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Dienstag, 25.09.2018

Wissenschaftliche Sensation

„Die Fruchtfliege“ ist kein Horrorschocker, sondern eine Komödie.

Von Christian Ruf

Cornelia Kaupert und Mario Grünewald spielen das Ehepaar Winter.Foto: PR
Cornelia Kaupert und Mario Grünewald spielen das Ehepaar Winter.Foto: PR

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Drosophila melanogaster, also Fruchtfliegen, sind in etwa so beliebt wie das vergammelte Obst, das sie so schätzen. Es gibt die eine oder andere Methode, ihnen den Garaus zu machen, wobei dem Gebot des chinesischen Sprichworts „Verjage die Fliege von der Stirn deines Freundes nicht mit dem Beil“ unbedingt Folge zu leisten ist.

Mutation, die Irritationen an

Körper, Geist und Seele auslöst

Zu justament einer solchen Fruchtfliege mutiert Horst Winter in dem Stück „Die Fruchtfliege“, das nun im Hoftheater Premiere hat. Ausgangsszenario des Stückes mit Cornelia Kaupert und Mario Grünewald: Als die Polizei einen Serienmörder sucht, werden alle männlichen Bewohner einer Stadt aufgefordert, sich einem Speicheltest zu unterziehen. Das Ergebnis bei Winter ist eine medizinische Sensation: Er müsste nach der Anzahl seiner Gene eine Fruchtfliege sein. Dies dringt an die Öffentlichkeit und die Medien tun, was sie gern und in der Regel durchaus mit Billigung der Leserschaft tun: Sie stürzen sich begierig auf den auflagen- und einschaltquotenträchtigen Fall. Winter fragt sich selbst, sie fragt ihn, ob er denn wirklich eine Fruchtfliege sei, und beide fragen sich, wie sie dem Horror öffentlichen Interesses entkommen können, der immer erbarmungsloser auf sie zuwalzt. Winters Leben wird in einer Tour komplizierter, die Probleme häufen sich. Nur in ständig neuer Kostümierung kann er sich in die Öffentlichkeit wagen, ohne dass ihn ein Schwarm von Journalisten überfällt. Seine Frau studiert heimlich Fachliteratur, um nach dem Identitätswechsel
ihres Mannes in allen Lebenslagen gewappnet zu sein.

Es klingt nach Horrorschocker, nach einer Adaption der mehrfach verfilmten Kurzgeschichte „Die Fliege“ von George Langelaan, de facto hat aber Gunter Antrak mit „Die Fruchtfliege“ eine Komödie verfasst. Das von Grünewald gespielte Insekt schwirrt über alltäglichen Eheknatsch witzig hinweg und beflügelt die Lacher. Aber es ernährt sich von gefährlich Fragwürdigem, sticht in Nachdenkenswertes und löst Irritationen an Körper, Geist und Seele aus.

Service

Was: „Die Fruchtfliege“

Wann: 20. & 28.9., 21.10., jeweils 20 Uhr

Wo: Hoftheater, DD

Tickets: ab 15 Euro

Hotline: 0351 250 6 150

Internet: www.hoftheater-dresden.de