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Donnerstag, 12.07.2018

Zidane im Nacken

Didier Deschamps steht mit Frankreich im WM-Finale. Doch sein Nachfolger steht schon fest.

Von Thomas Lipinski

Didier Deschamps scheint es kaum fassen zu können: Mit Frankreich steht er nach dem Halbfinalerfolg gegen Belgien im WM-Endspiel und könnte nach dem Triumph 1998 als Spieler nun auch als Trainer den Titel holen.
Didier Deschamps scheint es kaum fassen zu können: Mit Frankreich steht er nach dem Halbfinalerfolg gegen Belgien im WM-Endspiel und könnte nach dem Triumph 1998 als Spieler nun auch als Trainer den Titel holen.

© dpa/Laurie Dieffembacq

Nach dem Triumph über Belgien und dem damit verbundenen Einzug Frankreichs ins Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft fehlt Didier Deschamps nur noch ein Sieg, um sich in eine Reihe mit Mario Zagallo und Franz Beckenbauer stellen zu können. Der Brasilianer und der Deutsche gewannen bisher als Einzige den Titel sowohl als Spieler als auch als Trainer. Nun könnte der Weltmeister von 1998 aus dem Duo ein Trio machen..

Doch egal wie das Spiel am Sonntag ausgeht, für Deschamps könnte es das letzte als Trainer der Equipe Tricolore sein. Ein Rücktritt nach dem Titel? Nicht ausgeschlossen. Und eine Niederlage würde die Position des 49-Jährigen – trotz aller Jobgarantien und eines Vertrages bis 2020 – erst recht nicht stärken. Denn ausgerechnet der, dem er als Spieler den Rücken freihielt, sitzt ihm jetzt im Nacken.

Zinedine Zidane, der WM-Held von 1998, der nach dem dritten Champions-League-Triumph mit Real Madrid zurückgetreten ist, wird sein Nachfolger. Davon geht selbst Deschamps, beim WM-Triumph vor 20 Jahren Kapitän und kompromissloser Abräumer hinter dem Ballzauberer, aus. Die Mehrheit der Franzosen wünscht es. Die Frage ist nur: Wann? „Er wird eines Tages Nationaltrainer. Das erscheint mir logisch“, sagt „DD“ über „ZZ“.

Seit dem 4:3 gegen Lionel Messi und die Argentinier im WM-Achtelfinale ist der seit 2012 amtierende Deschamps zwar Frankreichs Rekordtrainer, seine Assistenten überreichten ihm unter dem Applaus der Spieler ein Trikot mit der Rückennummer 80 für die Anzahl seiner Spiele an der Seitenlinie. Mit inzwischen 52 Siegen ist er zudem der erfolgreichste Nationaltrainer der französischen Geschichte. Und doch lässt die Kritik an ihm nicht nach. Kein Konzept, zu viele Regeln, kein Händchen für schwierigere Charaktere – irgendetwas hat immer irgendjemand an ihm auszusetzen.

Dabei hat Deschamps nur die Lehren aus dem französischen Scheitern der letzten 16 Jahre gezogen. „Die fußballerischen Qualitäten sind essenziell“, sagt er, „aber der soziale Aspekt und die geistige Verfassung sind auch sehr wichtig.“ Oder anders ausgedrückt: Es braucht „kollektive Energie und individuelle Qualität“. Die haben ihn nun ins WM-Finale gebracht. (sid)

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