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Mittwoch, 16.05.2018

Wo die Augen des Hauses entstehen

Andreas Langhammer legt Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit. Nicht nur in seinem Fensterwerk in Rammenau.

Von Franziska Springer

Diese Tür eines Umgebindehauses wurde im Rammenauer Fensterwerk in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz komplett neu aufgebaut. Aber auch moderne Türen und Fenster werden hier gefertigt. Dabei hat Chef Andreas Langhammer hohe Ansprüche.
Diese Tür eines Umgebindehauses wurde im Rammenauer Fensterwerk in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz komplett neu aufgebaut. Aber auch moderne Türen und Fenster werden hier gefertigt. Dabei hat Chef Andreas Langhammer hohe Ansprüche.

© Steffen Unger

Rammenau. Andreas Langhammer liebt Holz. Das kann der hochgewachsene Mann kaum verbergen. Seine Brillenbügel, die Glieder seines Uhrenarmbandes – all das ist aus dem warmen, natürlichen Material gefertigt. Und auch beruflich umgibt sich Langhammer täglich mit dem nachhaltigen Werkstoff: Seine Firma, das Fensterwerk Sachsenfenster in Rammenau, führt ausschließlich Holz- und Holzalufenster im Sortiment. Das Holz, das zur Herstellung verwendet wird, stammt aus nachhaltigen Quellen, darauf achtet der Chef: „Mir ist wichtig, dass man versucht, nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als man auch erzeugen kann“, betont er.

Auf die Produktion von Kunststofffenstern zu verzichten, erscheint ihm unter diesem Aspekt nur logisch: „Viele neigen beim Hausbau dazu, einem Fenster weniger Bedeutung beizumessen als etwa den Fliesen im Bad“, sagt er und findet das falsch. „Schließlich sind die Fenster die Augen des Hauses, da macht es schon Sinn, auf hochwertige und langlebige Produkte zurückzugreifen. Ganz abgesehen von dem völlig anderen Wohngefühl, das Holz- im Vergleich zu Plastefenstern vermitteln.“

Der Mode unterworfen

Diesen Unterschied hat er am eigenen Leib erfahren: Als er vor fünf Jahren als Geschäftsführer in das Unternehmen kam, steckte er mit seiner Familie gerade mitten im Hausbau. Zur Erkenntnis, dass er sich lieber mit natürlichen Rohstoffen umgeben will, kam er ziemlich schnell und hat inzwischen in seinem Neubau „eigene Fenster“ verbaut. Damit liegt er voll im Trend. Denn der Mode ist selbst der Fensterbau unterworfen: „Neben dem Wunsch nach größeren Glasflächen, mehr Energieeffizienz beim Hausbau und einem gestiegenen Bedürfnis nach Sicherheit gibt es auch ein deutlich größeres Verlangen nach natürlichen Materialien, die bestenfalls noch umweltverträglich hergestellt wurden“, zählt der 42-Jährige auf, der mit seiner Familie in Zittau lebt und seit letztem Jahr auch Bürgermeister in Rammenau ist.

Neben der nachhaltigen Herstellung ist es vor allem die Qualität seiner Produkte, auf die Langhammer Wert legt. Massenproduktion lehnt der Unternehmer, der das Werk vor drei Jahren vom damaligen Eigentümer kaufte, strickt ab. Er liebt es, „hochwertige Sachen zu erklären und zu verkaufen“. Das schätzen auch die Bauherren, die Langhammer und seinen 63 Angestellten die Anfertigung ihrer Fenster und Türen anvertrauen – und: Es spricht sich herum. Selbst in New York blicken Hausbesitzer inzwischen durch Sachsenfenster. Aber auch im Freistaat selbst gibt es immer wieder hochwertige, anspruchsvolle Bauvorhaben: So stattete Langhammer mit seinen Mitarbeitern erst kürzlich am Berzdorfer See ein neuentstandenes Wellnesshotel mit großen Fensterflächen aus.

Besondere Sitzfenster

Ebenfalls spannend war der Auftrag eines Hotelbesitzers aus Leipzig, der für seine Zimmer besondere Sitzfenster bestellte. „Der Grundgedanke dabei war es, sich auf früher zu besinnen“, erklärt Langhammer. „Als es noch keinen elektrischen Strom gab, rückte man mit Sitzbänken möglichst dicht ans Fenster.“ Diese Grundidee griff der Architekt in Leipzig auf. Aber anders als früher fertigte Langhammers Unternehmen spezielle Fenster an, die über die Hausfassade hinaus auf die Straße reichen. Im so entstandenen breiten Fensterrahmen können die Gäste nun bequem sitzen.

Solche Einzelteil-Anfertigungen sind Langhammers Kerngeschäft. Dabei ist er aber nicht ausschließlich dem zeitgemäßen Design verpflichtet: „Unsere Verkäufer bringen gern moderne Fenster an den Kunden, unsere Tischler hingegen schätzen Denkmalobjekte“, schmunzelt er. Auch mit solchen Differenzen muss er sich auseinandersetzen, seit er mit gerade einmal 39 Jahren die Firma übernahm. Angst vor der Verantwortung hatte er keine. „Aber gesunden Respekt“, wie er sagt.

Viel Herzblut investiert

Dass er sein Geld auch risikoärmer verdienen könnte, ist dem Familienvater bewusst. „Aber ich hatte vor dem Kauf während meiner Geschäftsführertätigkeit drei Jahre Zeit, das Unternehmen kennenzulernen. Es passt zu mir, und ich hatte damals schon zu viel Herzblut investiert.“ Um nicht zu riskieren, dass der eingeschlagene Weg durch den Werkverkauf ein jähes Ende findet, war die Investition für den gebürtigen Weißwasseraner ein logischer Schritt.

Genau wie die Spenden, die sein Unternehmen jährlich an Vereine und Institutionen der Region vergibt: „Jeder Mitarbeiter kann seinen Verein vorschlagen“, sagt er. „Sie alle wohnen in der Region, sind hier verankert und haben Familie. Auf diese Weise kann ich ihnen etwas dafür zurückgeben, dass sie täglich gute Arbeit machen.“ Auch das zählt für Langhammer zu einem nachhaltigen Unternehmensstil.