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Montag, 22.11.2010

Züge nach Berlin fahren ab 2014 schneller

Bahnchef Grube muss bei einer Debatte in Dresden heftige Kritiken an langsamen und behindertenfeindlichen Zügen einstecken.

Von Peter Hilbert

Erst Ende 2014 fahren die Fernzüge von Dresden schneller nach Berlin. Das kündigte Bahnchef Rüdiger Grube bei einer Gesprächsrunde am Freitagabend an. „Wann rollt die Bahn vom Abstellgleis?“, war das Thema der Debatte. Dazu hatten die Dresdner CDU-Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz und Andreas Lämmel ins Kongresszentrum eingeladen.

Kritik 1: Langsame Züge in alle Richtungen

„Der Großraum Dresden hat dann große Entwicklungschancen, wenn die gute Erreichbarkeit gegeben ist“, sagte Vaatz. Auf dem Luftweg, über Autobahnen und dem Elbe-Wasserweg sei dies der Fall. Nur auf der Schiene nicht, kritisierte er. Vaatz und viele Bürger forderten Grube zum Handeln auf.

Der Bahnchef erläuterte, dass dies mit dem Ausbau der Strecke Dresden–Berlin auch getan wird. „Noch nie waren wir so dicht an der Realisierung wie jetzt“, sagte Grube. Ab Dezember 2014 soll auf dem größten Teil der Strecke das Tempo 200 möglich sein. Dann würde sich die derzeitige Reisezeit von 2:15 Stunden um über eine halbe Stunde verringern.

Erteilen die Behörden die Genehmigung, soll von 2012 bis 2014 kräftig gebaut werden. Die bereits ausgebauten Streckenabschnitte werden dann mit moderner Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet. Diese Arbeiten wurden gegenüber ursprünglichen Plänen vorgezogen. So kommen Dresdner zügig zum neuen Flughafen Berlin-Schönefeld. Wie es im Anschluss von dort weiter bis zum Berliner Hauptbahnhof geht, ist aber noch offen. Grube hofft, für den Ausbau der sogenannten Dresdner Bahn 2011 Baurecht zu bekommen. Er rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren.

Der Ausbau des Abschnitts nordwestlich von Dresden bis Böhla ist derzeit in vollem Gange. Damit wird in dem Stück auch die Fernbahn nach Leipzig und die S-Bahn nach Meißen weitgehend bis 2014 ausgebaut. Die Reisezeit nach Leipzig soll bis 2016 auf 47 Minuten schrumpfen.

In andere Richtungen gibt es aber wenig Hoffnung. So für die Neubaustrecke Dresden–Prag. Sachsens Bahnchef Artur Stempel, der Grube zur Seite stand, rechnet nicht vor 2030 mit einem Baubeginn.

Kritik 2: Deutsche Bahn nimmt Behinderte nicht mit

„Mit welchem Zug können wir überhaupt von Dresden nach Berlin fahren?“, fragte Rollstuhlfahrerin Romy Pötschke den Bahnchef. Die 30-jährige Dresdnerin vom Verband der Körperbehinderten weiß nur zu gut, dass in den Zügen meist keine Rollstuhlplätze vorhanden sind. „Damit sind Behinderte nahezu von dieser Route ausgeschlossen“, berichtet sie aus Erfahrung.

„Ich nehme diese Kritik sehr ernst“, versicherte Grube. Er fahre selbst einmal im Quartal mit Behinderten Zug, um die Schwachstellen zu testen. Die künftigen Intercity-Züge ICX würden mit deutlich mehr Rollstuhlplätzen ausgestattet. Jeder Zug würde auch einen eingebauten Zugwagen bekommen. Der Erste von ihnen wird aber erst 2015 kommen.

Kritik 3: Logistikstandort Dresden wird platt gemacht

Die Deutsche Bahn will den Logistikstandort Friedrichstadt mit Rangierbahnhof und Lokwerkstatt Anfang 2011 schließen. Das findet Thomas Wiedemann fatal. Der 47-Jährige arbeitet dort als Disponent und ist auch Dresdner Gewerkschaftsvorstand bei Transnet. Damit würden 250 Jobs in Dresden wegfallen. Besonders, da immer mehr Güterverkehr aus Osteuropa kommt, kann Wiedemann die Entscheidung nicht verstehen. Die Arbeiten sollen in Leipzig-Engelsdorf und ab 2016 in einem neuen Logistik-Standort Halle übernommen werden, erläuterte Sachsens Bahnchef Stempel. Er begründete die geplante Schließung mit Effizienz.