erweiterte Suche
Montag, 17.09.2018

Wohnt es sich im Westen des Kreises besser?

Von Jens Fritzsche

Richtkränze für neue Wohnungen sind im Landkreis Bautzen jede Menge zu sehen. Im Westen rund um Radeberg dabei am häufigsten.
Richtkränze für neue Wohnungen sind im Landkreis Bautzen jede Menge zu sehen. Im Westen rund um Radeberg dabei am häufigsten.

© Thorsten Eckert

Bautzen. Hat der Landkreis als Wohnstandort an Attraktivität verloren? Das könnte zumindest ein Blick in die Statistik vermuten lassen. Denn nachdem 2016 noch 720 neue Wohnungen im gesamten Kreisgebiet bezogen werden konnten, waren es im vergangenen Jahr „nur“ noch 450. So jedenfalls die Zahlen aus dem Statistischen Landesamt. Die zeigen außerdem ein deutliches Gefälle beim Thema Wohnungsbau in den einzelnen Regionen des Kreises.

Gebaut wird demnach vor allem im Westen des Landkreises; im Dresdner Umland. Ottendorf-Okrilla und Radeberg verzeichnen wachsende Einwohnerzahlen. In Radeberg wird gebaut, was das Zeug hält: Mit 101 Baugenehmigungen für Wohnungen gab es 2017 doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Mittlerweile wachsen hier auch wieder größere Wohnblöcke. Kein Wunder, ist es ja quasi nur ein Katzensprung ins nahe Dresden mit all seinen Vorzügen. Nicht zu vergessen die großen Firmen, die sich zwischen dem Dresdner Norden und dem Radeberger Land angesiedelt haben.

Der Raum Radeberg profitiert von der Nähe zu Dresden und großen Betrieben

Mittendrin zum Beispiel das vergleichsweise kleine Arnsdorf. Gleich das Dreifache an Wohnungen sind hier im Vergleich zu 2015 im vergangenen Jahr entstanden. 32 Wohnungen, in aller Regel Einfamilienhäuser. „Natürlich profitieren wir von der Dresdennähe“, freut sich Arnsdorfs Bürgermeisterin Martina Angermann (SPD). Allerdings kam der Gemeinde ein weiterer glücklicher Umstand zu Hilfe: Nach der Wende hatten zahlreiche euphorische Investoren Bebauungspläne für neue Wohngebiete auf den Weg gebracht. Viele blieben ungebaut. Zunächst fehlte Bauwilligen das Geld, andererseits war auch die „Stadtflucht“ aus Dresden noch kein Thema. „Als nun die Nachfrage stieg, konnten wir die Pläne sozusagen aus der Schublade nehmen“, beschreibt Martina Angermann. „Und der Bedarf ist nach wie vor groß“, sagt sie mit einem lachenden Auge. Das weinende schaut derweil in die nähere Zukunft. „Da könnten wir an eine bürokratische Grenze stoßen“, verweist die Bürgermeisterin auf den Landesentwicklungsplan. Der stammt noch aus einer Zeit, in der Statistiken von einem flächendeckenden Bevölkerungsrückgang ausgegangen waren, „den es nicht gegeben hat“. Also waren viele Baugebiete nicht genehmigt worden. „Das fällt vielen Orten heute auf die Füße, da muss sich dringend etwas tun!“ Heißt, die Zahlen zeigen zwar grundsätzlich schon, ob eine Region im Kreis für Bauwillige attraktiv ist oder nicht – aber mitunter fehlt es wegen bürokratischer Schranken auch einfach an Flächen.

Der Raum Kamenz rückt in den nächsten Jahren stärker ins Blickfeld

Die Stadt Kamenz und deren Umland dürfte in den kommenden Jahren zunehmend für Bauwillige interessant werden; denn durch die großen Industrieansiedlungen – wie das große E-Autobatteriewerk Accumotive – entstehen neue Arbeitsplätze, die wiederum Ansiedlungen nach sich ziehen. Und so wird der zwischenzeitliche Rückgang beim Wohnungsbau hier nur eine Episode bleiben: Im vergangenen Jahr sind gerade mal fünf neue Wohnungen übergeben worden.

