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Montag, 23.04.2018

So viele wie seit 100 Jahren nicht

Fast 300 Kegelrobben sind in diesem Frühjahr an der deutschen Ostseeküste gesichtet worden - so viele wie seit mehr als 100 Jahren nicht. Dazu kommen erste Geburten. Umweltverbände und Forscher fordern rasch einen Robbenmanagementplan.

Von Martina Rathke

Zwei Kegelrobben schwimmen über der SandbankGroßer Stubber im Greifswalder Bodden zwischen der Insel Rügen und Lubmin.
Zwei Kegelrobben schwimmen über der SandbankGroßer Stubber im Greifswalder Bodden zwischen der Insel Rügen und Lubmin.

© Stefan Sauer/dpa

Stralsund. Vor der deutschen Ostseeküste sind im Frühjahr fast 300 Kegelrobben gezählt worden - so viele wie seit mehr als 100 Jahren nicht. Bei einer Ausfahrt zum Großen Stubber, einer Untiefe im Greifswalder Bodden, wurden rund 200 Robben gesichtet, wie der Kurator des Deutschen Meeresmuseums, Michael Dähne, am Montag sagte. Auf der Insel Greifswalder Oie wurden nach Angaben der Wildtierstiftung WWF bei einer parallelen Zählung rund 90 Tiere entdeckt. Forscher und Umweltverbände werten dies als Indiz für weiter wachsende Robbenbestände an der südlichen Ostseeküste und fordern vom Land zügig einen Robbenmanagementplan.

Die saisonale Zunahme der Robben sei ein weiteres wichtiges Signal dafür, dass ein Robbenmanagementplan für die deutsche Ostseeküste dringend notwendig sei, sagte Florian Hoffmann vom WWF-Ostseebüro in Stralsund. „Mit der Rückkehr der Robben gehen Konflikte einher, die gemeinsam mit Fischerei und Naturschutz gelöst werden müssen.“ Robben sind Fischjäger. Fischer beklagen zunehmend zerrissene Netze und angefressene Heringe.

Die Zahl der Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste schwankt jahreszeitlich sehr stark. Spitzenwerte werden immer im März und April während der Heringslaichzeit gezählt. „Wir gehen davon aus, dass die sehr guten Nahrungsbedingungen auch skandinavische Tiere in die deutsche Ostseegewässer gelockt haben“, sagte Dähne.

Im vergangenen Jahr wurden im Frühjahr nach Angaben Dähnes 150 Tiere im Greifswalder Bodden gezählt, im Jahresmittel allerdings nur sechs Tiere. Ab Mai sinkt die Zahl der Meeressäuger an der deutschen Küste wieder drastisch. Die Forscher nehmen an, dass die Robben sich dann - in der Zeit des Fellwechsels - in ruhigere skandinavische Küstengebiete zurückziehen. In diesem Jahr hatte die ruhige Witterungslage für gute Bedingungen zum Zählen der Meeressäuger gesorgt.

Die bis zu zweieinhalb Meter großen Säuger gelten seit etwa 100 Jahren an der Südküste der Ostsee als ausgerottet. Vor allem Abschussprämien hatten dafür gesorgt, dass der Tierbestand zwischen 1880 und 1920 vollständig verschwand. Durch bessere Umweltbedingungen und den Schutz der Tiere stieg die Zahl der Kegelrobben in der gesamten Ostsee inzwischen wieder auf etwa rund 30 000 Tiere, davon leben rund 90 Prozent in der nördlichen Ostsee. Seit etwa 15 Jahren kehren die Kegelrobben langsam an die deutsche Küste zurück. In diesem Jahr wurden dort erstmals Robbenbabys entdeckt. (dpa)

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