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Dienstag, 06.06.2017

Zittauer Glockenspiel läutet wieder

Hunderte haben am Sonnabend die Wiedereinweihung verfolgt. Noch ist das Projekt aber nicht vollendet.

Von Jan Lange

Viele Menschen waren am Sonnabend extra an die Fleischerbastei nach Zittau gekommen, um endlich wieder das sanierte Glockenspiel neben der Blumenuhr hören zu können. Rund 40000 Euro sind für die Arbeiten als Spenden eingegangen.
Viele Menschen waren am Sonnabend extra an die Fleischerbastei nach Zittau gekommen, um endlich wieder das sanierte Glockenspiel neben der Blumenuhr hören zu können. Rund 40000 Euro sind für die Arbeiten als Spenden eingegangen.

© Thomas Eichler

Zittau. Die wenigen Sitzplätze rund um die Blumenuhr sind am Sonnabendnachmittag schnell besetzt. Mehrere Hundert Zuschauer stehen zudem auf den Wegen und Wiesen, um die Wiedereinweihung des Zittauer Glockenspiels zu verfolgen. Die Sonne strahlt vom Himmel. „Das Wetter hat ein bisschen was gekostet“, scherzt Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm). Dem OB obliegt es, mit einem ersten Schlag auf eine Porzellanglocke, das Glockenspiel wieder in Betrieb zu nehmen.

Rund 8000 Euro hat die Stadt Zittau für die Reparatur und Modernisierung des Glockenspiels aus Meißner Porzellan beigesteuert. Das ist zwar eine größere Summe, aber nur ein Sechstel dessen, was insgesamt benötigt wurde. Den restlichen Betrag in Höhe von 40000 Euro hatten die beiden Initiatoren, Johannis-Türmer Felix Weickelt und Ratsuhrmacher Guido Hannig, über Spenden eingeworben. „Sie haben bei jeder Gelegenheit für die Sache geworben“, weiß der OB.

Über 400 Mal gingen Beträge für die Erneuerung des Glockenspiels auf dem dafür eingerichteten Spendenkonto ein. Große und Kleine machten mit – manche spendeten beispielsweise ihr Taschengeld. Geld kam von Privatpersonen wie Vereinen und auch von Betrieben. Die Spender stammen vor allem aus Zittau und Umgebung, wie Weickelt erklärt. Mancher Betrag erreichte die Zittauer aber auch aus der Ferne. So wurde aus Hamburg oder Baden-Württemberg gespendet. „Wir nehmen an, dass es sich dabei um ehemalige Zittauer handelt“, vermutet der Türmer. Für den OB ist die Spendenfreudigkeit ein Zeichen, dass Zittau imstande ist, Leute zu mobilisieren. Und es wurden so viele aktiviert, dass das Kleinod nicht nur repariert, sondern auch modernisiert werden konnte. Die 21 Meißner Porzellanglocken und ihre Aufhängung sind aufgearbeitet worden. Die Anschlaghämmer alle neu, ebenso wie die elektronische Steuerung. Nur die große Glocke, die normalerweise allein unter den beiden Glockenringen hängt, fehlt noch. Sie wird erst nach der Wiedereinweihung fertig. Felix Weickelt hatte mit Guido Hannig zuvor bereits eine Spendensammlung für die Turmuhr des Johanneums initiiert. Damals ging es um 15000 Euro. Zittaus Rathauschef sei überrascht und verwundert gewesen, wie schnell das Geld zusammengekommen ist. Bei der jetzigen Spendenaktion für das Glockenspiel war immerhin fast die dreifache Summe notwendig. Um diese einzuwerben, haben die Initiatoren gut eineinhalb Jahre gebraucht. Anfang 2016 ist die Aktion ins Leben gerufen worden. Ein Jahr danach waren schon rund 36 000 Euro auf dem Konto eingegangen, ein Großteil der benötigten Summe. Zenker bezeichnet den engagierten Türmer als positiv Verrückten, von denen die Stadt noch viele brauchen könne. Dafür gab es Zwischenapplaus von den Besuchern. Und es kommen auch jetzt noch Spenden rein, die für den Erhalt des Glockenspiels eingesetzt werden sollen, wie Zenker berichtet.

Erklingen werden künftig auf Jahres- und Tageszeiten abgestimmte Lieder wie „Kein schöner Land“, „Der Mond ist aufgegangen“ oder „Abend ward, bald kommt die Nacht“, wie Glockenspielexperte Günter Schwarze bei der Einweihung erklärt. Auch Lieder aus der Region sollen zu hören sein. So das „Oberlausitzlied“ sowie „Morgen Kinder wird’s was geben“, das von Carl Gottlieb Hering stammt und wohl in Zittau um 1809 entstanden ist. Beide Lieder haben die Besucher der Wiederinbetriebnahme schon mal angestimmt – das Weihnachtslied allerdings mit einem selbstkomponierten Text von Felix Weickelt.