Gezielte Planung gegen kommunalen Kannibalismus

Damit sich dabei in der wirtschaftlich und in Sachen Einwohnerzuzug boomenden Region zwischen Radeberg und Kamenz die Gemeinden und Städte nicht auch noch gegenseitig Konkurrenz machen, sondern eine gezielte und für alle sinnvolle Infrastruktur-Planung möglich ist, haben sich die Orte zur „Wachstumsregion Dresden“ zusammengeschlossen. Unter Federführung des Landkreises werden nun Wohngebiete, Straßenverbindungen und Firmenansiedlungen in der Region geplant.

Bautzen und Bischofswerda entwickeln Wohnbaukonzepte

Und wie geht es Bautzen und Bischofswerda? Hier sind laut Statistik deutliche Rückgänge beim Wohnungsbau zu verzeichnen. Nachdem 2015 und 2016 jeweils 101 neue Wohnungen in Bautzen entstanden waren, stehen im Vorjahr gut die Hälfte weniger in der Statistik. In Bischofswerda wurde derweil gar keine neue Wohnung übergeben. „Die Stadt Bautzen arbeitet derzeit an einem Wohnbaukonzept, das im Dezember, spätestens im Januar präsentiert wird“, so Stadtsprecher André Wucht. Wobei sich die Stadt hier vor allem als Dienstleister versteht. Da viele Bauvorhaben durch geförderte Kredite der Sächsischen Aufbaubank finanziert werden, „benötigen Bauherren eine Bestätigung, dass die Maßnahme im städtischen Interesse liegt“. Die werde sofort und ohne Wartezeit ausgestellt, so Wucht. Aktuell gebe es gleich drei neue Wohngebiets-Projekte; am Spittelwiesenweg, in Stiebitz und an der Herrenteichsiedlung wollen private Investoren bauen. „Und das Interesse an den Wohnungen ist groß“, sieht der Stadtsprecher Bautzen durchaus als gefragten Wohnstandort.

Ähnlich in Bischofswerda. Auch hier male die Statistik ein falsches Bild, ist der Bischofswerdaer Stadtsprecher Sascha Hache überzeugt. Im vergangenen Jahr zogen 561 Menschen nach Bischofswerda, im Gegenzug verließen 513 Einwohner die Stadt. „Diese Zahl ist aber durch die Schließung des Asylbewerberheims etwas verzerrt“, macht der Stadtsprecher deutlich. Eigentlich ergebe sich ein Plus von 107 Zuzügen, so Sascha Hache. „Und bei unseren, in den letzten Jahren entwickelten Wohngebieten gingen die 40 Grundstücke sehr schnell komplett in den Verkauf und sind mittlerweile bis auf ein Grundstück auch bereits bebaut“, sieht auch er durchaus einen positiven Trend für seine Stadt. Zudem werden demnächst im neuen Wohngebiet im Ortsteil Belmsdorf weitere Wohnhäuser entstehen; und es gebe Förderprojekte für Sanierungen und Lückenbebauungen in der Bischofswerdaer Innenstadt.

Der Landkreis Bautzen bleibt also nach wie vor für Häuslebauer und Zuzügler ein attraktiver Kreis.

So viele Wohnungen wurden 2017 gebaut
Arnsdorf 32
Bautzen 52
Bischofswerda 0
Burkau 5
Crostwitz 2
Cunewalde 1
Demitz-Thumitz 3
Doberschau-Gaußig 0
Elsterheide 3
Elstra 1
Frankenthal 1
Göda 1
Großdubrau 8
Großharthau 9
Großnaundorf 0
Großpostwitz 0
Großröhrsdorf 21
Haselbachtal 4
Hochkirch 7
Hoyerswerda 51
Kamenz 5
Königsbrück 16
Königswartha 6
Kubschütz 0
Laußnitz 5
Lauta 0
Lichtenberg 0
Lohsa 9
Malschwitz 6
Nebelschütz 3
Neschwitz 5
Neukirch 5
Neukirch/Lausitz 6
Obergurig 0
Ohorn 14
Oßling 0
Ottendorf-Okrilla 28
Panschwitz-Kuckau 6
Pulsnitz 16
Puschwitz 0
Räckelwitz 9
Radeberg 60
Radibor 2
Ralbitz-Rosenthal 6
Rammenau 0
Schirgiswalde-Kirschau 0
Schmölln-Putzkau 3
Schönteichen 3
Schwepnitz 2
Sohland 2
Spreetal 0
Steina 4
Steinigtwolmsdorf 6
Wachau 7
Weißenberg 5
Wilthen 0
Wittichenau 8
Landkreis 450
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen