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Dienstag, 16.10.2018

Zu schwach für Biathlon

Von Sandra Degenhardt

Laura Dahlmeier muss nach mehreren Infekten und gesundheitlichen Problemen eine Pause einlegen. Ein plötzliches Karriereende schließt die Biathletin aber aus.Foto: dpa/Alberto Pizzoli
Laura Dahlmeier muss nach mehreren Infekten und gesundheitlichen Problemen eine Pause einlegen. Ein plötzliches Karriereende schließt die Biathletin aber aus. Foto: dpa/Alberto Pizzoli

© dpa

Die Saison beginnt in sechs Wochen, doch es ist mehr als fraglich, ob Laura Dahlmeier zum Auftakt des Biathlon-Weltcups dabei sein kann. Derzeit ist offen, ob die Doppel-Olympiasiegerin Ende November im slowenischen Pokljuka starten oder vor Weihnachten überhaupt einen Wettkampf bestreiten kann. Die 25-Jährige, die bei den Spielen in Pyeongchang im Februar zweimal Gold gewonnen hatte, muss eine längere Zwangspause einlegen. In den vergangenen Wochen wurde sie immer wieder von gesundheitlichen Problemen geplagt, jetzt setzt das zierliche Kraftpaket, das körperliche Herausforderungen jeder Art liebt, auf Anraten der Ärzte erst einmal mit dem Training aus.

„Aktuell fühle ich mich einfach nicht so, wie es notwendig ist, um professionell trainieren zu können. Ich muss jetzt einfach auf meinen Körper hören und – wie man so schön sagt – Luft ranlassen“, erklärte Dahlmeier ihre Auszeit am Montag in einer Mitteilung des Deutschen Skiverbandes (DSV). Dahlmeiers Immunsystem ist nach Aussage von Mannschaftsarzt Klaus-Jürgen Marquardt „ziemlich geschwächt. Hohe Intensitäten, große Trainingsumfänge oder Stress sind in der jetzigen Situation absolut kontraproduktiv.“

Ein vorzeitiges Karriereende wie einst bei Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner, die mit 25 Jahren aufhörte, steht bei der siebenmaligen Weltmeisterin aus Garmisch-Partenkirchen aber „absolut nicht zur Debatte. Zielsetzung ist, dass Laura möglichst bald wieder zu 100 Prozent gesund und leistungsfähig ist und dann natürlich in diesem Winter Rennen bestreiten kann“, sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach.

Nach ihren beiden olympischen Goldmedaillen in Südkorea war über das Karriereende spekuliert worden. Denn die siebenmalige Weltmeisterin hatte schon mit 24 Jahren alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Zudem sind ihr viele Sachen außerhalb der Loipe, die der Erfolg mit sich bringt, oft ein Dorn im Auge.

Fremdbestimmung ist für die passionierte Bergsteigerin, für die der Biathlon-Sport nicht alles im Leben ist, ein Graus. Dahlmeier nahm sich nach der anstrengenden Olympia-Saison eine längere Auszeit, erholte sich unter anderem in Georgien bei Skitouren im Gebirge, zog sich dann knapp vier Wochen auf eine Alm zurück. Sie holte sich den Abstand, den sie brauchte. Und schöpfte neuen Kampfgeist. „In mir brennt wieder das Feuer. Ich habe wieder Lust auf Biathlon und bin supermotiviert“, hatte Deutschlands Sportlerin des Jahres 2017 Anfang Juli in einem Interview dem Münchner Merkur gesagt.

Doch im Juli zog sich Dahlmeier bei einem Sturz mit dem Mountainbike eine Schnittverletzung am Oberschenkel zu, eine Infektion kam hinzu. Wenig später folgten eine Weisheitszahn-Operation sowie ein langwieriger Infekt, der Trainingseinschränkungen nach sich zog. Auch beim Lehrgang im österreichischen Hochfilzen hatte Dahlmeier zuletzt nicht alle Einheiten absolvieren können.

„Ich war ganz zuversichtlich, dass ich die stressige Olympiasaison gut verkraftet habe. Aber immer, wenn ich dachte, dass es jetzt endlich aufwärtsgeht, kam gleich der nächste Infekt oder wieder irgendein gesundheitliches Problem. Die letzten Wochen waren deshalb nicht gerade leicht für mich“, bekannte Dahlmeier. Ihre Karriere will sie bis zur WM 2020 in Antholz fortsetzen. Darum gibt sie sich kämpferisch: „Ich bin mir sicher, dass ich den Trainingsrückstand wieder ganz gut aufholen kann, wenn ich wieder voll belastbar bin.“ (dpa)

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