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Dienstag, 05.06.2018

Schilfboot-Reise rückt näher

Der Chemnitzer Altertumsforscher Dominique Görlitz treibt seine nächste Expedition mit der „Abora IV“ voran. Ziel ist der Nachweis früher Handelswege über Meere.

Dominique Görlitz mit dem Modell seiner „Abora III“.
Dominique Görlitz mit dem Modell seiner „Abora III“.

© dpa/Martin Kloth

Stollberg. 20 Jahre nach seiner ersten großen Schilfboot-Expedition will der als Steinzeit-Segler bekannt gewordene Dominique Görlitz zu seiner vierten Mission aufbrechen. Voraussichtlich im kommenden Jahr ist der Start von „Abora IV“ im russischen Sotschi geplant. „Wir setzen alles daran, dass es 2019 losgeht“, sagte der Altertumsforscher dieser Tage in Stollberg am Rande der Eröffnung einer kleinen Sonderausstellung. Die Mini-Schau blickt auf bisherige Forschungsreisen zurück und auf das kommende Ereignis voraus. Sie dient zugleich als Vorschau auf eine große Ausstellung voraussichtlich ab 2020.

„Abora IV“ soll von Sotschi über Istanbul und Athen bis nach Kreta führen. Mit dem Segeltrip will der Chemnitzer Experimental-Archäologe prähistorische Handelsrouten aufzeigen. Görlitz ist überzeugt davon, dass es bereits im Altertum interkontinentale Handelswege über Meere und Ozeane gab. Als Belege dafür führt er unter anderem an, dass Funde von Eisen in den Pyramiden von Gizeh den Einsatz von Eisenwerkzeugen bezeugen würden.

Eine mögliche Quelle für das Metall vermutet Görlitz in Armenien. Zudem verfolgt der 51-Jährige die These, dass die Ägypter Bernstein aus dem Baltikum und Zinn aus dem Erzgebirge über eine Schwarzmeerroute importiert haben. „Wir versuchen mit ‚Abora IV‘, die Frage des Zinnrätsels experimental-archäologisch zu klären.“

Noch aber steht nach eigener Aussage die Finanzierung dieser Mission nicht. Für das Schilfboot werden nach Angaben von Görlitz 14 Tonnen Teichsimse benötigt, die in Bolivien von Aymara-Indios geerntet und auch von ihnen in Sotschi verarbeitet werden sollen.

Der Bau eines Schilfbootes wird auch im Mittelpunkt der geplanten großen Ausstellung ab voraussichtlich 2020 im Schloss Hoheneck in Stollberg sein. Besucher sollen dann gemeinsam mit den Indios aus rund neun Tonnen Schilf das Boot „Ra II“ des norwegischen Forschers Thor Heyerdahl (1914 –2002) fast in Originalgröße nachbauen können.

„Wir werden das Museum nicht vollständig übergeben“, sagte Görlitz. Zudem soll im Dachgeschoss des Museums, das noch für rund eine Million Euro umgebaut wird, die Geschichte der Cheopspyramide inklusive begehbarer Grabkammer und Gänge veranschaulicht werden.

Dominique Görlitz war 1999 im Mittelmeer mit „Abora I“ von Sardinien über Korsika bis zur Elbe gesegelt. Im Jahr 2002 wies der gebürtige Thüringer mit „Abora II“ nach, dass die frühzeitlichen Segelboote auch Hin- und Rücktouren bewältigen konnten. Die Atlantik-Überquerung von New York nach Spanien mit „Abora III“ musste nach schweren Sturmschäden 900 Kilometer vor den Azoren abgebrochen werden. (dpa)