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Donnerstag, 17.05.2018

Wut und Ratlosigkeit im Kleingarten wachsen

Bei den Laubenbränden in Löbau geht die Polizei in allen Fällen von Brandstiftung aus und schließt auch eine Serie nicht aus.

Von Anja Beutler

Ein trauriges Bild der Verwüstung: Die Reste einer der Lauben, die in der Nacht zu Dienstag in einer Löbauer Kleingartensparte abgebrannt sind.
Ein trauriges Bild der Verwüstung: Die Reste einer der Lauben, die in der Nacht zu Dienstag in einer Löbauer Kleingartensparte abgebrannt sind.

© Dieter Eimer

Löbau. Jetzt, wo die Saison so richtig ins Rollen kommt, haben Kleingärtner eigentlich nur ihre Pflanzen im Sinn. In Löbau aber – vor allem in der Gartensparte Gustav Wenzel – beschäftigt die Gartenbesitzer noch ein ganz anderes Problem: In der Nacht zum Dienstag haben erneut zwei Lauben in ihrer Kolonie gebrannt. Die Flammen griffen von einem Häuschen zum anderen über, viel übrig war davon am Ende nicht mehr. Aufgeheizt ist die Stimmung vor allem, weil es in dieser Gartensparte an der Rumburger Straße nahe dem Kaufland bereits zum vierten Mal gebrannt hat: Am 25. November sowie am 2. und 22. Dezember 2017 musste die Feuerwehr hier bereits anrücken. Außerdem ging ganz in der Nähe in der Äußeren Zittauer Straße ein leeres Gebäude in diesem Zeitraum in Flammen auf und auch in der Gartensparte Sonnenhain musste gelöscht werden.

Alles Zufall? Davon geht die Polizei in der Tat nicht aus, im Gegenteil: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist in allen Fällen von einer vorsätzlichen Brandlegung und damit einer vorsätzlichen Brandstiftung auszugehen“, erklärt der Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, Thomas Knaup, auf Nachfrage. Aufgrund der räumlichen Nähe der verschiedenen Tatorte sei ebenso wahrscheinlich auch von einem Tatzusammenhang auszugehen, fährt er fort. Dennoch sei grundsätzlich jeder Fall zunächst einmal einzeln zu betrachten, stellt Knaup klar. „Die Ermittlungen des Fachkommissariates für Brandgeschehen der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz dauern unverändert an“, betont Knaup. Zu der möglichen Schadenshöhe, die sich nach all den Vorfällen inzwischen angesammelt hat, gebe es zwar keine belastbaren Zahlen, allerdings gehe man von mehr als 10000 Euro aus.

Für die Kleingärtner ist das indes wenig tröstlich. Sie wollen die Sache aufgeklärt wissen. Bei Einträgen der Gartenfreunde im sozialen Netzwerk Facebook ist deutlich zu erkennen, wie sich Wut und Mitleid für die Betroffenen mischen. Auch beim Löbauer Territorialverband der Kleingärtner ist die Sache längst Topthema. „Auf der nächsten Mitgliederversammlung im Juni werden wir dazu auf alle Fälle sprechen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Löbauer Verbandes, Axel Renner. Er weiß aber auch: „Schützen kann man sich als Verein vor solchen Dingen im Grunde nicht.“ Wie sollte das auch gehen, selbst Gartenzäune sind für Kriminelle kein Hindernis. Zudem sind die meisten Vereine gemeinnützig organisiert und müssten öffentlich zugänglich bleiben – können sich also nicht verbarrikadieren.

Was Renner Sorgen macht, ist zudem der doppelte Ärger, den ein solcher Brand für die Betroffenen bringen kann: „Wenn sie keinen ausreichenden Versicherungsschutz für den Garten haben, bekommen sie nichts ersetzt und müssen die Entsorgung der Brandreste auch noch selbst bezahlen“, erklärt er. Deshalb rät er generell, den Versicherungsschutz zu überprüfen. Spezielle Gartenversicherungen gibt es heutzutage auch vom Kleingärtner-Landesverband, betont Renner. Nicht auszudenken wäre zudem, wenn sich die Brandserie in der Hochsaison fortsetzen würde. Jetzt beginne schließlich auch die Zeit, wo der ein oder andere Gartenbesitzer auch einmal eine Nacht in der Laube verbringe. Panik will Alex Renner indes nicht machen – und er hält auch nichts von patrouillierenden Gartenfreunden. „Aber ein wachsames Auge sollten alle haben“, sagt er.