut ausgebildete Facharbeiter und Ingenieure, die teilweise schon über zwei Jahre und länger an den Bombardier-Standorten einen guten Job machen, betont IG-Metall-Chef Jan Otto. Und das weiß man auch bei der Konzernleitung von Bombardier.