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Dienstag, 04.09.2018

Wer hat das West-Nil-Virus mit nach Deutschland gebracht?

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Wissenschaftlerin Doreen Walther hängt eine Mückenfalle im Bergzoo Halle auf. Nach dem Fund des gefährlichen West-Nil-Virus (u.l.) bei einem Vogel in dem Zoo wollen Experten dort die Insekten sammeln. Das West-Nil-Virus kann durch Mücken auch in unseren Breiten übertragen werden. Fotos: dpa-ZB/Jan Woitas/Andreas Lander,Cynthia Goldsmith/Centersfor Disease Control/epa/dpa
Wissenschaftlerin Doreen Walther hängt eine Mückenfalle im Bergzoo Halle auf. Nach dem Fund des gefährlichen West-Nil-Virus (u. l.) bei einem Vogel in dem Zoo wollen Experten dort die Insekten sammeln. Das West-Nil-Virus kann durch Mücken auch in unseren Breiten übertragen werden. Fotos: dpa-ZB/Jan Woitas/ Andreas Lander, Cynthia Goldsmith/Centers for Disease Control/epa/dpa

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  • Wissenschaftlerin Doreen Walther hängt eine Mückenfalle im Bergzoo Halle auf. Nach dem Fund des gefährlichen West-Nil-Virus (u.l.) bei einem Vogel in dem Zoo wollen Experten dort die Insekten sammeln. Das West-Nil-Virus kann durch Mücken auch in unseren Breiten übertragen werden. Fotos: dpa-ZB/Jan Woitas/Andreas Lander,Cynthia Goldsmith/Centersfor Disease Control/epa/dpa
    Wissenschaftlerin Doreen Walther hängt eine Mückenfalle im Bergzoo Halle auf. Nach dem Fund des gefährlichen West-Nil-Virus (u. l.) bei einem Vogel in dem Zoo wollen Experten dort die Insekten sammeln. Das West-Nil-Virus kann durch Mücken auch in unseren Breiten übertragen werden. Fotos: dpa-ZB/Jan Woitas/ Andreas Lander, Cynthia Goldsmith/Centers for Disease Control/epa/dpa

Nach dem bundesweit ersten Nachweis des auch für den Menschen gefährlichen West-Nil-Virus haben Experten im Zoo von Halle zehn spezielle Mückenfallen installiert. Damit wollen sie klären, wie der Bartkauz, der den Erreger trug, infiziert wurde. „Das West-Nil-Virus kann von verschiedenen Mückenarten auch in unseren Breiten übertragen werden“, sagte Mücken-Expertin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf). Sie will die gefangenen Mücken bestimmen. Anschließend würden sie im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf Viren untersucht. In Deutschland gebe es etwa 50 Stechmückenarten, sagte Walther. Dabei gelte: „Jede Mücke kann Krankheitserreger aufnehmen, aber nicht jede kann sie übertragen.“

Vor wenigen Tagen war bei einem im Zoo Halle verendeten Bartkauz das West-Nil-Virus nachgewiesen worden. Es ist der erste bekannt gewordene Fall in Deutschland. Das Virus infiziert hauptsächlich Vögel, aber auch Pferde und den Menschen. Infektionen verlaufen bei Menschen meist harmlos, sie können jedoch unter Umständen das zentrale Nervensystem schädigen und sogar tödlich enden.

Die Mückenfallen bestehen aus Behältern mit Trockeneis, das durch Löcher an der Unterseite verdampft und Kohlendioxid produziert. Dies ist laut Walther der Hauptlockstoff für Mücken. Ein Ventilator erzeugt einen Luftsog, der die Mücken lebend in ein Auffangnetz befördert. „Ich hoffe, in einer Woche mindestens 100 Mücken fangen zu können“, sagte Walther. Je nach Witterung sollten die Fallen bis in den Oktober hinein hängen bleiben. Der lang anhaltende trockene Sommer könne das Auftreten des Erregers befördert haben, sagte Martin Groschup, Leiter des Instituts für neue und neuartige Tierseuchenerreger am FLI. In kürzeren und nassen Sommern komme der Entwicklungszyklus des Virus in Mücken nicht so gut in Gang.

Das Institut geht davon aus, dass heimische Mückenarten als Überträger infrage kommen. Laborexperimente hätten gezeigt, dass etwa die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) das Virus nicht nur in sich tragen könne, sondern auch in der Lage sei, den Erreger zu übertragen, sagte die Leiterin des Referenzlabors für West-Nil-Virus am FLI, Ute Ziegler.

Zusammen mit anderen Instituten ist das FLI an einem Mückenmonitoring beteiligt, bei dem seit 2015 an 144 Standorten in Deutschland Mücken gefangen, tiefgekühlt und dann gezielt auf Krankheitserreger untersucht werden. Bei diesem Monitoring seien andere virale Erreger wie Usutu, Sindbis und Batai nachgewiesen worden – aber bislang kein West-Nil-Virus. In Deutschland fehlt damit der Nachweis in der freien Natur, aber in anderen Regionen Europas sei die Gemeine Stechmücke als Überträger bereits nachgewiesen.

„Es ist aus anderen Gebieten bekannt, dass infizierte Wildvögel das Virus in sich tragen können und sich die heimische Stechmücke am Vogel infiziert und den Erreger so weitergibt“, sagte Ziegler. Als besonders empfänglich für den Erreger gelten Sperlingsvögel – vor allem Raben, Krähen und Häher – sowie einige Greifvogel- und Eulenarten wie der Bartkauz. Möglich sei auch, dass infizierte Mücken mit Gepäck oder in Fahrzeugen aus Urlaubsgebieten nach Deutschland transportiert worden sind.

Am West-Nil-Fieber sind in südeuropäischen Ländern in diesem Jahr auffällig viele Menschen erkrankt. In Serbien, Griechenland und Italien wurden seit Jahresbeginn insgesamt rund 50 Todesfälle registriert. In Deutschland tritt die Erkrankung sehr selten auf, bisher hatten sich alle Betroffenen im Ausland infiziert. (dpa)

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