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Montag, 23.04.2012

Zoo im Gazastreifen stellt ausgestopfte Tiere in Käfige

Stirbt ein Tier im Khan Younis Zoo, wird es ausgestopft und wieder in seinen Käfig gestellt. Der Grund: zu teures Tierfutter und Schwierigkeiten, exotische Tiere als Ersatz in den Gazastreifen zu schmuggeln.

Chan Junis. Für die Tiere im Zoo von Chan Junis endet der Kreis des Lebens noch nicht mit dem Tod. Nach ihrem Ableben kehren sie in das Gehege im Gazastreifen zurück - als ausgestopfte Ausstellungsstücke. Den Besuchern bietet sich damit ein ebenso einmaliges wie makaberes Zooerlebnis. Denn die Wissenschaft der Taxidermie - der Präparation von Tieren - ist in dem weitgehend isolierten palästinensischen Autonomiegebiet nicht unbedingt auf dem neuesten Stand, Fachwissen und Material sind rar.

Wer einige der etwa zehn einbalsamierten Tiere betrachtet, bekommt einen Eindruck davon: Fliegenschwärme umhüllen die Exponate, ihre behelfsmäßig aus Zäunen früherer jüdischer Siedlungen gebauten Käfige sind mit Müll übersät. Ein ausgestopfter Löwe liegt ausgemergelt auf einem aus Kisten und Paletten zusammengeschusterten Podest. Einem Affen fehlen die Gliedmaßen. Ein Stachelschwein hat ein Loch im Kopf.

Und ihren 65 Artgenossen, die noch unter den Lebenden weilen, geht es nicht besser. So gibt es auf dem Gelände keinen einzigen Tierpfleger. Ebenso wenig verfügt der Gazastreifen über eine Aufsichtsbehörde für Zoos. Medizinischer Rat wird über das Telefon bei Tierärzten in Ägypten eingeholt.

Viele Tiere in Wirren des Gazakriegs verendet

Zoobesitzer Mohammed Awaida erinnert sich. Eröffnet habe er den sogenannten „South Forest Park" 2007. Einen Teil der Tiere verlor er aber schon während der israelischen Militäroffensive gegen die Hamas im Dezember 2008. Während der dreiwöchigen Angriffe, die als Reaktion auf vorangegangene Raketenangriffe auf Israel gestartet wurden, habe er nicht in den Zoo gehen können, sagt Awaida. Hunger und Vernachlässigung hätten vielen Tieren das Leben gekostet.

Nach dem Gazakrieg sei die Idee entstanden, sie zu mumifizieren, erzählt Awaida. „Also haben wir herumgefragt und durch das Internet gelernt, wie man damit anfängt." Die Grundlage bildeten Formaldehyd und Sägemehl. Ein Experte sei er aber nicht, gibt Awaida unumwunden zu.

Aus der Not eine Tugend gemacht

In der Tat sind die Zoos im Gazastreifen geübt darin, aus der Not in der Region eine Tugend zu machen. So stellte ein Tiergarten in Gaza 2009 kurzerhand weiße Esel mit angemalten schwarzen Streifen aus. Denn zwei Zebras zu ersetzen, die während des Gazakriegs verendeten, war zu teuer.

Auf dem Zahnfleisch gingen die örtlichen Zoos schon früher. Als die radikalislamische Hamas den Gazastreifen 2007 gewaltsam unter ihre Kontrolle brachte, blockierte Israel den Zugang auch zu Häfen. Auch Ägypten hat den Betrieb entlang der Grenze eingeschränkt. Die Folge: Neue Tiere müssen mit hohem Kostenaufwand durch das Tunnelsystem entlang der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten transportiert werden.

Auf diesem Wege seien alle seine Tiere nach Chan Junis gekommen, sagt Awaida. Mit Ausnahme der Vögel. (dapd)