erweiterte Suche
Montag, 04.06.2018

Von Gagarins Startplatz zur ISS

Auf seinem Flug zur Raumstation begibt sich der deutsche Astronaut Alexander Gerst auf die Spuren des Weltraumpioniers Gagarin. Doch was wird langfristig aus Gagarins Startplatz?

Von Thomas Körbel

Ein Zug transportiert die Rakete, mit der Alexander Gerst am 6. Juni 2018 zur ISS startet, von der Montagehalle auf dem russischen Weltraumbahnhof zum Startplatz Nr. 1 (Gagarin-Start). Dort wird sie anschließend aufgerichtet.
Ein Zug transportiert die Rakete, mit der Alexander Gerst am 6. Juni 2018 zur ISS startet, von der Montagehalle auf dem russischen Weltraumbahnhof zum Startplatz Nr. 1 (Gagarin-Start). Dort wird sie anschließend aufgerichtet.

© Thomas Körbel/dpa

Baikonur. Auf dem historischen Startplatz von Raumfahrtpionier Juri Gagarin weht die deutsche Fahne neben einer russischen Sojus-Rakete fröhlich im Wind. Sie kündigt an, dass der deutsche Astronaut Alexander Gerst an diesem Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All fliegt. „Von der Startplattform aus zu starten, von der schon Juri Gagarin gestartet ist, das ist ein Riesenkompliment“, sagt Gerst.

Am 12. April 1961 flog Gagarin vom Startplatz Nr. 1 in Baikonur als erster Mensch in den Kosmos. Seither wird die Rampe „Gagarin-Start“ genannt. Auch die erste Interkontinentalrakete R-7 und der erste Satellit „Sputnik-1“ hoben 1957 von dem Ort in der zentralasiatischen Steppe ab, wo am Montag Gersts Rakete aufgestellt wurde.

Die Anlage ist vor allem noch für bemannte Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) in Betrieb. „Der Kosmos beginnt auf dem Boden“, steht in roten kyrillischen Buchstaben auf einer der Baracken inmitten der Steppe Zentralasiens. Mehr als 500 Raketen sind in den vergangenen rund 60 Jahren vom „Gagarin-Start“ aus ins All geflogen.

Die Zukunft der Anlage aber ist ungewiss. In Raumfahrtkreisen heißt es, der Startplatz könne bald geschlossen und zu einem Denkmal gemacht werden. Hintergrund sind finanzielle Überlegungen. Denn in Baikonur gibt es zwei Plattformen, die für bemannte und unbemannte Sojus-Raketen geeignet sind: Nr. 1 und Nr. 31. Die Rampe Nr. 31 sei aufwendig modernisiert worden. Ob sich dies auch für Nr. 1 lohne, sei fraglich, berichtete die Zeitung „Iswestija“ unter Berufung auf eine informierte Quelle.

Es brauche mindestens sechs Flüge im Jahr, damit sich eine Startrampe rechne, was bei zwei Anlagen zwölf Starts entspreche, hieß es weiter. 2017 flogen in Baikonur acht Sojus-Raketen in den Kosmos. Auch 2018 zeichne sich nicht ab, dass zwölf Starts erreicht werden.

Hinzu kommt Konkurrenz für Baikonur aus dem Fernen Osten. Seit 2016 starten unbemannte Sojus-Raketen auch vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny. Mit der Anlage rund 8 000 Kilometer östlich von Moskau will sich Russland unabhängig machen von Kasachstan. Denn Russland pachtet Baikonur, das größte Kosmodrom der Welt, für 115 Millionen US-Dollar im Jahr von der Ex-Sowjetrepublik. Der Pachtvertrag läuft noch bis 2050, doch Experten erwarten, dass Wostotschny immer öfter den Zuschlag für Starts bekommen dürfte.

Noch ist das letzte Wort über den „Gagarin-Start“ nicht gesprochen. Die Agentur Tass meldete aus Branchenkreisen, die Rampe könnte doch modernisiert werden. Befürworter argumentieren, dass zwei Startplätze gebraucht werden, um eine Sicherheit zu haben, falls einer ausfällt.

Was die Zukunft auch bringen mag, Gerst darf am Mittwoch auf Gagarins Spuren ins All fliegen. Langfristig will Russland Baikonur und den Startplatz Nr. 1 für die Nachwelt erhalten und sie auf die Liste des Unesco-Welterbes setzen lassen. (dpa)