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Donnerstag, 12.07.2018

Zittaus Holzvorrat wächst

Der Stadtrat hat den Zehn-Jahres-Plan für die Bewirtschaftung des Stadtwaldes beschlossen. Und einen Konflikt mit den Gebirgsgemeinden im Blick.

Von Thomas Mielke

Bekam viel Lob vom Stadtrat für ihre Arbeit: Angela Bültemeier, Leiterin des Städtischen Forstbetriebes.
Bekam viel Lob vom Stadtrat für ihre Arbeit: Angela Bültemeier, Leiterin des Städtischen Forstbetriebes.

© Matthias Weber

Angela Bültemeier hat gleich mehrfach Grund, zu lächeln und sich zu freuen: Die Leiterin des Zittauer Forstbetriebs, die den mit knapp 4 300 Hektar größten kommunalen Wald Sachsens und den 17. größten in Deutschland bewirtschaftet, hat bei der jüngsten Ratssitzung viel Lob eingeheimst. „Sie leisten hervorragende Arbeit“, sagte beispielsweise Andreas Mannschaft (FBZ) zu ihr. Anlass für das Lob war der Vortrag von Frau Bültemeier vor den Räten zur Forsteinrichtung des Stadtwaldes. Das ist ein Plan, für den externe Fachleute prüfen, wie gewirtschaftet wurde, und vorschlagen, was in den nächsten zehn Jahren zu tun ist. Dieser Plan bescheinigt dem Forstbetrieb, „dass im Stadtwald Zittau nachhaltig gewirtschaftet wurde“, fasste Frau Bültemeier nicht ohne Stolz zusammen.

Das wiederum veranlasste einige Stadträte, sie und den Forstbetrieb gegenüber der Kritik, dass sie die touristische Nutzung des Gebirgswaldes zum Beispiel wegen zerfahrener Wege torpedieren, zu verteidigen. „Unsere Bewirtschaftung hat die Nutzung so erst möglich gemacht“, sagte Thomas Zabel (CDU). Seine Fraktion kommt daher zu dem Schluss, dass die „Forsteinrichtung des Stadtwaldes für eine weiterhin positive Entwicklung unserer Region“ sorgen wird.

Bei so viel Lob und Zustimmung ist es nicht verwunderlich, dass der Stadtrat die Forsteinrichtung einstimmig beschlossen hat. Selbst Matthias Böhm (Grüne) hob sein Kärtchen mit den Befürwortern, auch „wenn nicht alles gut ist“, wie er sagte. Er erkennt an, dass die Forsteinrichtung „beim Waldumbau zur Anpassung an den Klimawandel in die richtige Richtung zielt“. Wie aus Frau Bültemeiers Bericht hervorgeht, sind rund 80 Prozent der älteren Bäume des Zittauer Stadtwaldes – der vor allem im Gebirge, aber auch bei Ostritz, Großschönau, Olbersdorf, Wittgendorf, bei Ruppersdorf und auf dem Königsholz, dem Scheibe- und Breiteberg steht – Nadelbäume, die meisten davon Fichten. „Die Fichte ist das wirtschaftliche Rückgrat“, sagte die Forstbetriebsleiterin. Allerdings ist sie besonders vom Klimawandel bedroht. Deshalb baut die Stadt ihren Wald schon seit Jahren um. Das Ergebnis: Bei den jüngeren Bäumen dominiert mit fast 40 Prozent die Buche, nur noch knapp 35 Prozent sind Fichten. Nachgepflanzt werden vor allem Weißtannen, Buchen, Eichen und Bergahorn. Damit die Bäumchen nicht vom Wild abgebissen werden, will der Forstbetrieb sie zeitweise auf insgesamt 54 Kilometer einzäunen. Von allein, also auf natürlichem Weg verjüngen sollen sich vor allem Buchen und Fichten. Insgesamt soll auf diesen beiden Wege etwa ein Achtel des gesamten Stadtwaldes in den nächsten Jahren verjüngt werden.

Auch hält der Grünen-Stadtrat Böhm dem Forstbetrieb zugute, dass es in den nächsten zehn Jahren Maßnahmen zur Entschärfung des Konfliktes zwischen Waldbewirtschaftung und touristischer Nutzung geben soll. So will der Forstbetrieb zum Beispiel wie gewünscht touristische Sichtachsen im Gebirge freischneiden. Dafür, um Wege instand zu setzen oder zu sichern, also für die Erholungsfunktion des Waldes plant der Forstbetrieb bis 2027 Ausgaben in Höhe von über einer Million Euro ein – und 0,16 Millionen Euro Einnahmen. Auf die Frage von Stadtrat Jörg Gullus (FUW/FBZ/FDP-Fraktion), ob das reicht, um genug für die Erholungsfunktion des Waldes tun zu können, entgegnete Frau Bültemeier: „Ich denke, das ist auskömmlich kalkuliert.“ Ungeachtet dessen fordern Böhm und seine beiden SPD-Fraktionskollegen, dass die Stadt über den Konflikt weiter mit den Gebirgsgemeinden im Gespräch bleiben soll. Ihrer Meinung nach könnte man die Probleme am besten lösen, wenn alle Beteiligten einen Zweckverband „Forst/Kultur/Erholung“ gründen.

Die Million für die Erholung muss genau wie beispielsweise das Geld für die Verwaltung und die Waldarbeiter erwirtschaftet werden. Der Forstbetrieb rechnet bis 2027 insgesamt mit knapp 14,4 Millionen Euro Kosten. Demgegenüber stehen – wenn die Holzpreise, Stürme oder andere Katastrophen die Rechnung nicht über den Haufen werfen – knapp 16 Millionen Euro Einnahmen. Das meiste Geld wird aus dem Verkauf von Holz kommen. Unter dem Strich soll ein Gewinn von reichlich 150 000 Euro pro Jahr beziehungsweise 38 Euro pro Jahr und Hektar bleiben.

Befürchtungen, dass der Forstbetrieb dafür Raubbau am Wald betreibt, sind laut Plan unbegründet. Die Bäume würden derzeit beim Kahlschlag aller Flächen insgesamt über zwölf Millionen Kubikmeter Holz hergeben. Der Forstbetrieb will davon aber nur 2,2 Prozent „ernten“ und verkaufen. Bedienen wird er sich dafür auf knapp 1 900 Hektar Fläche. Allerdings sollen nur 11,3 Hektar kahlgeschlagen werden. Da gleichzeitig aber unter anderem die Waldverjüngung vorangetrieben wird, soll der Holzvorrat 2027 sogar größer sein als jetzt.