erweiterte Suche
Dienstag, 12.06.2012

Universitäten aus aller Welt planen die „Rohstoffwende“

Lange Zeit stand der Bergbau im Ruf, die Umwelt zu zerstören. Doch eine neue Generation von Wissenschaftlern bereitet nun die „Rohstoffwende“ vor. Dabei soll vor allem die Sonnenenergie helfen.

Freiberg. Bergbau-Universitäten aus aller Welt haben in Freiberg ein Weltforum für Nachhaltigkeit gegründet und wollen so die „Rohstoffwende“ beschleunigen. Dieser Begriff steht für geschlossene Stoffkreisläufe unter der Nutzung regenerativer Energie.

„Immer weniger Bergbau, immer mehr Wiederverwertung“, beschrieb der Rektor der Freiberger Bergakademie, Prof. Bernd Meyer, am Dienstag den Ansatz. Dieser Weg sei unaufhaltsam und Energie dabei der Schlüssel für die Technik. Um alle Reststoffe zu verwerten, brauche man sehr viel Energie. Das Reservoir dafür sieht Meyer vor allem in der Sonne. Nachhaltigkeit bei Ressourcen umschrieb er mit den Begriffen Effizienz, Ersatz, Vermeidung und Recycling.

An dem Weltforum sind 58 Universitäten aus 39 Ländern beteiligt, darunter Einrichtungen aus Chile, China, Indien, Japan, Peru, den USA und Vietnam. Sie wollen Standards für die Ausbildung festlegen und ihre Studenten zu einem neuen Umweltbewusstsein erziehen. „Wir wollen ein neues Rohstoffbewusstsein etablieren“, erklärte Meyer.

Auch "Nachhaltigkeit in den Köpfen" ist ein Thema

„Es geht nicht nur um die Nachhaltigkeit von Ressourcen, sondern auch um Nachhaltigkeit in den Köpfen“, sagte Prof. Nikolaj Tskhadaya von der Uchta State Technical University in Russland. Das Weltforum verfolgt einen interdisziplinären Ansatz. Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftswissenschaften sollen die Montanwissenschaften ergänzen, die Technologie soll in ein soziales Umfeld eingebettet werden.

„Die Studenten von heute sind die Entscheidungsträger von morgen. Deshalb ist die Rolle der Universitäten so wichtig“, betonte Johan E. Hustad, Prorektor an der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim. Wissen sei der Schlüssel zu einer sicheren und nachhaltigen Nutzung von Bodenschätzen. Der Freiberger Rektor Meyer verwies auf den weltweit rasant steigenden Rohstoffbedarf. Dies führe auch zu neuen Dimensionen in der Beeinträchtigung von Umwelt und Gesellschaft.

Der wachsende Rohstoffbedarf war schon zu Beginn des Forums am Montag thematisiert worden. Um bei steigender Bevölkerungszahl menschliche Grundbedürfnisse abzudecken, werden jährlich bis zu drei Prozent mehr Energieträger, Metalle sowie chemische Grund- und Baustoffe benötigt, lautete die Prognose. Dafür müssten pro Jahr weltweit bis zu 600 Millionen Tonnen mehr Erze, Kohle, Erdöl und Baustoffe gefördert werden. Zugleich wird die Erschließung und Nutzung von Lagerstätten immer kostenaufwendiger. Auch das politische Umfeld spielt für den Bergbau eine Rolle. Nicht selten befinden sich die Lagerstätten in Krisengebieten.

Nach dem Willen der Gründungsmitglieder soll das Weltforum zu einer festen Institution werden. Ein Nachfolgetreffen 2013 in St. Petersburg ist bereits geplant. Die Geschäftsstelle des Forums befindet sich am Sitz der Freiberger Bergakademie - der ältesten montanwissenschaftlichen Universität weltweit. Ein Executive Committee mit Vertretern von Universitäten aller Kontinente kontrolliert die Standards und fördert den internationalen Austausch. Das Weltforum will auch ein Label auflegen, das Ressourcenuniversitäten bei Einhaltung der vereinbarten Standards verwenden dürfen. (dpa)