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Dienstag, 27.12.2016

Zu groß, zu tief, verboten

Seit fünf Jahren streiten sich zwei Kleingärtner mit dem Kreisverband. Nun geht es in die nächste Runde.

Von Peggy Zill

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Florian Thiele und Cindy Berger auf ihrem grünen Laubendach: Das Gras, was dort oben wächst, hätte der Kreisverband der Kleingärtner lieber unten. Auch der Hochsitz in der kleinen Parzelle im Hintergrund störe. Ebenso der Teich und Holzablagerungen.
Florian Thiele und Cindy Berger auf ihrem grünen Laubendach: Das Gras, was dort oben wächst, hätte der Kreisverband der Kleingärtner lieber unten. Auch der Hochsitz in der kleinen Parzelle im Hintergrund störe. Ebenso der Teich und Holzablagerungen.

© André Braun

  • Florian Thiele und Cindy Berger auf ihrem grünen Laubendach: Das Gras, was dort oben wächst, hätte der Kreisverband der Kleingärtner lieber unten. Auch der Hochsitz in der kleinen Parzelle im Hintergrund störe. Ebenso der Teich und Holzablagerungen.
    Florian Thiele und Cindy Berger auf ihrem grünen Laubendach: Das Gras, was dort oben wächst, hätte der Kreisverband der Kleingärtner lieber unten. Auch der Hochsitz in der kleinen Parzelle im Hintergrund störe. Ebenso der Teich und Holzablagerungen.
  • Das Foto zeigt den DA-Bericht vom 12. September dieses Jahres.
    Das Foto zeigt den DA-Bericht vom 12. September dieses Jahres.

Großweitzschen. So viel Ärger wegen eines Teichs, eines Turms und einer Hecke. Der Kampf von Florian Thiele und Cindy Berger gegen den Kreisverband der Kleingärtner erregt die Gemüter nun schon seit fünf Jahren. Und der Fall ist durch Fernseh- und Zeitungsberichte unterdessen weit hinaus über die Grenzen von Großweitzschen bekannt. Doch auch die Öffentlichkeit hat zu keiner Einigung geführt.

Beide Streitparteien bleiben bei ihren Standpunkten, decken immer neue Fehltritte des Gegners auf. Demnächst trifft man sich wohl wieder vor Gericht. Es geht um das große Ganze, was in einem Kleingarten erlaubt ist, wie er bewirtschaftet sein sollte. Und um Kleinigkeiten, wer darf überhaupt die Pacht eintreiben – Verein oder Verband – und wie sollten Obstbäume verschnitten werden.

Nachdem der Kreisverband im Sommer eine fristlose Kündigung schickte, weil Berger und Thiele angeblich keine Pacht bezahlen würden, hat man sich nun neue Forderungen ausgedacht, wie die Parzellen in der Anlage „Am Freudenberg“ bundeskleingartengesetzkonform gestaltet werden können. Die Abmahnung wurde Anfang November erteilt.

Bis zum 4. Dezember gab der Verband den Kleingärtnern Zeit, Ablagerungen von Müll, Holz und Unrat zu entfernen. Die Pflanzen bräuchten dringend einen Pflegeschnitt und es müssen Beete angelegt werden. „Bis Ende Februar/Anfang März wächst in unseren Breitengraden nichts mehr auf den Böden. Die Forderung ist irrsinnig und zeugt von der mangelnden Fähigkeit, Gartenbewirtschaftung einschätzen zu können“, antworteten Thiele und Berger darauf. Florian Thiele hat nachgemessen: In der kleinen Parzelle sind mit Hochbeeten und Obstbäumen 80 bis 90 Prozent Anbaufläche. Welche Beeren, Blumen und Gräser im benachbarten Garten wachsen, wissen Thiele und Berger ganz genau. Und haben gleich eine Liste an die Verbandsanwälte geschickt. Nicht, dass einer auf die Idee kommt, das sei Wildwuchs.

Den Forderungen sind die beiden deshalb wieder nicht nachgekommen. Laut Schreiben der Anwaltskanzlei des Kreisverbandes wird nun über eine fristgemäße Kündigung beraten. Der Kreisverband wollte sich gegenüber dem Döbelner Anzeiger nicht zum Thema äußern und ließ eine Anfrage unbeantwortet. Immerhin: Nachdem die Pacht über 40-mal hin- und herüberwiesen wurde, hat dieser Zirkus nun ein Ende.

Drei Tage vor Weihnachten kam dann aber erneut ein Brief vom Kreisverband. Darin wird Thiele aufgefordert, offene Beträge aus den Jahren 2014 und 2015 zu überweisen. Und er erhält die Rechnung für das aktuelle Jahr. Die habe man laut Werner vorher nicht gestellt, da man auf ein persönliches Gespräch gewartet habe. Das habe Thiele in der Presse schließlich mehrmals angedeutet. Auch Christian Werner sagte in einem TV-Interview, er sei gesprächsbereit. Nur miteinander geredet hat man schon lange nicht mehr.

Wie die Sache ausgeht, will Florian Thiele nicht mutmaßen. „Es ist ein bisschen wenig, was die haben“, findet er. „Wir warten auf den nächsten Brief.“ Einer Kündigung werden sie erneut widersprechen. Sie finden keine Gründe für eine Abmahnung oder gar Kündigung. Die beiden würde interessieren, wie hoch die Anwaltsrechnungen bisher gewesen sind, für die die Verbandskasse – auf Kosten der Kleingärtner – geplündert werden musste.

Aber auch dem Kreisverband werden die Argumente nicht ausgehen. Nach den Bewirtschaftungsmängeln gibt es da ja noch bewilligungspflichtige Baulichkeiten und ungeeignete Anpflanzungen. Da stehe eine illegale Blechlaube, der Teich sei zu tief, das Dach zu grün, dafür fehle Rasen im Garten. Den Geräteschuppen, der laut Verband ohne Genehmigung errichtet wurde, hat Thiele quasi extra für Verbandschef Christian Werner gebaut. Der beschwerte sich vor einer Weile, dass auf der Wiese ein 1 000-Liter-Wasserfass ohne Zufluss steht. Nun wird auf dem Dach des Schuppens das Wasser gesammelt.

Seit 2008 sind Berger rund Thiele Kleingärtner. Begonnen hat der Streit im Sommer 2012. Da hatten die beiden die Idee, Bienen zu halten. Der Vorstand des Kleingartenvereins war nicht begeistert, startete sogar eine Unterschriftensammlung. Der Streit spitzt sich zu. Ende des Jahres sollten die beiden ihre Gärten räumen. Sonst drohe eine Klage. Der Kreisverband hatte Bewirtschaftungsmängel festgestellt. Thiele und Berger ließen sich aber nicht so einfach vertreiben und es drauf ankommen. Die Räumungsklage flatterte ins Haus und am 1. Juli 2013 traf man sich vor dem Amtsrichter in Hainichen. Der wies die Klage ab. Begründung: Formfehler. Denn Thiele wurde zwar mehrfach drauf hingewiesen, dass der Teich zu tief und groß ist, aber es wurde nicht gesagt, was er genau tun soll. „Eine Kündigung wegen Verstoßes gegen die Pflichten als Kleingärtner kann nur begründet werden, wenn die notwenigen Maßnahmen spezifiziert werden“, heißt es in der Urteilsbegründung.