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Samstag, 10.11.2018

Zittau bekommt Indoor-Spielplatz

Das christliche Gemeindezentrum Elim bietet den Freizeitspaß ab 17. November im Lutherhaus an. Für alle. Ohne Eintritt. Und aus drei Gründen.

Von Thomas Mielke

Ab geht die Post: Rebekka und Mama Ulrike Tietze haben die neue Spielwelt im Lutherhaus schon mal ausprobiert.
Ab geht die Post: Rebekka und Mama Ulrike Tietze haben die neue Spielwelt im Lutherhaus schon mal ausprobiert.

© Rafael Sampedro

Rebekka rutscht mit ihrer Mama ganz vorsichtig in Richtung Fußboden der ehemaligen Barmer-Räume im Lutherhaus an der Inneren Oybiner Straße. Das kann die 1,5-Jährige bald regelmäßig und irgendwann sicher auch ganz allein tun: Ihre Mama ist nämlich Mitglied der christlichen Elim-Gemeinde in Zittau, der das Lutherhaus gehört. Die reichlich 100 Gläubigen um Pastor Johannes Weiß werden am 17. November den ersten Zittauer Innen-Spielplatz eröffnen. Auf ihm lädt unter anderem eine große, kunterbunte, fantasievoll gestaltete Holz-Spielewelt mit der Rutsche zum Erkunden ein. Wie alle anderen Spielgeräte auch ist sie Tüv-geprüft und wird bis zur Eröffnung noch fertig gestrichen. Gegenüber ist eine Kletterwand mit bunten Griffen angebracht. In einer Krabbelecke liegt Spielzeug. In einem durch offene Zugänge mit dem Spielbereich verbundenen Raum stehen gemütliche Sofas, auf denen Eltern mal durchatmen und mit anderen Mamas und Papas ins Gespräch kommen können. In einer kleinen Küchenzeile können sich Eltern oder Betreuer einen Kaffee oder den Kindern einen Kakao machen. Rund 15 000 Euro und viel ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder hat die Gemeinde in den Innen-Spielplatz investiert. Fördermittel gab es keine, sagt Pastor Weiß. Dafür aber etwa 1 600 Euro Spenden.

Die kleine Rebekka wird mindestens immer sonntags das Rutschen üben, wenn die Gemeinde im Obergeschoss Gottesdienst feiert. In der Elim-Gemeinde werden die Kinder während dieser Zeit separat betreut. Babys und Kinder bis zum 10. Lebensjahr können sich ab nächster Woche in der neuen Spielewelt austoben, die Erwachsenen derweil die Zeremonie oben vom Sofa aus auf einem Bildschirm verfolgen.

Der rund 60 Quadratmeter große Spielbereich ist aber nicht nur für die Gemeinde gedacht. „Er ist offen für jeden und ein Angebot an die gesamte Stadt“, sagt Pastor Weiß. Getreu des Bibelverses „Suchet der Stadt Bestes ...“ wolle die Gemeinde damit zur Belebung Zittaus beitragen. Eltern mit oder ohne Konfession und ihre Kinder, Geburtstagskinder oder Kita-Gruppen auf Ausflug – wer Lust hat, kann zu den Öffnungszeiten kommen. Auch außerhalb findet sich auf Bitten sicher eine Möglichkeit. „Die Betreuung wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen (auch Eltern) abgedeckt“, teilt die Gemeinde mit. Eintritt verlangt sie nicht, freut sich aber über die eine oder andere Spende.

Neben der verbesserten Betreuung der Gemeindekinder während der Gottesdienste und der Innenstadtbelebung gibt es noch einen weiteren Grund, warum die Gemeinde auf die Idee mit dem Spielplatz gekommen ist. Ursprünglich wollte das DRK in den einstigen Barmer-Räumen eine Tagespflegestation einrichten. Das hat sich aber laut Pastor Weiß wegen einer verwehrter Betriebserlaubnis zerschlagen. Deshalb suchte die Gemeinde nach anderen Nutzungsmöglichkeiten. Ein Angebot für Kinder rückte dann ganz folgerichtig in den Fokus: Im Lutherhaus betreuen in der Regel ohnehin zwei Tagesmuttis tobe- und spielwillige Mädchen und Jungs. Zudem ist die kleine Christen-Gemeinde laut ihres Pastors in den letzten Jahren im Durchschnitt deutlich jünger geworden. Zuletzt habe er 45 Kinder gezählt, sagt er.

Auch größeren Kindern, Jugendlichen und anderen Zittauern ohne religiösen Hintergrund haben die Christen das Lutherhaus geöffnet. Zu Tischtennis-Nachmittagen, Kaffee-Kränzchen, Mittagessen-Angeboten und anderem kommen nicht nur Gemeindemitglieder. Dass es sich dabei manchmal um arme Zittauer oder solche aus einem schwierigen Umfeld handelt, liegt in der Natur der Sache.

Eins müssen Eltern, die überlegen, sich den Indoorspielplatz mit ihren Kindern anzusehen, laut des Pastors nicht befürchten: den Versuch einer Missionierung durch die Christen. Nur wer aktiv an- oder nachfragt, wird mit dem Glauben der Elim-Gemeinde konfrontiert. Stattdessen freuen sich Pastor Weiß über einen ganz gegenteiligen Effekt: Durch dieses weitere öffentliche Angebot können sich noch mehr Menschen davon überzeugen, dass entgegen anderslautender Gerüchte im Lutherhaus keine böse Sekte ihr verborgenes Unwesen treibt.

Eröffnung am 17. November, ab 15.30 Uhr mit Trödelmarkt; Öffnungszeiten danach: Dienstag und Donnerstag 15.30 bis 17.30 Uhr sowie Freitag und Sonntag von 9.30 bis 11.30 Uhr