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Dienstag, 04.07.2017

Universum im Labor

In Darmstadt sollen künftig 3 000 Forscher aus 50 Ländern am Beschleuniger Fair arbeiten.

Von Joachim Baier

Mit dem Höchstleistungs-Rechenzentrum Green IT Cube im GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt wollen die Forscher von GSI und Fair die großen Datenmengen aus den Experimenten mit dem in Darmstadt geplanten Bau der Teilchenbeschleuniger Fair auswerten.
Mit dem Höchstleistungs-Rechenzentrum Green IT Cube im GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt wollen die Forscher von GSI und Fair die großen Datenmengen aus den Experimenten mit dem in Darmstadt geplanten Bau der Teilchenbeschleuniger Fair auswerten.

© dpa

Darmstadt. Mit dem teilweise unterirdischen Teilchenbeschleuniger Fair wollen Wissenschaftler Rätsel des Universums lösen. Gelüftet werden sollen Geheimnisse aus der Zeit kurz nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren bis in die Gegenwart. An diesem Dienstag ist nun Baubeginn für dieses internationale „Universum im Labor“. Auf einer Fläche von 20 Hektar entsteht Fair am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. „Das Projekt wird die Grenze unseres Wissens über das Universum weiter nach vorne schieben“, sagt der wissenschaftliche Geschäftsführer von Fair und GSI, Paolo Giubellino (56).

„Der Spatenstich ist ein Meilenstein im Gesamtprojekt“, erklärt der Technische Geschäftsführer von Fair und GSI, Jörg Blaurock „Das ist eine hochkomplexe Anlage. Wir wollen einzigartige Experimente durchführen.“ Der volle Betrieb mit einer beispiellosen Vielfalt an Experimenten ist für 2025 geplant.

Herzstück der neuen Anlage ist ein 1,1 Kilometer langer Ringbeschleuniger, der 17 Meter tief unter der Erde verläuft. Er wird an den bestehenden GSI-Beschleuniger angedockt, der etwa 200 Meter Umfang hat. Ionen und Antiprotonen sollen in der neuen Anlage fast Lichtgeschwindigkeit erreichen. Dann prallen sie auf eine Folie oder biologische Zellproben. Dabei wollen Forscher beobachten, wie beim Zusammenstoß neue Teilchen und Materieformen entstehen. So können sie Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte des Universums ziehen. Beim Aufprall sollen auch extrem hohe Temperaturen erzeugt werden wie etwa im Inneren von Sternexplosionen. Die Forschungsgebäude werden wegen der Strahlung bis zu acht Meter dicke Betonwände haben. Für das Bundesforschungsministerium ebnet Fair „den Weg für bahnbrechende Entdeckungen in Astro-, Kern- und Teilchenphysik bis hin zu Bio- und Materialwissenschaften“. Für die Errichtung seien auf Preisbasis 2005 fast 1,3 Milliarden Euro eingeplant. Der Bund übernimmt 65 Prozent davon, das Land Hessen 10 Prozent. Gesellschafter der Fair GmbH sind neben Deutschland auch Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Großbritannien ist assoziierter Partner. Das internationale Beschleunigerzentrum soll rund 3 000 Forschern aus 50 Ländern zur Verfügung stehen. (dpa)