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Samstag, 15.09.2018

Wo wird Tempo 30 angeordnet?

Vor der eigenen Hautür hätte wohl jeder gern ein Tempolimit. Die Stadt erlaubt das aber nur in ganz bestimmten Bereichen.

Von Nina Schirmer

Böse Zungen behaupten, ganz Radebeul sei eine einzige 30er-Zone. Die Stadt hat das Geschwindigkeitslimit in einigen Straßen aber sogar wieder aufgehoben. Vor allem sanierte Routen werden geprüft. Tempo 30 darf nicht willkürlich angeordnet werden, heißt es aus der Verwaltung.
Böse Zungen behaupten, ganz Radebeul sei eine einzige 30er-Zone. Die Stadt hat das Geschwindigkeitslimit in einigen Straßen aber sogar wieder aufgehoben. Vor allem sanierte Routen werden geprüft. Tempo 30 darf nicht willkürlich angeordnet werden, heißt es aus der Verwaltung.

© Arvid Müller

Radebeul. Auf der Heinrich-Zille-Straße läuft jetzt alles glatt. Seit der marode Abschnitt vom Rosa-Luxemburg-Platz bis kurz vor dem Krankenhaus saniert wurde, müssen Autofahrer nicht mehr über eine Buckelpiste holpern. Das hat auch positive Auswirkungen auf den Lärmpegel, der dort herrscht.

Doch es gibt eine Sache, die manche Anwohner vor dem Ausbau besser fanden und sich nun zurück wünschen: das Schild mit der 30 drauf. Als die Strecke noch löchrig und holprig war, musste der Verkehr dort langsamer fahren. Das hat sich nach der Sanierung geändert. Mit dem Kopfsteinpflaster ist auch der 30er-Abschnitt auf der Straße verschwunden.

Stadtrat Thomas Gey (SPD) wollte in der letzten Stadtratssitzung im Auftrag der Anlieger wissen, ob das Tempolimit nicht wieder angeordnet werden könne. Auf der Straße werde schließlich auf einer Seite geparkt und es gebe viele Ausfahrten, argumentierte er. Außerdem gilt weiter oben vor dem Krankenhaus ohnehin schon 30. Das Tempolimit müsste also nur auf ein paar hundert Meter wieder ausgedehnt werden.

Was so einfach klingt, will die Stadt aber nicht. Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) erteilte dem Anliegen eine Absage. Die Heinrich-Zille-Straße gehöre zu den klassifizierten Hauptstraßen, begründete er seine Entscheidung. Und für die gelte Tempo 50. Nur in besonders sensiblen Bereichen – wie eben zum Beispiel vor dem Krankenhaus – könne Tempo 30 angeordnet werden. Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass der Verkehr von den Hauptstraßen in die Nebenstraßen ausweiche, sagte Wendsche. Und das sei nicht gewollt.

Die Heinrich-Zille-Straße ist kein Einzelfall. Beschwerden über zu schnellen Verkehr gibt es aus dem gesamten Stadtgebiet immer wieder. Vor der eigenen Hautür hätten wohl jeder gerne eine 30er-Strecke. Die Stadt könne das aber nicht willkürlich anordnen, erklärt auch Ordnungsbürgermeister Winfried Lehmann (CDU). Gegenüber der übergeordneten Behörde müsse die Stadt Gründe vorlegen, wenn sie einen Straßenabschnitt zum 30er-Bereich macht.

Neben Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist das Tempolimit vor allem dort zulässig, wo viele Kinder unterwegs sind – vor Schulen und Kindergärten. Beispielsweise gelte auf dem gesamten Straßenabschnitt vor der Schillergrundschule und dem Pestalozzihaus in Radebeul-Ost Tempo 30, sagt Lehmann. „Das werden wir dort auch nicht ändern.“ An anderen Stellen hingegen überprüfe die Stadt, ob die Tempolimits noch bleiben können. Bei Straßen, die saniert wurden, sei das oft nicht mehr der Fall. So war es auch an der Kötzschenbrodaer Straße. „Dort hatten wir zeitweilig 30, weil die Straße stark beschädigt war und es streckenweise keinen Fußweg gab“, sagt Lehmann. Nach der Sanierung wurde die Geschwindigkeitseinschränkung wieder abgeschafft. Ausnahmen seien Routen, auf denen es Verengungen, schwer einsehbare Ecken oder Fußgängerüberwege gibt.

Gegen zu viele 30er-Abschnitte spreche auch noch ein anderer Grund, sagt Lehmann: „Man muss es auch alles kontrollieren können.“

Sozialforscher fanden übrigens heraus, dass fast 90 Prozent aller Fahrzeugfahrer in 30er-Strecken zu schnell unterwegs sind. Das Bußgeld beginnt bei 15 Euro, wenn maximal 10 km/h überschritten sind. Wer mit 50 durch ein 30er-Gebiet fährt, muss laut aktuellem Bußgeldkatalog bereits mit 35 Euro Strafe rechnen.